O2-Chef Haas fordert mehr Mobilfunk-Frequenzen im unteren Spektrum

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O2-Chef Haas und Kanzleramt-Chef Braun
O2-Chef Haas und Kanzleramt-Chef BraunBildquelle:
Wie steht das Bundeskanzleramt zur 5G-Debatte und was fordert O2-Chef Markus Haas für bessere Infrastruktur in der Zukunft? Diese Themen wurden am Mittwoch in Berlin im Rahmen eines Polit-Gespräches unter Moderation von Cherno Jobatey besprochen.

Helge Braun, Chef des Bundeskanzleramtes und Bundesminister für besondere Aufgaben sagte, das Bundeskanzleramt beteilige sich aktuell an der Debatte um die 5G-Zukunft und die Frequenzvergabe. Der Montag vorgelegte Konsultationsentwurf sei „nur ein Vorschlag, die wirklichen Bedingungen kommen im November.“ Er betonte jedoch, dass die Bundesnetzagentur unabhängig in ihren Entscheidungen sei. Allerdings habe die Politik ihre Erwartungshaltung klargemacht.

Kanzleramtschef: Wir brauchen bessere Mobilfunk-Abdeckung

Ziel sei eine Mobilfunk-Flächendeckung von 99 Prozent zu erreichen. „Das ist schwer und es wird immer noch Leute geben, die nicht zufrieden mit ihrem Netz sind. Wir dachten ja schon bei 95 Prozent, dass wir eine gute Abdeckung haben.“ Letztlich bleiben dabei aber auch noch vier Millionen auf der Strecke, wie Braun sagte. „Wir müssen also weit näher an die 100 Prozent kommen, als wir es heute sind.“

Die Vorgaben der Bundesnetzagentur seien weitgehend technologieneutral. Genau das sei ein Punkt, über den nun alle noch einmal „viel diskutieren“ müssten. „Zum Beispiel ist die Frage, ob wir fürs autonome Fahren überall 5G brauchen. Das wäre eine riesen Infrastrukturaufgabe, die sehr teuer ist.“ Vorstellbar sei aber auch, dass die Autobahnen für Hochgeschwindigkeitsfahrten für eine niedrige Latenz mit 5G versorgt werden, jenseits der Autobahn aber erst mal kein 5G kommt. Hier ist die Frage, ob im ländlichen Raum der Fahrer wieder selber fahren muss oder ob aufgrund des geringeren Verkehrs auch die höheren Latenzen des LTE-Netzes für eine autonome Steuerung ausreichen würden. „Was wir bei 5G erreichen müssen, müssen wir ernsthaft diskutieren. Ein flächendeckender 5G-Ausbau ist so unfassbar teuer, das kann niemand finanzieren“, sagte der Kanzleramtschef. Er machte deutlich: „Flächendeckend 5G überall für alle ist auf Sicht weder bedarfsgerecht noch zu finanzieren.“

O2-Chef Haas fordert mehr Frequenzen im unteren Frequenz-Bereich

O2-Chef Markus Haas, pflichtete im durch Nicken bei. Gleichzeitig forderte Haas für ein flächendeckendes Netz mehr Frequenzen. „Wir brauchen in den nächsten Jahren dringend mehr Frequenzen im unteren Frequenzbereich. Ich bringe mit 20 Megahertz das Kamel nicht durchs Nadelöhr durch“, so der Manager. Mit den 20 Megahertz meinte er offensichtlich die 2×10 MHz, die Telefónica im Bereich um 700 MHz künftig für 5G zur Verfügung hat. Weitere Frequenzen stehen aktuell jedoch nicht zur Vergabe. Die Forderung nach weiteren Frequenzen wird auch auf viel Gegenwind stoßen, denn im Bereich unterhalb von 700 MHz senden die DVB-T2-Sender. Die TV-Sender mussten gerade erst den 700-MHz-Bereich räumen. Welche Frequenzen Mobilfunk-Anbieter derzeit in Deutschland nutzen, hat inside handy in einer Mobilfunk-Frequenz-Übersicht zusammengestellt.

Haas betonte: „Wir müssen jetzt anfangen Gas zu geben. Was die Bundesnetzagentur plant, ist sehr ambitioniert, aber auf keinen Fall sollte man die Entscheidung zur Frequenzvergabe noch einmal verschieben.“ Damit reagierte er auf Forderungen aus Unions-Kreisen, die Vergabe auszusetzen.
Dass Deutschland in vielen Digitalisierungs- und Infrastruktur-Projekten nicht so weit ist, wie andere Länder, sah Haas entspannt. „Dann nämlich kann man aus Fehlern anderer lernen. Man muss nur den richtigen Fokus haben. Wir dürfen uns nicht zurücklehnen.“

Übersicht: Mobilfunk-Frequenzen in Deutschland

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