So wird 5G auch für ARD, ZDF & Co. relevant

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BR-Sender Wendelstein
Bildquelle: BR/Gerhard Wenzel
5G wird oft als das „höher, schneller, weiter“-Netz angepriesen. Es soll Industrie und Autos vernetzen und mehr Bandbreite ins Land bringen. Doch es kann auch das DVB-T2-Netz ersetzen. ARD und ZDF haben konkrete Pläne, der BR schon einen Sender am Start.

Der neue Mobilfunkstandard 5G wird im Augenblick in erster Linie mit niedriger Latenz und schnellem Internet in Verbindung gebracht. Im Rahmen des Forschungsprojekts 5G Today hat der Bayerische Rundfunk vor einigen Tagen am Sender Wendelstein Programmsignale zu Tests für den künftigen 5G-Broadcast-Standard zur Verfügung gestellt. Bei diesem Projekt geht es um die Übertragung von Hörfunk- und Fernsehsignalen im 5G-Broadcast-Bereich. Der Unterschied zum Stream, beispielsweise über 5G: Ein Signal wird wie beim klassischen Fernsehen nur einmal gesendet und von vielen Geräten gleichzeitig empfangen. Beim Stream hingegen belegt jeder einzelne Zuschauer zusätzliche Ressourcen.

Der 100-Kilowatt-Sender ging zunächst nur zu Messzwecken an den Start, Mitte Dezember soll er aber dauerhaft senden. Zeitgleich laufen am BR-Standort Ismaning bereits Vorbereitungen für die Inbetriebnahme eines weiteren künftigen 5G-Senders um den Gleichwellenbetrieb zu testen.

5G-Broadcast auf alten DVB-T-Frequenzen

Eine Karte mit der Reichweite des Testsenders für 5G TV
Die Reichweite des 5G-TV-Testsenders

Das Ziel laut Bayerischem Rundfunk: Mit einem 5G-Mobilgerät sollen Verbraucher künftig sowohl die Dienste und Angebote der Mobilfunk-Netzbetreiber als auch die Radio- und Fernsehprogramme empfangen können. Bei dem Empfänger muss es sich nicht zwangsläufig um ein 5G-Smartphone handeln. Die jetzt getestete 5G-HTHP-Technologie erlaubt nach Angaben des BR eine großflächige Übertragung von Inhalten im bestehenden Rundfunkfrequenzbereich. Zusätzliches Frequenzspektrum benötige der Rundfunk dafür nicht. Genutzt wird am Wendelstein der bisherige DVB-T-Kanal 56, der sich in der Duplex-Lücke des 700-MHz-Bandes der Mobilfunk-Anbieter befindet.

Helwin Lesch, Leiter der BR-Hauptabteilung Verbreitung und Controlling, beschreibt die Vorteile des Übertragungsverfahrens: „Auf diese Weise können die 5G-Mobilfunknetze der Zukunft von bandbreitenintensiven Rundfunk-Anwendungen entlastet werden und damit höhere Datenraten für die Breitbandversorgung erreichen.“

Was kommt nach DVB-T2?

Hintergrund ist, dass die aktuell genutzten DVB-T2-Frequenzen, die mobiles Fernsehen ermöglichen, nicht unbefristet zur Verfügung stehen. Durch den Wechsel von DVB-T zu DVB-T2 sind Frequenzen um 700 MHz freigeworden. Da die Räumung noch bis Mitte 2019 läuft, werden diese Frequenzen jedoch noch nicht von den Mobilfunkfunkunternehmen genutzt. Wie die FAZ berichtet, sind aber auch die Frequenzen von DVB-T2 befristet. 2030 werden diese auslaufen. An eine Verlängerung, das war bereits im Sommer auf einer ARD-Veranstaltung in Berlin zu diesem Thema zu hören, glaubt niemand so recht. Das trifft auch auf einen DVB-T2-Nachfolger wie DVB-T3 zu.

Die DVB-T2-Frequenzen um 600 MHz seien jedoch ideal für Broadcast-Anwendungen geeignet. Auch die Mobilfunker haben ein Auge auf zusätzliche Frequenzen unterhalb von 1 GHz geworfen. Doch wie die FAZ schreibt, stellen sich bei einem Wechsel von einem terrestrischen TV-Netz zu einem Mobilfunk-Netz viele wirtschaftliche und medienrechtliche Fragen, für die es Lösungen zu finden gilt. So ist unklar, wer die Netze betreibt und bezahlt, wenn die öffentlich-rechtlichen Sender unverschlüsselte Inhalte darüber senden wollen. Ebenfalls unklar: Wer reguliert und kontrolliert diese Netze. Über all diese offenen Fragen ist man sich bei ARD und ZDF aber bewusst und ist auch im Gespräch mit den Mobilfunkanbietern. Beim Test am Wendelstein beispielsweise sitzt Telefónica mit im Boot.

Hintergrund-Informationen zu 5G

 Übersicht:  Alles zum neuen Mobilfunkstandard 5G

5G in Deutschland: Zwischen Status Quo und Zukunftsmusik

5G Smartphones: Huawei, Samsung, Apple und Co. in Position

→ Infrastruktur: Die Technik hinter dem Netz der Zukunft

→ 5G in der Praxis: Möglichkeiten für Industrie, Medizin & private Nutzer

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