Die deutschen Handynetze im Test: Vom besten LTE-Netz bis zum "Quantensprung" bei O2

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LTE Sendemast der Deutschen Telekom
Bildquelle: Deutsche Telekom
Regelmäßig werden die deutschen Mobilfunknetze in aufwendigen Test-Szenarien auf die Probe gestellt. Wie gut oder schlecht sind die Netze für das Telefonieren geeignet? Wie schneiden sie mit Blick auf die Performance bei mobilen Internetverbindungen ab? Jetzt gibt es neue Erkenntnisse, die einerseits durch Messungen von Ingenieuren stammen, andererseits aber durch Nutzerberichte selbst ermittelt wurden.

Wenn in Deutschland die Qualität von Mobilfunknetzen ermittelt wird, geschieht das inzwischen auf Basis verschiedener Netztests von Fachzeitschriften. Die „connect“ führt einen solchen Test ebenso durch wie die „Computer Bild“ oder jüngst auch die „Chip“. Bereits Anfang Juli hatte die „connect“ ihre Ergebnisse  für das Jahr 2018 vorgestellt, jetzt folgen auch jene von „Computer Bild“ und „Chip“. Und zum Teil kann man bei den Resultaten durchaus von einer Überraschung sprechen.

E-Plus und O2 – aus zwei Netzen wird eins

Rückblick: Als im Jahr 2014 die Übernahme der E-Plus-Gruppe durch Telefónica Deutschland genehmigt wurde, war klar, dass die Netze von E-Plus und O2 zusammengeführt werden. Dieses Mammutprojekt soll bis Ende dieses Jahres in weiten Teilen Deutschlands abgeschlossen sein. Telefónica wird in vielen Unternehmensmitteilungen nicht müde, zu betonen, in vielen Ausbauregionen schon einen ordentlichen Schritt vorangekommen zu sein. Gleichzeitig weiß man bei Telefónica aber auch, dass man noch viele Optimierungen im O2-Netz zu vollziehen hat.

Und genau das wird auch deutlich, wenn man sich den Netztest der „Computer Bild“ ansieht. Das Fazit der Tester dort: „O2 (Note 2,5) hat zwar große Schwächen auf dem Land, bietet aber erstmals ein brauchbares (und oft sehr günstiges) LTE-Netz für Städter.“ Mit anderen Worten: Wer sich häufig in Großstädten oder Ballungszentren aufhält, dem bietet O2 inzwischen eine durchaus attraktive Alternative. Auf dem Land gibt’s aber bis heute noch viele Probleme um oft nur ein sehr begrenzt verfügbares Netz. Vor allem mit Blick auf schnelle Internetverbindungen gibt es Verbesserungspotenzial.

Deutlich zu spüren ist das unter anderem auch in Zügen der Deutschen Bahn. Von Hamburg über Münster in Richtung Ruhrgebiet oder auch in weiten Teilen von Baden-Württemberg erscheint sehr häufig im O2-Netz nur ein „E“ auf dem Smartphone-Display. Das E steht für „Edge“ und ist heutzutage nicht einmal mehr für die Kommunikation über WhatsApp zu gebrauchen. Denn das Smartphone kann bei einer (zu) langsamen Edge-Verbindung nicht mit dem WhatsApp-Server kommunizieren.

Die „Chip“ sieht einen Quantensprung bei der O2-Netzqualität

Und was sagt die „Chip“? Sie bescheinigt O2 in der Endabrechnung eine Note 2,22, die sich auf 2,26 für mobiles Internet und 2,16 für Telefonie aufteilt. Insgesamt loben die „Chip“-Netztester, dass O2 in den Städten fleißig Punkte sammele. Sie sagen aber auch: „Auf dem Land schwächelt das Netz aber nach wie vor“. Trotzdem sei die Verbesserung des O2-Netzes im Vergleich zum Jahr 2017 „ein Quantensprung“.

Darauf sei man „natürlich sehr stolz“, sagte ein O2-Sprecher am Montag. „Gleichzeitig sind die Punkte, bei denen wir im Test noch nicht mit einem „gut“ abschneiden, bereits mit unseren engagierten Netzausbauplänen für die kommenden Monate adressiert.“ Das O2-Netz soll also weiter ausgebaut und verbessert werden. Man darf gespannt sein, inwiefern das auch die Verbindungen auf dem Land betrifft.

Und so schneiden Telekom und Vodafone ab

Natürlich haben „Computer Bild“ und „Chip“ auch die beiden D-Netze von Telekom und Vodafone getestet. Und beide kommen zum Ergebnis, dass das Telekom-Netz eine etwas bessere Performance an den Tag legt als jenes von Vodafone.

Bei der „Chip“ erreicht das Telekom-Netz in der Endabrechnung eine 1,36, während Vodafone auf eine 1,46 kommt. Beide D-Netze erhalten also die Note „sehr gut“, was Vodafone noch nie zuvor gelungen ist. Während das Ergebnis bei Sprachverbindungen nahezu identisch ausfällt (Telekom 1,30, Vodafone 1,35), schneidet die Telekom beim mobilen Internet besser ab: 1,39 (sehr gut) zu 1,55 (gut). „Besonders bei den Up- und Download-Geschwindigkeiten bleiben die Bonner unschlagbar“, so das Urteil der Tester.

Bei der „Computer Bild“ erreicht das Telekom-Netz in der Endabrechnung eine 1,8, während Vodafone mit einer 1,9 nur marginal schwächer abschneidet. Die Telekom biete das beste LTE-Netz, während Vodafone mit einem starken UMTS-Netz und sehr guter Sprachqualität zu überzeugen wisse.

Unterschiedliche Ergebnisse aufgrund unterschiedlicher Messverfahren

Nun mag man sich die Frage stellen, warum die „Computer Bild“ dem O2-Netz in der Endabrechnung nur eine durchschnittliche Bewertung verpasst. Die Antwort darauf ist simpel: unterschiedliche Messverfahren. Denn während bei der „Chip“ ein ausgetüfteltes Messverfahren auf säuberlich ausgewählten Teststrecken zum Einsatz kommt, lässt die „Computer Bild“ die Leser selbst testen – in ganz Deutschland. Nach eigenen Angaben nahmen am jüngsten Netztest zwischen Mai und Oktober 2018 fast 55.000 Nutzer teil. Dafür stellte die „Computer Bild“ eine „Netztest-App“ zur Verfügung, die jeder Nutzer auf seinem Smartphone installieren kann – auch abseits von festgelegten Teststrecken.

COMPUTER BILD Netztest
COMPUTER BILD Netztest
COMPUTER BILD Netztest
COMPUTER BILD Netztest

Welches Ergebnis am Ende als valider zu bezeichnen ist? Nun, das liegt vermutlich im Auge des Betrachters. Fakt ist aber, dass es in allen deutschen Netzen noch viel Verbesserungspotenzial gibt. Deutlich wurde das jüngst auch durch Aussagen von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Ihm ist es nach eigenen Worten „total peinlich“ im Auto mobil zu telefonieren, da die Verbindungen zu häufig abbrechen oder gar nicht erst zustande kommen.

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