Das beste deutsche Handynetz 2018: O2 verbessert sich deutlich

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Zwei Sendemasten mit Antennen in einem Waldgebiet
Bildquelle: Thorsten Neuhetzki
Welcher Anbieter liefert die besten Leistungen beim mobilen Surfen, Streamen und Telefonieren? Die Fachzeitschrift connect hat ihren Mobilfunk-Netztest 2018 vorgelegt. Das Besondere: Der Test setzt sich aus Testfahrten und Kundenerfahrungen zusammen. Nicht jeder Anbieter hat sein Ergebnis gegenüber dem Vorjahr verbessern können.

Gesamtsieger ist – wie in den Vorjahren – die Deutsche Telekom. Das verwundert nach schon zahlreichen gewonnenen Netztests der vergangenen Monate kaum jemanden in der Branche. Hinzu kommt, dass die Telekom auch auf Netzseite einige Alleinstellungsmerkmale hat, mit denen sie den Wettbewerbern überlegen ist. Sie setzt beispielsweise als einziger Anbieter LTE auf Frequenzen um 900 MHz für die Flächenversorgung ein und hat eine sehr hohe Anschlussquote der Sendemasten an ihr Glasfasernetz. Telefónica hingegen beginnt gerade erst zusammen mit Partnern, die Sendemasten in größerem Stil an das Glasfasernetz anzuschließen.

Die Telekom hat im Test die Note „sehr gut“ bekommen, gefolgt von Vodafone mit „gut“ und O2 mit „befriedigend“. Die Zeitschrift hat ihren Test zusammen mit dem Netztest-Spezialisten P3 durchgeführt. Die Ergebnisse werden nach Angaben der Zeitschrift nach einer praxisnahen und statistisch belastbaren Methodik ermittelt. In der Branche und bei den Anbietern hat dieser Test daher auch einen besonders hohen Stellenwert.

Das Testverfahren des connect Netztest in diesem Jahr: P3 hat mit Fahr- und Geh-Tests mit Profi-Technik die maximale Leistungsfähigkeit der Netze unter die Lupe genommen. Ergänzt werden die Ergebnisse um Nutzertest, um aufzuzeigen, was wirklich beim Kunden ankommt. Diese Werte fließen zu 15 Prozent in das Gesamtergebnis ein. Die verbleibenden Punkte hat die Redaktion wie in den Vorjahren im Verhältnis 40 zu 60 zwischen den Disziplinen Sprache und Daten aufgeteilt.

Die Testergebnisse bei der Telefonie

Bei den Sprachtests hat die Telekom insgesamt die Nase vorn. Sowohl in großen als auch in kleinen Städten sowie auch auf den Verbindungsstraßen hat sie die kürzesten Verbindungsaufbauzeiten. Auch in den Auto-Fahr-Tests hat die Telekom die höchste Erfolgsquote und auch die bessere Sprachqualität. Insbesondere auf Autobahnen haben Vodafone und besonders O2 offenbar noch viel Luft nach oben. Wer allerdings zu Fuß unterwegs ist, der hat zumindest in zehn deutschen Großstädten laut dem Test mit Vodafone die besseren Erfolgsquoten.

Die Sprachqualität liegt in diesem Szenario bei allen Kandidaten auf sehr hohem Niveau, da sie neben „Voice over LTE“ auch den für höhere Sprachbandbreiten ausgelegten EVS-Codec (Enhanced Voice Services) unterstützen. Auffällig: In den kleineren Städten fällt O2 deutlich hinter die Telekom und Vodafone zurück. Hier steigen bei Telefónica im Vergleich zu den Großstädten die Rufaufbauzeiten sowie die Erfolgsquoten und die gemessene Sprachqualität sinkt.

Unbefriedigend: Mobilfunknutzung in der Bahn

Nach wie vor kein Ruhmesblatt ist das Abschneiden der drei Netze beim Telefonieren in Zügen. Besonders traurig: Bei den Messwerten hat sich im Vergleich zum Vorjahr gemäß der Darstellung der connect so gut wie nichts getan. Eine geringfügig verbesserte Sprachqualität dürfte den bereits erwähnten Faktoren VoLTE und EVS zuzuschreiben sein, mutmaßen die Tester. Hier schneidet Vodafone wie schon im Vorjahr minimal besser ab als die anderen Netze. Beim Websurfen oder Streamen in der Bahn ist selbst der stärkste Anbieter nicht gut: Wer in deutschen Zügen mit Notebook, Tablet oder Smartphone arbeitet und dabei Webseiten aufruft oder Dateien überträgt, muss mit eher mageren Erfolgsquoten von 80 bis 90 Prozent leben. Und während der Zugfahrt YouTube-Videos anzuschauen, frustriere noch mehr. Hier verzeichnen die Tester nur 67 bis 76 Prozent Erfolgsquote.

Die Testergebnisse bei der Datennutzung

Die von den Testern ermittelten Datenwerte sind nach eigener Darstellung die wichtigsten Werte des Tests. Insgesamt schneidet auch in dieser Disziplin die Telekom am besten ab. Bei einem detaillierten Blick auf die Einzelkategorien zeigt O2 erfreuliche Fortschritte, vor allem bei den Walktests in Großstädten. Auf diese Regionen hat sich der Anbieter beim immer noch andauernden Zusammenschluss der ehemals getrennten Netze von O2 und E-Plus konzentriert. So liegt Telefónica in dieser Kategorie annähernd gleichauf mit Vodafone.

Anders sieht es beim normalen Web-Browsing, Uploads und Downloads von Dateien oder der YouTube-Wiedergabe aus. In allen Einzeldisziplinen erzielt die Telekom die stärksten Ergebnisse, Vodafone folgt mit klarem Abstand, O2 bleibt Schlusslicht.

Gesamtbetrachtung

Im Vergleich zum Vorjahr konnte sich die Telekom nur leicht steigern. Statt 887 von 1.000 Punkten erzielte die Telekom dieses Jahr 888 Punkte. Das Test-Urteil „sehr gut“ entspricht rechnerisch der Schulnote 1,3. Vodafone fällt bei einem Direktvergleich der einzelnen Testkategorien leicht hinter das Vorjahresergebnis zurück. Statt 841 Punkte erzielte das Unternehmen in diesem Jahr 810 Punkte. Das führen die Tester auf eine Verschärfung der Testverfahren zurück. Die Leistung des Netzes dürfte „in etwa gleichgeblieben sein“. Die Note „gut“ entspricht der Schulnote 1,8.

O2 kommt mit „befriedigend“ nur auf eine 3,1, steigert sich aber im Vergleich zum Vorjahr deutlich. 2017 trug man noch die Schulnote „ausreichend“ und 643 Punkte nach Hause, dieses Jahr 680 Punkte. Besonders offensichtlich sind die Verbesserungen in Großstädten. Schwachpunkte bleiben die Ergebnisse in kleineren Städten, auf den Verbindungsstraßen und in der Bahn. Auch insgesamt ist bei Telefónica trotz der spürbaren Verbesserung noch viel Luft nach oben.

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1 KOMMENTAR

  1. Mir persönlich bringen die theoretischen Tests nicht viel. Der durchschnittliche Nutzer nutzt nur ein Gerät aus dem Handel,und nicht Messfahrzeuge/Geräte. Ich will sehen wie es dort ist wo ich mich aufhalte. Ein Karte mit Echtzeitdaten die gleichzeitig alle Netze und der verfügbare Leistung anzeigt wäre mir da viel lieber. Außerdem wäre es schön wenn die Netzbetreiber mal aus der Deckung kommen,und den Kunden sagen wann das Netz in ihre Gegend besser ausgebaut wird.

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