Der Fall Tim Lobinger: Wenn es wegen Krebs keinen Handyvertrag mehr gibt

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Symbolbild Handyvertrag: Ein Handy, ein beschriebenes Blatt Papier und ein Stift liegen auf einem Tisch
Bildquelle: Pixabay
Es ist eigentlich nur eine kleine Passage in einem Interview mit dem Boulevard-Blatt "Bunte": Tim Lobinger, der an Krebs erkrankte ehemalige Weltklasse-Stabhochspringer, bekommt keinen neuen Handyvertrag mehr. Er könnte die Vertragslaufzeit möglicherweise nicht erfüllen.

Bei Lobinger war im März 2017 eine besonders aggressive Form von Leukämie diagnostiziert worden. Noch im vergangenen Jahr hatte der Sportler die Erkrankung öffentlich gemacht, hatte sich therapieren lassen. Die Chemotherapie schlug auch an, die einst diagnostizierten Krebsarten sind nicht mehr nachweisbar – dafür aber seit Januar dieses Jahres eine mutierte Art. Doch der ehemalige Sportler gibt nicht auf, spricht öffentlich über die Erkrankung. Sogar ein Buch hat er veröffentlicht.

Lobinger fand Ablehnung „schon krass“

Doch dieser öffentliche Umgang mit der Krankheit scheint auch Schattenseiten zu haben. In einem Interview mit der Zeitschrift sagte Lobinger, er habe kürzlich ein gutes Mobilfunk-Angebot für 14,85 Euro monatlich mit einer Mindestlaufzeit von 24 Monaten gesehen. „Das fand ich super“, so der Ex-Sportler. Seine Anfrage sei aber abgelehnt worden: „Mit der Begründung, ich könne die Mindestlaufzeit aufgrund meiner Erkrankung ja wohl nicht erfüllen.“

Lobinger habe kein Problem damit, offen über den Krebs zu reden. „Er gehört zu meinem Leben und ich versuche an jedem einzelnen Tag, positiv damit zu leben. Aber die Sache mit dem Handyvertrag fand ich schon krass.“ Um welchen Anbieter es sich im Fall Lobinger handelt, ist nicht übermittelt. Der genannte Grundpreis lässt zwar Rückschlüsse zu, doch Belege gibt es nicht. Zudem äußerte sich der mögliche Anbieter gegenüber inside handy, bei ihm sei der Vorgang nicht bekannt.

Vertrag abgelehnt: Rechtlich zulässig?

Generell gilt in Deutschland Vertragsfreiheit. Es steht den Unternehmen auch frei, Kunden wegen mangelnder Bonität – im Volksmund als schlechte Schufa bezeichnet  – abzulehnen. Das heißt aber nicht, dass diese Kunden kein Handy nutzen können. Es gibt zahlreiche Angebote, die sich gezielt an Kunden mit schlechter Bonität richten.

Dass Kunden aufgrund einer Krankheit abgelehnt werden und dieses auch als Begründung bekommen, ist indes eher selten und verstößt vor allem „gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz“, wie Anwalt Christian Solmecke in einem auf Youtube veröffentlichten Video betont. In Artikel 19 sei festgelegt, dass bei „Massengeschäften niemand wegen einer Behinderung abgelehnt werden darf“. Das betreffe auch den Fall Lobinger, da dessen Krebserkrankung eine dauerhafte Krankheit und damit einer Behinderung gleichkomme. Das Fazit von Solmecke: „Tim Lobinger ist hier zu unrecht abgelehnt worden.“

Handyvertrag trotz Schufa-Eintrag

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