5G-Frequenzauktion: 5,3 Milliarden Euro und kein Ende in Sicht

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5G Symbolfoto
Bildquelle: Hayo Lücke / inside handy
Einen Auktionserlös von drei bis fünf Milliarden Euro hatten Experten vor dem Start der Frequenzversteigerung vorhergesagt. Diese Aussage kann mittlerweile revidiert werden. Die Auktion steuert auf die 5,3 Milliarden Euro zu – ein Ende ist auch mit Ablauf von Woche vier nicht abschätzbar.

Klar ist: Billig wird der 5G-Start für keinen der vier Anbieter. Dabei war im Vorfeld von den drei etablierten Netzbetreibern nahezu gebetsmühlenartig zu hören, dass man jeden Euro nur einmal ausgeben könne. Jeder Euro, der in die Auktion fließe, fehle später an anderer Stelle – dem Netzausbau. Um so erstaunlicher ist die Entwicklung der Aktion, in der vor allem Newcomer 1&1 Drillisch immer wieder als Anheizer auffällt. Am Mittwoch durchbrach man die Schallgrenze von 5 Milliarden Euro, nun sind es noch einmal 300 Millionen mehr.

Telekom: Hickhack um die 2-GHz-Frequenzen

Doch immer wieder fällt den Beobachtern der Auktion noch etwas auf: Bei der Telekom in Bonn scheint man ebenfalls ein dickes Portemonnaie zu haben. Das zeigte sie unter anderem in Runde 184. Hielt sie eine Runde zuvor noch drei Frequenzblöcke aus dem 2-GHz-Bereich, so ging sie anschließend in die Vollen. Gleich sieben der zwölf Blöcke kamen mit einem Höchstgebot der Telekom aus der Gebotsrunde, vier davon erst ab 2026 nutzbar. Dabei scheint die Telekom gerade diese Frequenzen, die nur 15 Jahre nutzbar sind, gar nicht haben zu wollen. Denn sie bietet äußerst selten auf diese Bereiche, dann aber quasi als Signal immer gleich auf alle vier. Bis zu 1,27 Milliarden Euro hatte die Telekom in der fraglichen Runde alleine hier geboten.

Mehr als 2,35 Milliarden Euro sind es, die für diese Frequenzen in Summe auf dem Tisch liegen. Dabei sind das noch gar nicht die „echten“ 5G-Frequenzen, die die hohen Datenraten bringen sollen. Es handelt sich um die heutigen UMTS-Frequenzen. Sie werden vereinzelt bereits für LTE genutzt. Das ist neben 5G eine der möglichen Zukunftsszenarien für die Frequenzen um 2 GHz. Die Swisscom in der Schweiz hat diese Woche angekündigt, auf diesen und weiteren LTE-Frequenzen künftig ein 5G-Flächennetz anbieten zu wollen.

Der jetzt erneut ausgebrochene Kampf um die 2-GHz-Frequenzen ist übrigens bemerkenswert, da hier bereits eine Zufriedenheit aller hergestellt schien. Zwischen Runde 166 und 176 tat sich hier gar nichts, dann entdeckte Drillisch diesen Bereich für sich wieder. Mittlerweile kostet ein Frequenzblock in diesem Bereich im Schnitt 195,9 Millionen Euro.

5G-Bereich: Drillisch und Telefónica scheinen zurückhaltend

Blickt man auf die eigentlichen 5G-Frequenzen, nämlich jene um 3,6 GHz, so scheint sich 1&1 Drillisch hier inzwischen in der Rolle des Anbieters zu sehen, der mit 6 Blöcken aus der Auktion kommt. Nur wenn der Neueinsteiger unterhalb dieser sechs gehaltenen Blöcke gedrückt wird, wird er aktiv. Diese Rolle nahm Drillisch bereits im ersten Drittel der Auktion ein, bevor man dann auf deutlich mehr Blöcke bot. Knapp 616 Millionen würde Drillisch aktuell für diese Frequenzen zahlen. Mit 843 Millionen Euro am meisten Geld für den Frequenzbereich nimmt aktuell die Telekom in die Hand. Dafür hält sie aktuell mit acht Blöcken aber auch die meisten Frequenzen. Telefónica schaut sich das Ganze scheinbar aus der Distanz an, nicht eine Veränderung erfolgte heute in diesem Frequenzbereich. Sieben Blöcke wären es damit für die Münchner.

Kleines Detail am Rande: Mit der Runde 189, mit der die Auktion die Woche vier beendet wurde, ist der letzte Frequenzblock der Auktion über 100 Millionen Euro gesprungen. Einzige Ausnahme: Der ungeliebte konkret zu vergebene Block 01K, den derzeit Vodafone hält. Er kostet „nur“ 44,3 Millionen Euro. Im Schnitt kostet ein Frequenzblock im 3,6-GHz-Bereich aktuell 101,2 Millionen Euro.

Frequenzauktion Runde 189
Zum Vergrößern anklickenQuelle: Bundesnetzagentur

Ende völlig offen, Signale trügerisch

Wann die Auktion nun zu Ende geht, ist nicht abzusehen. Die letzten Runden des Freitags waren wieder deutlich ruhiger, nur noch einzelne Blöcke waren zwischen den Anbietern umkämpft. In der Spitze gab es bei acht Frequenzblöcken gleichzeitig Veränderungen, zuletzt nur noch bei zwei.

Das jedoch heißt nichts. Zwischen Runde 111 und 116 änderte sich nie mehr als ein Block. Große Wirtschaftszeitungen sagten bereits das Ende der Auktion bevor. In den Tagen drauf folgten dann die heißen Bietergefechte in bis zu 20 Blöcken gleichzeitig und der Sprung über die erwartete Untergrenze von 3 Milliarden kam. Jetzt steht die Auktion bei 5,29 Milliarden und startet Montag in die fünfte Woche.

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