HTC-Europa-Chef: “Android One ist nicht so einfach, wie es klingt.”

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HTC-Logo auf dem HTC U12 life
Bildquelle: David Gillengerten / inside handy
Auf der IFA hat HTC mit dem U12 life die Mittelklasse bedient. Im zweiten Teil des Interviews mit Eric Matthes (hier den ersten Teil lesen), erklärt der HTC-Europa-Chef, warum High-End-Smartphones für HTC alternativlos bleiben und weshalb Android One bei Updates nicht weniger Arbeit für den Hersteller bedeutet. Das Gespräch führten Blasius Kawalkowski und Michael Stupp.

inside handy: Mit dem U12 life greift HTC wieder in der Mittelklasse an. Diesmal aber ohne Edge Sense und Android One. Warum?

Eric Matthes: Mit dem U12 life wagen wir uns wieder in die wichtige Mittelklasse. Aber man muss auch sagen: Das ist ein Haifischbecken. Flaggschiff kann jeder, in der Mittelklasse  wird es interessant und viel definiert sich über den Preis. Das Weglassen von Edge Sense hat also auch budgettechnische Gründe. Wir wollten damit einen Preispunkt treffen. 

Android One stellen sich viele so simpel vor. Im „After-Sales-Bereich“ stellt sich das aber nicht so einfach dar mit den Updates, das macht nicht alles Google alleine.

inside handy: Das ist interessant. Es scheint doch so, dass Android One genau das vereinfachen soll?

Matthes: Das wäre schön. Aber wir müssen da mehr als nur auf den Update-Knopf drücken. Das Problem sind die kurzen Lebenszyklen der Smartphones. Wir produzieren ein Smartphone keine zwei Jahre mehr. Es ändert sich alles viel zu schnell, wir müssen neue Teile einkaufen und die Entwicklung der Software stetig anpassen – für immer mehr Modelle. Das Versprechen mit den Sicherheitsupdates und dergleichen ist super, aber die Umsetzung ist schwieriger. Da müssen wir auch einiges an Personal- und Entwicklungsaufwand reinstecken.

„High-End ist wichtig, um Technologien voranzutreiben“

inside handy: Wir reden viel über die Mittelklasse. Wie geht es denn im High-End-Segment weiter?

Matthes: Wir glauben, dass High-End wichtig ist. Da können wir technologisches know-how aufbauen, zeigen und nach vorne treiben. Es wird immer High-End-Smartphones von HTC geben, weil wir in diesem Segment auch eine Fanbase haben, die wir weiter bedienen wollen.

inside handy: Mit dem U12+ hat HTC aktuell ein hervorragendes Smartphone im Sortiment. Wieso ist dieses Bewusstsein für die Klasse des Handys nicht so vorhanden, wie bei der Konkurrenz?

Eric Matthes, Europa-Chef von HTC

Bildquelle: HTC

Matthes: Wir haben vermutlich die zweitbeste Kamera auf dem Markt. Wir können uns aber nicht erlauben, das so zu kommunizieren.

inside handy: Aus welchem Grund?

Matthes: Wir würden auch mit zwei Millionen Euro mehr im Marketing nicht viel ändern können. Nachdem wir unsere zwei Millionen ausgegeben hätten, käme Samsung und würde  fünf Millionen ausgeben. Kurz danach würde Huawei drei Millionen ausgeben. Das ist nur ein Beispiel. Aber man sieht, dass das, was wir fürs Marketing ausgeben könnten, in kurzer Zeit verpufft.

inside handy: Aber wäre es nicht das Wagnis einmal wert?

Matthes: Das ist natürlich eine Idee, aber das Problem ist ein anderes: Man sieht, wie sich die Smartphone-Preise entwickeln. Der Markt ist nicht nur gesättigt; das was darin steckt, ist auch teurer geworden. Wir haben längst 1.000-Euro-Smartphones. Die Margen werden aber geringer. Wenn man jetzt noch mehr in das Marketing investiert, sinken die Margen weiter.

Wir reden mittlerweile über 200 Euro Preisverfall im High-End-Segment nach wenigen Monaten. Wenn wir mit diesen 200 Euro im Marketing planen könnten, wäre das eine andere Geschichte. Aber das können wir nicht. Teilweise sinken die Preise schon vor dem Marktstart. Und das ist kein Problem, das wir bei HTC exklusiv haben, damit kämpfen viele Firmen.


inside handy: Und zum Schluss nochmal die Kardinalfrage: Warum sollte ich mir ein HTC U12+ kaufen, anstatt eines Galaxy S9 oder Huawei P20 Pro?

Matthes: Diese Frage ist exzellent, sie beschreibt das Dilemma des Smartphone-Marktes wunderbar. Profan würde ich sagen, weil es das beste ist. Wenn ich mich in den Kunden beim Elektronikhändler hineinversetzen würde, sage ich aber: Ich kaufe einfach das Vorjahres-Modell. Das ist technisch nicht schlechter geworden und kostet nur die Hälfte. Von der Ersparnis gehe ich dann im nächsten Urlaub richtig schön Essen.

inside handy: Schöner Schlusspunkt. Vielen Dank für das Gespräch!

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