Telekom: Warum der LTE-Netzausbau manchmal dauert

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Ein Sendemast in ländlicher Region
Bildquelle: Thorsten Neuhetzki / inside handy
1.300 neue Mobilfunkmasten baut die Telekom alleine in diesem Jahr in ihrem Netz auf, bis 2021 sollen insgesamt 9.000 dazu kommen. Doch dabei sieht sich die Telekom mit vielen Problem konfrontiert. Während sie in der Lage ist, im Notfall binnen vier bis fünf Stunden einen mobilen Sender aufzubauen, kann ein normaler Mast bis zu 18 Monate im Genehmigungsverfahren dauern. Auch die Grenzregionen sind problematisch.

Einen ungewöhnlich tiefen Einblick in die tägliche Arbeit haben Telekom-Deutschland-Chef Dirk Wössner und Telekom-Technik-Chef Walter Goldenits jetzt im Rahmen eines Journalistengespräches gegeben. Demnach ist es für die Telekom oftmals gar nicht so einfach, einen neuen Mast zu errichten, um das Netz zu erweitern. Die Probleme im Einzelnen: Langwierige Genehmigungsverfahren, Abstimmungsprobleme mit den Netzbetreibern in Nachbarländern in Grenzregionen und Bürgerinitiativen, die gar nicht wollen, dass ein Mast gebaut wird.

Das Netz: Was war, was wird

Heute hat die Telekom nach eigenen Angaben etwa 27.000 Sendemasten, die 95 Prozent der Bevölkerung mit LTE erreichen. Doch eine Bevölkerungsabdeckung weicht massiv von der Abdeckung in der Fläche ab. Deswegen gibt es auch bei 95 Prozent Netzabdeckung in der Fläche immer wieder Funklöcher.

Nach Telekom-Angaben entspricht der heutige LTE-Ausbaustand einer Flächenabdeckung knapp unter 80 Prozent. Hier will das Unternehmen nicht stehenbleiben. Neben den 1.300 Masten in diesem Jahr sollen im kommenden Jahr noch 2.000 neue hinzukommen. Die Telekom sieht dann eine Bevölkerungsabdeckung von 98 Prozent bzw. eine Flächenabdeckung von etwa 85 Prozent. Bis 2020 hat sich die Telekom im Rahmen eines Mobilfunkpaktes verpflichtet, eine Bevölkerungsabdeckung von 99 Prozent zu erreichen. Das entspräche etwa 90 Prozent der Fläche. Bis Ende 2021 sollen 99 Prozent der Bevölkerung in jedem einzelnen Bundesland erreicht werden. Das ist noch einmal eine Steigerung, da auch Flächenländer engmaschig ausgebaut werden müssen.

2021 will die Telekom 36.000 Sendemasten in Betrieb haben – dazu kommen noch zahlreiche so genannte Small Cells. Das sind kleine Sender mit einem geringen Radius, die aber zusätzliche Kapazität schaffen. Die Telekom errichtet einen großen Teil dieser Small Cells an ihren öffentlichen Telefonzellen, hat aber auch andere Pläne. So gäbe es in einigen Kommunen ideale Standorte wie beispielsweise öffentliche Uhren, die sich gut als Small-Cell-Standort eignen würden.  Ab 2021 will die Telekom dann auch weitere Mobilfunk-Frequenzen einsetzen, die sie hofft im Rahmen der Frequenzauktion kommendes Jahr zu ersteigern. Allerdings ließe sich das 3,5-GHz-Band, das international für 5G eingesetzt werden soll, nicht in der Fläche nutzen. Nach Branchenschätzungen wären dafür 500.000 Sender und 80 Milliarden Euro notwendig.

Problem 1: Die Grenzen

Wer in Deutschland in einer Grenzregion lebt, beschwert sich – egal bei welchem Netzbetreiber – oftmals über ein schlechtes Netz. Das liegt nicht daran, dass die Netzbetreiber in diesen Regionen nicht versorgen wollen, sondern daran, dass sie sich mit den Nachbarländern abstimmen müssen. Denn die Frequenzen, die in Deutschland Telekom, Vodafone und Telefónica „gehören“, werden im Ausland durch andere Netzbetreiber genutzt. Funkwellen machen jedoch nicht an der Grenze halt. Es muss also eine Koordinierung erfolgen.

Nach Darstellung der Telekom halten sich deutsche Netzbetreiber in den Grenzregionen an die Regeln und stimmen sich mit den Anbietern jenseits der Grenze ab. Einige ausländische Netzbetreiber würden jedoch einfach einen Sender hinstellen, anschalten und warten, was passiert. Deswegen habe man in Deutschland auch oftmals eher Empfang von ausländischen Netzbetreibern als vom einheimischen. Dank EU Roaming und dem Roam-like-at-home-Prinzip ist das jedoch in aller Regel zumindest finanziell kein Problem mehr, wenn nicht gerade Spezialdienste wie Stream On genutzt werden sollen. Da ein Absprache- und Koordinierungsverfahren für jeden einzelnen Sender erfolgen muss, ist dieser Prozess sehr langwierig.

Problem 2: Die Genehmigungsverfahren

„Wenn wir heute ein Funkloch haben und einen neuen Mast bauen wollen, kann es bis zu 18 Monate dauern, bis wir ihn nutzen können“, sagt Telekom-Technik-Chef Walter Goldenits. Die Gründe dafür seien vielschichtig. So bräuchte die Telekom eine Baugenehmigung für die neuen Masten. Diese Verfahren dauerten in vielen Kommunen jedoch lange. Zudem sei es erforderlich, dass die Telekom genaue Angaben zum Standort macht: Sendeleistung, Antennenwinkel und Antennenhöhe.

Die Telekom prüfe die Sendedaten der Antenne in einem internen Berechnungstool, damit es innerhalb des Netzes aber beispielsweise auch jenseits von Grenzen zu keinen Störungen kommt. Diese Daten müssten dann der Bundesnetzagentur vorgelegt werden, die die Daten noch einmal neu berechne. Sollte auch nur die kleinste Gefahr einer Störung bestehen, müsse die Telekom diese Verfahren noch einmal wiederholen. Die Behörde müsse Störungsfreiheit garantieren. „Wenn wir Whitespots versorgen sollen, müssen Antragsverfahren vereinfacht und beschleunigt werden“, fordert die Telekom.

Technisch sei die Telekom in der Lage, binnen weniger Stunden einen mobilen Sender zu errichten. Zuletzt sei das beispielsweise bei den Waldbränden in Brandenburg im Sommer 2018 erfolgt. Binnen fünf Stunden habe man für die Einsatzkräfte eine Mobilfunkversorgung errichten können.

Problem 3: Die Bürger

Nicht bei jedem Whitespot wollen die Bürger, dass er geschlossen wird, heißt es von der Telekom. Sie mache die Erfahrung, dass sie schnell mit Bürgerinitiativen gegen Sendemasten konfrontiert wird, wenn Pläne zum Ausbau bekannt werden. Oftmals habe die Telekom bislang mobile Sender aufgebaut, um zügig eine Versorgung zu realisieren bis die Genehmigung für den Mast vorhanden ist. Nach Angaben von Goldenits beginnen dann aber die Proteste der Bürger, die keine Mobilfunkmasten in ihrem Ort wollen. „Weißer Fleck“ bedeute nicht automatisch, dass Mobilfunk willkommen sei.

Die Telekom nutze die mobilen Sender jetzt bevorzugt, um Autobahnen besser zu versorgen. Dort seien weniger Anwohner, die sich beschweren könnten. Und an den Autobahnen habe man nicht nur Versorgungsauflagen zu erfüllen, sondern habe auch festgestellt, dass das Netz noch Defizite habe. Alleine vergangenes Jahr seien 500 Lücken geschlossen worden.

LTE-Netze im Vergleich: So steht es aktuell um den Ausbau

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