5G-Pläne: Das fordert die Bundesnetzagentur von Telekom, Vodafone und Co.

6 Minuten
Sitz der Bundesnetzagentur im Tulpenfeld, Bonn
Die Bundesnetzagentur hat den finalen Entwurf der Auflagen für die anstehende 5G-Frequenzauktion vorgelegt. Darin fordert die Behörde unter anderem Kooperationen zwischen den beteiligten Parteien und will Funklöcher zu einem Problem der Vergangenheit machen.

Die Auktions-Auflagen der Bundesnetzagentur wurden mit Spannung erwartet. Die Behörde fungiert zwischen den beteiligten Parteien – ob in öffentlicher oder privater Hand – nicht selten als Schiedsrichter zwischen verhärteten Fronten. Sie gibt aber auch die Leitlinien vor, die zum Beispiel Netzbetreiber befolgen müssen, wenn sie die begehrten Mobilfunk-Frequenz-Spektren ersteigern.

Die Versteigerung der Frequenzen für kommerziellen Mobilfunk im neuen Standard 5G findet im Frühjahr 2019 statt. Durch die Veröffentlichung der Auflagen dieser Auktion, gibt es erste Anhaltspunkte, inwiefern und wie schnell das Digitalland Deutschland sich in den kommenden Jahren verändern wird.

Auflagen der BNetzA: Mobilfunk-Versorgung in der Fläche

Die Bundesnetzagentur fordert von den Auktionären, dass bis Ende 2022 mobile Breitbandverbindungen mit 100 MBit/s wie folgt zur Verfügung stehen:

  • Zugänge für 98 Prozent der Haushalte je Bundesland
  • Verfügbarkeit an allen Bundesautobahnen
  • an den wichtigsten Bundesstraßen
  • an den wichtigsten Schienenwegen

Konkreter wird die Behörde nicht. Zumindest bei den Schienenwegen dürften insbesondere die wichtigen ICE-Strecken sowie Knotenpunkte gemeint sein.

Nach weiteren zwei Jahren, 2024, soll der Ausbau auch auf den weniger wichtigen Wegen forciert werden. Diese Forderungen stellt die Bundesnetzagentur für Ende 2024:

  • 100 MBit/s für alle übrigen Bundesstraßen
  • mindestens 50 Mbit/s für alle Landes- und Staatsstraßen
  • 50 Mbit/s für Wasserstraßen und Seehäfen
  • 50 Mbit/s an den übrigen Schienenwegen

Dabei handelt es sich jeweils um Mindestziele. Bei Autobahnen und Bundesstraßen wird zudem eine Latenzzeit im Netz von 10 Millisekunden vorgegeben. Die zuletzt durchgeklungenen Entwurfs-Änderungen hinsichtlich des Ausbaus an Landstraßen wurden damit weitgehend bestätigt.

Funklöcher und 5G-Ausbau

Jeder Netzbetreiber, sprich: jeder, der Spektren bei der Auktion erhält, muss zudem 1.000 5G-Basisstationen und 500 weitere nicht spezifizierte Basisstationen errichten. Auflage hierfür: Die Errichtung muss in „weißen Flecken“ geschehen.

Für Neueinsteiger gelten gesonderte Regeln. Außerdem wird berücksichtigt, wenn Netzbetreiber beim Ausbau dieser Basisstationen kooperieren.

5G Antenne in Berlin
5G-Test-Netz der Telekom in Berlin.Quelle: Deutsche Telekom

Begründungen der Auflagen

Die harten Ausbau-Auflagen begründet Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, wie folgt: Man habe „die Möglichkeiten zu Kooperationen zwischen den Netzbetreibern gestärkt und eine gegenseitige Anrechnung der Versorgung vorgesehen. Damit kann die wirtschaftliche Belastung für die Unternehmen im Rahmen gehalten werden.“

Hinsichtlich 5G begründet die Bundesnetzagentur in ihren Ausführungen, dass die erhöhten Auflagen die schnelle Einführung des neuen Standards mit hohen Datenraten und geringen Latenzzeiten fördern. „Die Verhältnismäßigkeit wird dadurch gewahrt, dass Kooperations- und Anrechnungsmöglichkeiten berücksichtigt und die Mindestgebote deutlich gesenkt werden.“ Und weiter: „Durch vermehrte Kooperationen, wie zum Beispiel Infrastruktur-Sharing und Roaming, können die Kosten zur Versorgung in der Fläche deutlich gesenkt werden.“

Reizthema National Roaming

Die Netzagentur verzichtet auf ein klares Bekenntnis zum National Roaming. Allerdings spricht die Behörde eine Empfehlung aus. Im Entwurf heißt es:

„Bei der Umsetzung der Versorgungsauflagen erwartet die Bundesnetzagentur eine Zusammenarbeit zwischen den Netzbetreibern in Gebieten, in denen sich der Ausbau durch einen einzelnen Netzbetreiber wirtschaftlich nicht lohnt. Durch vermehrte Kooperationen, wie zum Beispiel Infrastruktur-Sharing und Roaming, können die Kosten zur Versorgung in der Fläche deutlich gesenkt werden.“

Alle am Ausbau beteiligten Parteien, Netzbetreiber, Gemeinden sollen im Sinne des Ausbaus kooperieren. Frei nach dem Motto „Wo ein Wille, da ein Weg“, wird die Bundesnetzagentur entsprechende Kooperationsverhandlungen als Schiedsrichter begleiten.

Kritik folgt auf dem Fuß

Der Bundesverband Breitbandkommunikation, kurz: BREKO, bedauert bei den Auflagen, dass die Netzagentur keine klare Position zugunsten der Diensteanbieterverpflichtung und einer National-Roaming-Verpflichtung gemacht habe.  „Dass die BNetzA nun ausschließlich auf ein Verhandlungsgebot setzt, bedauern wir ausdrücklich“, sagt BREKO-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers in einem rasch veröffentlichten Statement.

Man wolle sich nun an den Beirat wenden und für Vielfalt und Wettbewerb auch auf dem künftigen Mobilfunk-Markt plädieren.

Bei Telefónica sieht man indes Licht und Schatten bei den Vergaberegeln:

United Internet kritisiert die Vergaberegeln als wettbewerbsfeindlich. CEO Ralph Dommermuth lässt sich in einem Statement wie folgt zitieren: „Die Regulierungsbehörde hat die Bedingungen verbessert, sie ist damit allerdings nicht konsequent genug und erschwert damit den Markteintritt eines neuen Anbieters.“ Dommermuth hatte in der jüngeren Vergangenheit immer einen vierten, großen Netzbetreiber ins Spiel gebracht. Ein Standpunkt, an dem sich den Äußerungen zufolge wenig geändert hat: „Wir hätten uns in den Vergabebedingungen ein stärkeres Bekenntnis zu mehr Wettbewerb gewünscht. Als Neueinsteiger würden wir direkt in ein leistungsfähiges 5G-Netz investieren – anders als das bestehende Oligopol der Netzbetreiber, die ihre vorhandenen Antennenstandorte schrittweise aufrüsten werden“, so der United-Internet-Chef. Er appelliert an den Beirat der Bundesnetzagentur, im Sinne des Wettbewerbs zu entscheiden. Außerdem wünscht er sich mehr Bewegung beim Thema National Roaming.

Diensteanbieterverpflichtung

Das nächste Reizthema: Die Diensteanbieterverpflichtung, die es zum Beispiel Mobilfunk-Providern wie mobilcom-debitel ermöglicht, Verträge in den Mobilfunknetzen zu verkaufen, wird ebenfalls von der Netzagentur angeschnitten: So sollen die Netzbetreiber mit „geeigneten Diensteanbietern über die Mitnutzung von Funkkapazitäten“ verhandeln. Stets unter der schiedsrichtenden Aufsicht der Bundesnetzagentur.

5G-Auktion: So geht es nun weiter

Der nun finale Entwurf liegt nun dem Beirat vor, der am 26. November darüber entscheidet. Wenn diese Entscheidung vorliegt, beginnt die Bewerbungsphase. Unternehmen können sich nun für die Teilnahme an der Auktion bewerben. Diese Bewerbung steht ausdrücklich auch Neueinsteigern offen. Die Versteigerung als solche wird im Frühjahr 2019 stattfinden. Finanzminister Olaf Scholz rechnet jüngsten Angaben zufolge mit bis zu 5 Milliarden Euro aus der Frequenzversteigerung für das 3,6-GHz-Band, das als Pionierband für 5G gilt.

Bliebe noch die Frage nach den weiteren Frequenzspektren in den Bereichen 3,7 bis 3,8 GHz sowie 26 GHz für streng lokal beschränkte Nutzungsszenarien. Diese Frequenzen stellt die Agentur nach der Auktion 2019 in Form eines Antragsverfahrens bereit.

Deine Technik. Deine Meinung.

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein

VERWANDTE ARTIKEL