“Was läuft falsch auf dem Smartphone-Markt, HTC-Chef Eric Matthes?”

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Eric Matthes, Europa-Chef von HTC
Bildquelle: HTC
Eric Matthes ist Schwabe und vor allen Dingen Westeuropa-Chef der Mobilfunk-Sparte von HTC: Auf der IFA 2018 sprach inside handy mit dem Manager über Innovationen, Technologien und die Lage auf dem Smartphone-Markt. Das Gespräch führten Blasius Kawalkowski und Michael Stupp.

inside handy: Herr Matthes, was läuft falsch auf dem Smartphone-Markt?

Eric Matthes: Viel. (lacht) Naja, falsch ist vielleicht nicht der richtige Begriff. Der Markt ist einfach gesättigt. Dazu kommt, dass viele Hersteller in den Markt preschen. Viele Hersteller aus China zum Beispiel – in Deutschland spielen sie noch keine so große Rolle, aber in Frankreich oder Spanien sieht das teilweise schon anders aus.

inside handy: Und die Lage in Deutschland?

Matthes: Da ist es einfacher. Hier gibt es drei große Player – Samsung, Apple, Huawei. Die Schwierigkeit ist für HTC aber vor allem, dass sich Innovationen nicht mehr so einfach positionieren und vermarkten lassen. Zum Beispiel ist Edge Sense ein cooles Feature. Etwas Ähnliches macht Sony jetzt auch im neuen Xperia XZ3.

inside handy: Auch Apple hat sich druckempfindliche Rahmen patentieren lassen. Funktioniert eine Innovation erst, wenn Apple sie anbietet?

Matthes: Apple hilft natürlich. Schönes Beispiel ist die Dual-Kamera. Wir hatten beim One m8 schon 2014 eine Dual-Kamera. Jetzt ist es Standard und Huawei kommt mit einer Triple-Kamera. Die machen das echt gut, das muss man sagen. Aber sie stecken auch brutal viel in das Marketing. Etwas, das wir bei HTC nicht mehr machen können, weil wir einfach die kritische Größe nicht mehr haben. Und die muss man haben, da es sonst nicht mehr profitabel ist.

„Wir haben Fehler gemacht“

inside handy: Aber was ist passiert? HTC hatte doch schon einmal mehr als 20 Prozent Marktanteil.

Matthes: Wenn wir es historisch betrachten, haben wir damals den Markt mitbestimmt. Wir mit Windows Mobile, Nokia mit Symbian und BlackBerry mit ihrem Betriebssystem. Als dann Android auf den Markt kam und sein Potenzial entfaltete – insbesondere mit Apps und App Stores, kamen unter anderem mit Samsung weitere neue Player und der Markt wurde umkämpfter. Und dann haben wir natürlich auch Fehler gemacht.

Welche?

Matthes: Zum Beispiel beim Design der Geräte. Mir fällt das das HTC One m9 ein. Zu dem Zeitpunkt war es gerade – zwei Monate zuvor – Standard geworden, dass ein High-End-Gerät einen Fingerabdrucksensor besitzt. Den hatten wir nicht. Dafür haben uns die Leute abgewatscht.

inside handy: Und jetzt beginnt der leise Abgesang oder wie geht es weiter?

Matthes: Für uns ist klar: Nur mit Smartphones werden wir nicht glücklich. Du musst irgendetwas haben, mit dem weiter Business getrieben werden kann. Wenn man sich die Top-10 einmal anschaut – Samsung, Apple, Huawei, selbst Xiaomi. Da ist keiner dabei – OnePlus mit BBK als Konzern im Rücken einmal ausgenommen – der nicht noch andere Geschäftsfelder bespielt.

„Vielleicht brauchen wir keine Betriebssysteme mehr“

inside handy: Welche Ansätze verfolgt HTC hier?

Matthes: Wir wollen uns nicht mehr als ein reiner Smartphone-Hersteller sehen. Wir sind ein integriertes Technologieunternehmen. Nicht falsch verstehen: Wir wollen und werden Smartphones bauen, weil sie wichtig als Steuereinheit sind, der Formfaktor bleibt vermutlich noch lange erhalten.
Für die Zukunft setzen wir auf neue Technologien. Wichtig ist zum Beispiel 5G. Die wirklichen Anwendungsszenarien finden hier aber im B2B, im Business-Bereich statt, nicht mehr ausschließlich beim Konsumenten. Da müssen wir wach sein und Lösungen liefern.

Dazu kommt das Thema Blockchain. Hierfür entwickeln wir auch ein spezielles Telefon. Aber das Thema ist riesengroß und steht gerade erst am Anfang. Das kann langfristig und in der Theorie dazu führen, dass wir gar keine Betriebssysteme mehr auf Smartphones brauchen. Insbesondere bei der Sicherheit wird das sehr interessant. Wir sehen: Der große Schritt liegt nicht in der Hardware, der liegt in der Software.

HTC verändert sich also?

Matthes: Wir wollen uns verändern, ja. Wir wollen in dem Software-Bereich aktiv sein, damit haben wir auch schon begonnen. Auch im Content- Bereich passiert viel. Wir haben einen eigenen Store, Viveport, der den Fokus auf VR legt, aber beliebig erweitert werden kann. Mit Vive Studios sind wir auch in den Bereichen Spiele-Entwicklung und Filmentwicklung eingestiegen und können dort eigenen Content kreieren.

Wir müssen uns also nicht neu erfinden, dafür haben wir genug Know-how bei HTC, wir müssen aber wissen, wie wir dieses Know-how ausrichten und einsetzen.

Hier geht es direkt weiter mit Teil 2 des Interviews

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