Breitbandausbau in Deutschland - Ein Trauerspiel

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Breitband Ausbau
Bildquelle: Deutsche Telekom
Einen Glasfaseranschluss nutzen und mit schnellen Download-Raten im Internet surfen. Schön wäre es, wenn genau das schon Standard wäre. Ist es aber nicht. Und hinzu kommt: Der Breitband-Ausbau in Deutschland wird teurer als gedacht.

Ein rasend schneller Internetanschluss ist für viele Nutzer in Deutschland weiter nur im Traum realisierbar. Wie das „Handelsblatt“ am Mittwoch berichtet, verfügen aktuell nur 8,5 Prozent der Haushalte über einen direkten Glasfaseranschluss bis ins Haus oder sogar bis in die Wohnung (FTTB / FTTH). Das gehe aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor.

Berlin bei Glasfaserausbau abgeschlagen

Das Ziel, einen flächendeckenden Ausbau des schnellen Internets bis 2025 zu erreichen, ist damit zumindest zweifelhaft. Spitzenreiter bei der Glasfaser-Abdeckung sei aktuell Schleswig-Holstein mit einer Breitbandverfügbarkeit von 21,3 Prozent der Haushalte. Gefolgt von Bayern (11,3 Prozent), Nordrhein-Westfalen (8,6 Prozent), Sachsen (8 Prozent) und Hamburg (7,1 Prozent). Schlusslichter seien Bremen (0,1 Prozent), Berlin (1 Prozent) und Thüringen (1,1 Prozent).

Daniela Kluckert (FDP), stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Verkehr und digitale Infrastruktur fand ob der neuen Zahlen deutliche Worte. Sie „machen mich fassungslos“, so die Politikerin. Die im aktuellen Koalitionsvertrag von CDU und SPD geschlossene Vereinbarung, bis 2025 flächendeckend Glasfaseranschlüsse bereitzustellen, blieben die Parteien deutlich zurück.

Bedauerlich sei vor allem das, was in Berlin passiere: „Gerade für die hier ansässige Start-Up-Branche sind das unhaltbare Zustände“, so Kluckert. „Sie zeigen das ganze Ausmaß des Scheiterns der Bundesregierung.“ Zur Wahrheit gehört aber auch: Auf der IFA in Berlin teilte die Deutsch Telekom im August mit, Berlin komplett mit Glasfaser ausstatten zu wollen. Der Bonner Konzern erklärte Ende August, die Hälfte der Kosten übernehmen zu wollen, sollte sich ein Partner wie Vodafone oder 1&1 Versatel für den Ausbau finden.

Breitbandausbau in Deutschland wird teurer als gedacht

Am Mittwoch wurde zudem bekannt, dass der Breitbandausbau in Deutschland viel teurer wird als geplant. Der Bund müsse mehr als 640 Millionen Euro zusätzlich in den Breitbandausbau stecken, so das „Handelsblatt“ unter Berufung auf den Haushaltsentwurf 2019. Ob damit das Ende der Fahnenstange schon erreicht ist, steht aber in den Sternen. Eher könnte es noch teurer werden, vertraut man den Berechnungen von Experten. Denn die nun kommunizierten 640 Millionen Euro deckeln dem Vernehmen nach nur Rechnungen für bereits genehmigte Projekte zum Ausbau des schnellen Internets im ländlichen Raum.

Der Bund hatte in der vergangenen Legislaturperiode 3,5 Milliarden Euro bereitgestellt, um den Breitbandausbau im ländlichen Raum zu fördern. Mit dem Geld sollen alle Haushalte bis Ende 2019 Internetanschlüsse mit mindestens 50 Mbit/s nutzen können. Problem nun: Viele Kommunen haben erkannt, dass 50 Mbit/s schon bald nicht mehr ausreichen und entsprechende Upgrades beantragt. Ein entsprechender Glasfaserausbau wäre mit hohen Mehrkosten verbunden.

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