Telekom finanziell auf Kurs - mit leichten Sorgen in Deutschland

4 Minuten
Die Zentrale der Deutschen Telekom bei Nacht
Bildquelle: Deutsche Telekom
Die Deutsche Telekom blickt zurück auf das Geschäftsjahr 2018. Sie zeigt sich zufrieden und spricht selbst von „beeindruckenden Zahlen“. Doch hier und da scheint etwas Sand im Getriebe zu sein, schaut man sich die Wachstumszahlen in Deutschland genauer an.

Nach Darstellung der Telekom sind es im deutschen Markt vor allem Erfolge bei Magenta Eins, der Ausbau der Marktführerschaft im Mobilfunk und stetiges Wachstum der Kundenbasis bei glasfaserbasierten Produkten, die das Jahr kennzeichneten. Soweit die Darstellung der Telekom. Doch was verbirgt sich dahinter?

Unter den eigenen Mobilfunk-Vertragskunden nutzen inzwischen 50,7 Prozent die Bündelprodukte aus Mobilfunk und Festnetz, berichtet der Konzern. Ein Jahr zuvor waren es 41,7 Prozent. Die Zahl der Magenta-Eins-Kunden stieg zum Jahresende auf 4,3 Millionen. Das waren 17,5 Prozent mehr als Ende Dezember 2017. Diese Kunden haben sowohl einen Festnetz- als auch mindestens einen Mobilfunkvertrag bei der Telekom und gelten als die wertvollsten Privatkunden für den Konzern – vor allem, wenn sie auch noch Magenta TV buchen. Das haben insgesamt 3,35 Millionen Kunden getan.

Das Mobilfunkgeschäft

Zum Mobilfunkgeschäft in Deutschland gibt sich die Deutsche Telekom enorm schweigsam in ihrer Pressemitteilung. Die Mobilfunk-Serviceumsätze hätten im Schlussquartal 2018 um 2 Prozent zugelegt, heißt es. Die Telekom sei damit „an der Spitze der Branche bei dieser wichtigsten Leistungskennzahl im Mobilfunk“. Doch die absoluten Kundenzahlen sehen vor allem im so wertvollen Vertragsgeschäft weniger gut aus.

452.000 Vertragskunden hat die Telekom im Jahresverkauf verloren. Zum Jahresende waren es 25,46 Millionen Verträge. Hinzu kommen die Prepaid-Kunden und das M2M-Geschäft. Hier hat die Telekom – anders als Mitbewerber O2 – kräftig zugelegt, sodass unterm Strich ein Plus von 2,5 Prozent bei den Mobilfunk-Kundenbeziehungen steht. Insgesamt nutzten laut Telekom 44,2 Millionen Kunden in Deutschland das Netz. Immerhin: Im traditionell starken Weihnachtsquartal 2018 hat die Telekom im Vertragskundengeschäft wieder zulegen können und hat 256.000 neue Vertragskunden begrüßen dürfen.

Das Festnetzgeschäft

„Der seit Jahren forcierte Glasfaserausbau führt zu einer stetigen Steigerung der Kundenzahl“, heißt es im Finanzbericht der Telekom. Inzwischen nutzen 12,2 Millionen Kunden einen glasfaserbasierten Anschluss, so die Telekom. Der Konzern führt damit die in den Augen der Mitbewerber unzulässige Vermischung von VDSL und Glasfaser fort. Tatsächlich hat nur ein kleiner Teil der Kunden die Glasfaserleitung bis ins Gebäude liegen, der Großteil nutzt weiterhin die Kupferleitung. Sie wird im Schaltkasten auf dem Bürgersteig auf Glasfaser übergeben.

Insgesamt zählte die Telekom zum Jahresende 18,6 Millionen Festnetzanschlüsse. Das sind 614.000 weniger als ein Jahr zuvor. Die betreffenden Kunden haben entweder ihr Festnetz abgemeldet, sind zu einem Wettbewerber oder zu einem Kabel-Anbieter gewechselt. Doch auch das Vorleistungsgeschäft für die Wettbewerber auf Basis der vermieteten Teilnehmeranschlussleitung (TAL) geht zurück. Nur noch 5,2 Millionen dieser blanken Kupferdrähte hat die Telekom vermietet. Das allerdings hängt auch damit zusammen, dass sie in VDSL-Vectoring-Gebieten keine TAL mehr vermietet, sondern Bitstream-Produkte anbietet.

Die Bilanzzahlen

Der Umsatz in Deutschland lag 2018 bei 21,7 Milliarden Euro – ein Rückgang von 1,1 Prozent. Immerhin stieg das bereinigte EBITDA im Segment Deutschland im Gesamtjahr 2018 um 2,4 Prozent auf 8,6 Milliarden Euro. Die Telekom begründet dieses mit der Erstanwendung eines neuen Rechnungslegungsstandards.

Die Investitionen des Konzerns seien auf einem Rekordwert. Der Cash Capex vor Ausgaben für Mobilfunkspektrum erreichte 12,2 Milliarden Euro. Damit investierte der Konzern in den vergangenen vier Jahren weltweit mehr als 46 Milliarden Euro. Davon habe die Telekom rund 21 Milliarden Euro in Deutschland investiert. Hinzu kamen mehr als 14 Milliarden Euro für Mobilfunklizenzen beziehungsweise -frequenzen.

So schwierig der deutsche Markt für die Telekom scheint, so erfolgreich ist der Konzern weltweit. Der Konzern übertraf die im Jahresverlauf dreimal angehobenen Finanzziele. Der Umsatz stieg in 2018 um 0,9 Prozent auf 75,7 Milliarden Euro, das bereinigte EBITDA legte um 5 Prozent auf 23,3 Milliarden Euro zu. Gleichzeitig wuchs der Free Cashflow im Gesamtjahr um 13,7 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro. Organisch – also bei konstanten Wechselkursen und unverändertem Konsolidierungskreis – betrug der Zuwachs beim Umsatz 3,1 Prozent, beim bereinigten EBITDA 7,2 Prozent und beim Free Cashflow 18,9 Prozent.

Die Zukunft

Die Telekom steht vor allem auf ihrem deutschen Heimatmarkt vor drei ungewissen Variablen. Es ist im Mobilfunkbereich unklar, wie letztlich die politische immer noch nicht ausgestandene Entscheidung zu Huawei als Netz-Systemlieferanten für 5G ausgeht. Auch sind die Bedingungen, zu denen die Telekom 5G-Lizenzen und Spektrum ersteigern kann offen – und somit natürlich auch die damit verbundenen Kosten in der Auktion und in der Folge im Netzausbau.

Im Festnetz sind unlängst erneut Forderungen des Bundesverkehrsministeriums nach einem echten Glasfaserausbau in Deutschland laut geworden. Das kann der Telekom auf der einen Seite in die Hände spielen, die auf der anderen in einigen Regionen aber auch in Bedrängnis bringen.

Deine Technik. Deine Meinung.

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein

geschützt durch reCAPTCHA Datenschutzerklärung - Nutzungsbedingungen

VERWANDTE ARTIKEL