5G-Auktion: Darum nimmt die Frequenz-Versteigerung kein Ende

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5G
Bildquelle: Deutsche Telekom
Vor Ostern schien es, als wenn die Frequenzauktion dem Ende entgegen ging. Über Tage hinweg änderte sich kaum etwas. Am heutigen Mittwoch dann die Wende: Telefónica hat wieder Bewegung in die Auktion gebracht. Am Ende geht es um einen einzigen Frequenzblock. Doch was macht den so attraktiv?

Über Ostern wurde erstmals Kritik an der Frequenzauktion laut. Die Anbieter sollten zu einem Ende kommen. Mit mehr als 5 Milliarden Euro Auktionserlös sei die Auktion für die Mobilfunkanbieter ohnehin schon viel teurer als erwartet. Das Geld fehle am Ende beim Netzausbau. Mittlerweile steht der Zähler bei über 5,5 Milliarden Euro. Auch an der Bundesnetzagentur wurde Kritik laut. Sie sei mit dem gemachten Auktionsdesign dafür verantwortlich, dass die Auktion zu keinem Ende kommt.

Der Markt bräuchte 30 Frequenzblöcke, es gibt nur 29

Letztlich ging es über Runden hinweg nur um 10 MHz Spektrum im Bereich der 3,6-GHz-Frequenzen. 33 Runden lang war es immer nur ein Frequenzblock, der einen neuen Höchstbieter hatte und die Auktion am Leben hielt. Den Schuldigen für diese teuren, lebensverlängernden Maßnahmen auszumachen, ist nicht einfach. Entgegen der Vermutung und aus dem Verhalten der Vergangenheit schlussfolgernd ist nicht 1&1 Drillisch der Schuldige. Das Unternehmen bot lediglich dann erneut mit, wenn sie sich in ihrem abgesteckten Revier von 6 Frequenzblöcken bedroht sahen und auf fünf Blöcke gedrückt wurden.

Vielmehr ist es die Telekom, der ihre acht Frequenzblöcke oft nicht reichten. Je nach Runde versuchte das Unternehmen sein Glück mit neun Frequenzbereichen. Vodafone hat es offensichtlich auf acht Blöcke abgesehen und bot ebenfalls bei einem Unterschreiten dieser Anzahl wieder mit. Dabei gilt es zu beachten, dass einer dieser Blöcke der problembehaftete Block 01K ist, der zwar 20 Megahertz Spektrum beinhaltet, aber aufgrund militärischer Nutzung in einigen Regionen Probleme machen wird.

Telefónica Deutschland hatte sich lange Zeit mit sieben Blöcken arrangiert, meldete sich aber zu Wort, wenn es nur noch sechs nach einer Bieterrunde waren. Das Problem: Wenn Drillisch sechs, Vodafone acht, Telefónica sieben und Telekom neun Blöcke ersteigern möchte, ist genau ein Block zu wenig vorhanden. Statt der erforderlichen 30 Blöcke gibt es nur 29, davon einer mit doppeltem Spektrum. Das ist es, was die Auktion lange Zeit nicht enden ließ.

Telefónica will Drillisch aus der Auktion drängen

Am heutigen Mittwoch versuchte dann Telefónica, ein Zeichen zu setzen und bot auf zwölf Blocke. Interessanterweise zu Lasten von Drillisch, denen nach Runde 226 nur noch ein Block übrig blieb. Das darf als klares Zeichen an Drillisch gewertet werden, doch zu verzichten. Die Antwort ließ entsprechend nicht lange auf sich warten. Drillisch eroberte sich die sechs Wunschblöcke zurück und seitdem befindet man sich wieder im alten Muster. So lange niemand nachgibt, ist kein Ende der Auktion in Sicht. Bleibt nur zu hoffen, dass nicht noch einmal die seit Runde 186 offenbar verteilten 2-GHz-Frequenzen angefasst werden.

Dass ausgerechnet Telefónica versucht, Drillisch rauszudrängen, dürfte nicht von ungefähr kommen. United-Internet-Chef Ralph Dommermuth, der somit auch Chef der 1&1 Drillisch ist, hatte bereits angekündigt, aufgrund bestehender Verträge das Telefónica-Netz im National Roaming einsetzen zu wollen. Das dürfte dem Anbieter hinter der Marke O2 nicht gefallen.

Was ist mit 10 MHz möglich?

Fraglich ist, ob das Spektrum von 10 Megahertz, um das es seit Tagen geht, am Ende so viel Geld wert ist. Mehr als 200 Millionen Euro hat alleine dieser Streit seit Runde 191 schon gekostet. Für die Anbieter bedeutet ein Spektrum von 10 Megahertz zumindest mehr Bandbreite.

Wie viel Bandbreite ein solcher Frequenzblock in der Praxis ins Netz spült, ist allerdings schwer zu sagen und abhängig von der Frequenzmodulation und dem Einsatz von MiMo. Bei LTE wären es mit 64QAM und 2×2 beispielsweise etwa 74 Mbit/s pro Antennensektor– ein gängiger Wert in der Praxis. Maximal ließen sich über LTE mit 256QAM und 4×4 MiMo bis zu 195 Mbit/s übertragen. 5G soll bis zu 30 Prozent effizienter sein, es geht also – theoretisch – um bis zu 250 Mbit/s zusätzliche Datenrate im Netz.

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