Facebook-Nachrichten zurückpfeifen: Messenger führt Lasso-Funktion ein

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Facebook Messenger mit inside handy Logo
Bei WhatsApp können Nachrichten schon seit einer Weile auch nach dem Schicken eingefangen werden. Der Adressat sieht in seinem Display nur noch einen kurzen Hinweis: "Diese Nachricht wurde gelöscht". Diese Funktion weitet sich im Facebook-Universum aus. Auch der Facebook Messenger erhält nun eine Lasso-Funktion für versehentlich abgeschickte Nachrichten. Dahinter steckt eine lange Geschichte.

Schon vor einigen Monaten war die „unsend“-Funktion im Facebook Messenger in den Schlagzeilen. Marc Zuckerberg selbst hatte eine Nachricht abgeschickt und nachträglich gelöscht. Die Spekulations-Maschinerie lief heiß. Das Feature sollte nun also nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Nun dauerte es aber doch einige Zeit und das Lasso-Feature für den Facebook Messenger ist auch noch längst nicht für jeden verfügbar und wenn, dann auch nicht in alle Ewigkeit. Laut Techcrunch-Bericht wird die Funktion derzeit nur in Polen, Bolivien, Kolumbien und Litauen ausprobiert. Nutzer können versendete Nachrichten hier bis zu zehn Minuten nach dem Verschicken noch zurückziehen. Der Empfänger erhält – wie von WhatsApp gewohnt – den Hinweis, dass die Nachricht gelöscht wurde. Das Lasso-Feature ist also transparent und wirkt nicht spurlos.

Facebook-Nachrichten löschen: zwischen Service und Cybermobbing

Laut Facebook-Messenger-Chef Stan Chudnovsky habe man bei Facebook lange und intensiv über das neue Feature beraten. Die Probezeit bei WhatsApp wurde dabei offenbar nicht mit einbezogen. Demnach habe man einerseits die Vorteile gesehen: Versehentlich verschickte Nachrichten können zurückgezogen werden, inhaltlich falsche Chats können korrigiert werden. Die andere Seite der Medaille: Man habe in keinem Fall eine neue Plattform schaffen wollen, die Cybermobbing neue Chancen ermögliche – in welcher Form auch immer. Im Nachhinein gelöschte Nachrichten könne beispielsweise nicht mehr ohne weiteres an Facebook gemeldet werden. Für diesen Spezialfall würde Facebook auch gelöschte Nachrichten noch für einen kurzen Zeitraum speichern. Wird eine widerrechtliche Nachricht also zuerst gemeldet und dann vom Sender gelöscht, kann Facebook hier weiterhin aktiv werden und den Inhalt auf Verstöße prüfen.

Normalerweise, so Chudnovsky gegenüber Techcrunch, fielen löschenswerte Fehler innerhalb der ersten Minute nach dem Senden einer Nachricht auf. Um ein wenig mehr Spielraum zu geben, habe man sich entschieden, das Limit auf zehn Minuten zu setzen, eine noch längere Frist sei nicht notwendig und diene dem Zweck nicht mehr.

So funktioniert das Lasso-Feature im Facebook Messenger

Will man eine Nachricht nach dem Verschicken löschen, geht man wie folgt vor:

  1. Lange auf die versendete Nachricht tippen und gedrückt halten, bis ein Kontextmenü erscheint.
  2. Hier „Löschen“ wählen
  3. Es erscheint eine erneute Auswahl: „Für mich löschen“, „Für alle löschen“, „abbrechen“
  4. Um die Nachricht endgültig zu löschen und für niemanden mehr sichtbar zu machen „Für alle löschen“ auswählen

Wird stattdessen „Für mich löschen (Remove for You)“ ausgewählt, bleibt die Nachricht für den Adressaten weiterhin sichtbar und zugestellt. Nach diesem Schema, also nur für den Sender selbst, können Nachrichten im Facebook Messenger auch heute schon gelöscht werden.

Nachrichten im Facebook Messenger löschen
Nachrichten im Facebook Messenger löschenQuelle: Techcrunch

Das Feature kommt per App-Update für die Messenger-Apps von Facebook. In den unterstützten Ländern ist es sowohl für iOS als auch für Android verfügbar.

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Entwickler: Facebook
Preis: Kostenlos+
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Entwickler: Facebook, Inc.
Preis: Kostenlos

Weitere Lösch-Features im Messenger geplant

In dem genannten Interview mit Techcrunch plauderte Stan Chudnovsky noch weiter aus dem Messenger-Nähkästchen. So könne er sich auch anderweitige Lösch-Features vorstellen. Zum Beispiel Nachrichten, die sich – ähnlich den Instagram-Stories – nach einer individuell eingestellten Zeit selbst löschen würden. Etwa nach sechs Monaten oder nach Verstreichen einer beliebigen Frist für eine Einladung.

Wann das erste „unsend“-Feature auch die deutschen Messenger-Nutzer erreicht, ist derzeit noch unklar. Wenn ein Feature aber in ersten Märkten final ausgerollt wird, greift nicht selten ein Schneeballsystem und die Rollout-Welle wird immer schneller um weitreichender.

Und was hat Mark Zuckerberg damit zu tun?

Bereits Anfang des Jahres wurde publik, dass Facebook-Gründer Zuckerberg ein Lasso-Feature nutzte, um Nachrichten im Nachhinein zu löschen. Es folgte eine Empörungs-Welle nach dem Motto: Warum erhält der Facebook-Chef, der volksnah tut, ein Feature, das sonst keiner hat? Chudnovsky versuchte die Wogen zu glätten. Er habe gehofft, dass Feature nach dem Zuckerberg-Fauxpas früher an alle auszuliefern. Allerdings: Das Feature, das Mark Zuckerberg seinerzeit exklusiv nutzte, sei nicht haargenau jenes, das die Facebook-Nutzerschaft nun erhalte.

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