Regulierungsansätze bei 5G National Roaming oder Netz-Sharing: Unterschiede sowie Vor- und Nachteile

vom 12.09.2018, 17:00
LTE Antenne
Bildquelle: Telefónica

Im Zuge der kommenden Frequenzauktion für die 5G-Netze kam auch das Thema National Roaming in Deutschland auf. Die Idee: Ein neuer Netzbetreiber sollte Zugriff auf die bestehenden Netze bekommen und so einen leichten Start haben. Telekom-Deutschland-Chef Dirk Wössner sagt: "Ein verpflichtendes National Roaming darf es nicht geben." Und er erklärt auch, warum.

Bei einem Presseworkshop berichtete Wössner im Zuge der Debatte rund um National Roaming aus Kanada, einem Land, das der Manager aufgrund seiner mehrjährigen Erfahrung bei einem dortigen Mobilfunkanbieter gut kennt. In Kanada habe man das gemacht, was in Deutschland zur Diskussion steht: Einen vierten Netzbetreiber etabliert, indem man ihm günstige Frequenzen und vor allem Zugriff per National Roaming auf bestehende Netze gegeben hat. In Deutschland hatte der Beirat der Bundesnetzagentur gefordert, dass National Roaming geprüft wird, in einer ersten Bewertung hatte der Regulierer das jedoch abgelehnt.

Das National Roaming habe in Kanada laut Wössner dazu geführt, dass der Infrastrukturwettbewerb zwischen der Nummer drei und der Nummer vier im Markt an Intensität verloren hat. Statt in den Netzausbau zu investieren, haben sie lieber die schon errichteten Netze der beiden großen Netzbetreiber mitgenutzt. Weitere Folgen: Der Neueinsteiger hat sein eigenes Netz nur in den rentablen Ballungsgebieten aufgebaut, in den Flächengebieten aber dann das National Roaming genutzt. Gleichzeitig haben die beiden großen Anbieter aber auch den Ausbau in der Fläche reduziert, weil es für sie kein Differenzierungsmerkmal mehr war, dort mit Netz vertreten zu sein.

Wössner offen für Infrastruktur-Sharing

Der kanadische Markt hat jedoch eine Besonderheit: Die beiden großen Anbieter haben sich – privatwirtschaftlich – das Land im Ausbau aufgeteilt und stellen es sich gegenseitig zur Verfügung. Das kann sich Wössner im Prinzip auch für Deutschland vorstellen. "Wenn der eine Anbieter 100 Sendemasten in Bayern baut und der andere Anbieter 100 Sendemasten in Mecklenburg-Vorpommern und diese jeweils gegenseitig genutzt werden können, ist da nichts gegen einzuwenden." Das werde auch heute schon mit passiver Infrastruktur wie den reinen Standorten gemacht. "Wir können uns das aber auch mit aktiver Technik vorstellen. Wenn das miteinander verhandelt wird, ist auch sichergestellt, dass Ausbau und Investitionsbedarf jeweils fair ist." Die Bundesnetzagentur hat schon durchblicken lassen, dass sie einem solchen Modell zumindest nicht generell abgeneigt ist.

Anders steht Wössner – wie auch die anderen Mobilfunknetzbetreiber – zu einem verpflichtenden National Roaming. Dabei gehe es nach seiner Darstellung, einem Netzbetreiber, der Frequenzen für ein 5G-Netz ersteigert, Zugang zu bestehenden Netzen im LTE-Standard zu geben. "Diese 4G-Frequenzen wurden zu festgelegten Bedingungen vergeben", so Wössner. Würde man diese nun nachträglich verpflichtend ändern, wäre das aus Sicht der Telekom rechtlich nicht haltbar.

Wössner warnt vor Rückzug von Investoren

"Natürlich", so betont der Manager, könne man sich auf privatwirtschaftlicher Basis einigen. Die Telekom habe von 2003 bis 2013 bereits Viag Interkom, heute o2, einen National-Roaming-Zugang gewährt. Das war eine freiwillige Vereinbarung und eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Wenn nun aber der Regulierer bei einer solchen National-Roaming-Verpflichtung einschreitet, dann sieht Wössner auch die Gefahr, dass ein Durchschnittspreis für die Netznutzung errechnet wird. Der Neueinsteiger würde aber eher wie in Kanada die Städte selbst versorgen und die teuren Netze auf dem Land mitnutzen. Sollten sich zwei Unternehmen hier jedoch vertraglich einigen können, so stünde die Telekom einer Vereinbarung auch offen gegenüber. Doch er warnte: "Wenn man in Deutschland jetzt auf die Idee kommt, National Roaming verpflichtend einzuführen und gleichzeitig strenge Ausbauauflagen einzuführen, werden sich die Investoren aus Deutschland zurückziehen."



Bildquelle kleines Bild: inside handy / Thorsten Neuhetzki | Autor: Thorsten Neuhetzki
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