Ex-Vodafone-Technik-Chef: Bei 5G kommt es auf schnelle Abdeckung an

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5G
Bildquelle: Deutsche Telekom
Kaum einer hat den deutschen Mobilfunkmarkt so geprägt und begleitet, wie Hartmut Kremling. Er war von 1990 bis 2013 in der Technik-Spitze von Vodafone und hat so den Aufbau von GSM, UMTS und LTE begleitet. Jetzt sagt er, was bei 5G zu beachten ist.

Als wir 1991 mit dem GSM-Netz gestartet sind, haben wir als Gag Anstecker verteilt mit der Aufschrift ‚God Send Mobiles'“, erzählte Kremmling am Donnerstag auf der in Dresden stattfindenden Messe Connect EC aus der Vergangenheit. Denn zum Start von GSM gab es keine Mobil-Geräte.

„Wer zuerst 5G-Coverage hat, gewinnt“ Hartmut Kremling

Ähnlich verhielt sich das Ganze mit dem Start von 3G (UMTS) und 4G (LTE) – Handys waren zum Start Fehlanzeige. „Mit 5G ist das nun erstmals anders: Wir sehen die ersten 5G-Handys auf dem Markt – aber haben zumindest in Deutschland noch kein Netz.“

5G in Deutschland – derzeit Fehlanzeige

In der Schweiz hingegen ist 5G bereits gestartet. In Deutschland gibt es bis heute nur einige wenige Testnetze, in die sich Kunden – selbst wenn sie ein 5G-Handy hätten – nicht einbuchen können. Dabei ist das Rennen eigentlich schon eröffnet. „Wir werden von Beginn an einen Wettbewerb zwischen lokalen Anbietern und den etablierten Telcos erleben. Wer zuerst 5G-Coverage hat, gewinnt“, prognostiziert Kremling. Wen er mit lokalen Anbietern meint, sagte er jedoch nicht. Denn wirklich lokale Anbieter wird es nur als Campus-Netze für die Industrie geben. Zumindest im Endkundengeschäft stehen diese nicht in Konkurrenz zu den etablierten Netzbetreibern.

Kremling fordert, nicht auf die Frequenzen zu warten, die derzeit versteigert werden. „Beim 5G-Rollout sollten wir zuerst auf vorhandenes Spektrum unterhalb von 1 GHz setzen“, so der ehemalige Vodafone-Technikchef. Erst im zweiten Schritt sollten dann Frequenzen um 2,6 und 3,5 GHz genutzt werden – nämlich da, wo es einen hohen Kapazitätsbedarf gibt.

Ähnlich sind auch die 5G-Netze in der Schweiz aufgebaut. Der Vorteil: Frequenzen unterhalb von 1 GHz haben eine gute Flächenabdeckung und können so schnell eine gute 5G-Versorgung für IoT-Dienste aufbauen. Genau diese IoT-Dienste, die eine geringe Latenz benötigen, sollten möglichst zeitnah entwickelt werden.

Die Erfolgsfaktoren für 5G

Doch nur mit 5G an den Sendemasten ist es nicht getan, mahnt Kremling. „Wir brauchen mindestens 90 Prozent aller Marko-Standorte am Glasfaser-Netz, damit 5G funktioniert“, mahnt er die Netzbetreiber dazu, ihre Richtfunkstrecken ab- und Glasfasernetze aufzubauen. Die Telekom sei hier aufgrund ihrer Historie in einer guten Ausgangslage und besitze einen strategischen Wettbewerbsvorteil. Sie habe schon heute 90 Prozent aller Sender am Glasfasernetz angeschlossen, so der Ex-Manager. „Richtfunkanbindungen sind künftig nur noch für einzelne Zellen denkbar, die als Verdichtung dienen.“

Für einen Erfolg von 5G sei außerdem eine Ende-zu-Ende-Datenverschlüsselung entscheidend. Anders werden IoT-Dienste und vernetztes Fahren nicht funktionieren, mahnt Kremling. Zudem fordert er neue Antennen-Technologien für die Sendestandorte. Denn diese seien eine extrem knappe Ressource und 5G werde langfristig deutlich mehr Sender benötigen. „Basisstationen werden in zehn Jahren völlig anders aussehen, als heute“, prognostizierte Kremling. Beispiele, wie sich ein Antennenwald verhindern lässt, hat inside handy bereits zusammengestellt.

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  • 5G Symbolbild: Deutsche Telekom
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Thorsten Neuhetzki
Thorsten liebt Technik und ist seit 2018 bei inside handy als Redakteur an Bord. Als "alter Hase" in der Branche schreibt Thorsten am liebsten über alles, was mit Breitband zu tun hat. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um Super Vectoring, DOCSIS 3.1 oder 5G geht, schnelles Internet ist für Thorsten und seine Berichterstattung das A und O. Abseits des Newsdesks ist Thorsten mit großer Begeisterung auf seinem Tourenrad unterwegs. Vor allem Schweden hat es dem in Berlin wohnhaften Ostwestfalen, der schon seit vielen Jahren Bayern München die Treue hält, angetan.

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