Motorola-Chef: "Wir sind Vorreiter und nicht Follower"

6 Minuten
Motorola, Moto P30, Lenovo, Smartphone
Bildquelle: Motorola
Auf der IFA 2018 überraschte Motorola mit der Vorstellung des Motorola One, einem weiteren Mittelklasse-Handy mit Notch und Android One. Im Gespräch verrät Lars-Christian Weisswange, General Manager der Smartphone-Sparte von Lenovo, warum es kein Moto Z3 zu sehen gab und warum Motorola immer noch zu den innovativsten Handy-Herstellern gehört. Das Gespräch führten David Gillengerten und Stefan Winopal.

inside handy: Herr Weisswange, wie ist es der Smartphone-Sparte von Lenovo / Motorola seit der IFA 2017 ergangen?

Lars-Christian Weisswange: Die Veröffentlichung der Moto-G6-Modelle war für uns bisher eines der Highlights des Jahres. Die Handys werden gut angenommen und erfreuen sich großer Beliebtheit bei unseren Kunden. Und mit dem Motorola One haben wir pünktlich zum Weihnachtsgeschäft 2018 das nächste Highlight am Start. Dabei handelt es sich im Kern um eine Evolution der Moto-X-Familie. Unser Ziel war es, ein Android-One-Gerät herauszubringen, das sich zwischen dem Moto G und dem Moto Z einsortiert. Außerdem haben wir versucht, die Stärken von Android One beim Motorola One hardwareseitig umzusetzen.

inside handy: Wie sieht es denn mit den selbst gesteckten Zielen aus? Bei der Vorstellung des Moto G6 kündigte der neue Motorola-Chef, Antony Barounas, an, man wollte „2018 in Europa im Preissegment von 150 bis 300 Euro einen Marktanteil von mindestens 10 Prozent erarbeiten“

Weisswange: Wir geben keine Verkaufszahlen raus, ich möchte hier aber sagen, dass wir auf einem guten Weg sind. Unsere Strategie, dass wir uns vor allem auf den Preis-Leistungs-Bereich konzentrieren, geht auf und trägt Früchte. Je nach Land und Markt sind die Ergebnisse aber natürlich unterschiedlich.

inside handy: Ist High-End für euch dann überhaupt noch ein Schwerpunkt?

Weisswange: High-End ist für uns durchaus ein wichtiger Bereich. Aber wir haben ja auch über Marktanteile halten und ausbauen gesprochen. Das ist eine andere Aufgabenstellung als High-End zu haben und zu zeigen. Bestes Beispiel ist das 5G-Mod, bei dem wir wieder der ganzen Welt gezeigt haben, wie innovativ Motorola ist – und das mit Ansätzen, die wir vor Jahren mit dem ersten Moto Z eingeführt haben. Damit sind wir nun als erster Hersteller auf dem Markt in der Lage, ein 5G-Smartphone anzubieten. Und das mit deutlichem Abstand vor der Konkurrenz. Das zeigt besonders die Stärken der Modularität unserer Handys.

inside handy: Funktioniert das 5G-Mod nur auf dem Moto Z3 oder auch dem Moto Z3 Play sowie älteren Generationen?

Weisswange: Es ist noch zu früh, dass zu beantworten.

inside handy: Ihr bekennt euch aber weiterhin zur Modularität der Moto-Z-Modelle?

Weisswange: Auf alle Fälle. Dazu hat sich unsere Einstellung nicht geändert. Wenn man das Geld in die Hand nimmt und eine 5G-Erweiterung entwickelt, dann ist das durchaus ein deutliches Zeichen. Wir würden das mit Sicherheit nicht machen, wenn wir das Thema im kommenden Jahr wie eine heiße Kartoffel fallen lassen würden.

inside handy: Kommt das 5G-Mod denn nach Deutschland?

Weisswange: Auch dazu möchte ich mich aktuell nicht äußern. Das liegt aber auch vor allem daran, dass dieser Moto-Mod sehr auf die USA fokussiert ist. Dort ist man mit der Vergabe und dem Rollout von 5G-Frequenzen schon sehr viel weiter als hierzulande.

inside handy: Innovation ist ja eine schöne Sache, aber was bringt sie den Kunden hierzulande, wenn weder das Moto Z3 noch das Moto Mod bisher für Deutschland angekündigt sind?

Weisswange: Wir haben das Moto Z3 Play aktuell im Programm und werden auch weiterhin darauf setzen. Auf dem deutschen Markt erfreuen sich die Moto-Z-Geräte auch großer Beliebtheit. Aber: Für uns spielt das Mittelklasse-Segment besonders im Weihnachtsgeschäft eine große Rolle. Es ist neben der Oberklasse der einzige Bereich, der wächst. Es hat aber nichts mit einer strategischen Ausrichtung zu tun. Wir geben den High-End-Markt nicht auf, sondern fokussieren uns auf einige wenige Bereiche.

inside handy: Es könnte aber viele Kunden verwirren, dass Motorola hierzulande einem Mittelklasse-Handy den Vorzug vor einem Flaggschiff gibt.

Weisswange: Das Moto Z3 ist ein sehr stark amerikanisch geprägtes Gerät. Unserer Ansicht nach reicht das Moto Z3 Play für den hiesigen Markt aus und es braucht kein Moto Z3 daneben.

inside handy: Warum habt ihr beim Namen des Motorola One mit dem „Moto“-Namen gebrochen?

Weisswange: Weil wir es für extrem wichtig erachtet haben, die perfekte Symbiose aus Android-One-Software und Motorola-Hardware auch im Namen zu signalisieren. Beide ergeben dann ein Gesamtpaket, das wir Motorola One nannten.

inside handy: Motorola wollte nicht anderen Hersteller hinterherlaufen und dann wird das Motorola P30 in Asien vorgestellt, was dem iPhone X und dem Huawei P20 Pro sehr ähnlich sieht. Wie passt das zusammen?

Weisswange: Ich sehe das nicht so. Da sind ein paar Leute vorgeprescht und haben sich einen Eindruck von dem Handy verschafft, ohne es jemals in der Hand zu halten. Natürlich unterscheidet sich das Design des Motorola P30 und des Motorola One von den bisherigen Moto-Geräten. Für uns war aber auch klar: Wenn wir eine zweite Reihe für Android-One-Handys neben den Motos eröffnen, dann können wir dort neue Design-Elemente verwenden. Besonders toll finde ich beim Motorola One übrigens den Fingerabdruck-Sensor im Logo.

inside handy: Wie sieht es denn in der Zukunft aus? Wollt ihr zum Beispiel auch ein eigenes Gaming-Smartphone bauen?

Weisswange: Besonders beim Thema Gaming sieht man schön, was für ein Vorreiter Motorola ist und welche Besonderheiten die Modularität der Moto Z erlaubt. Der Gaming-Mod ist ein schönes Beispiel, das man in dieser Form nicht auf anderen Handys hinbekommt. Wir sehen uns beim Thema Gaming-Smartphone also auf jeden Fall als Vorreiter und nicht als Follower.

inside handy: Aber es ist kein explizites Legion-Smartphone von Lenovo / Motorola geplant, oder?

Weisswange: Dazu kann ich nichts sagen. Aber wir sehen ein Gaming-Bundle wie zum Beispiel ein Moto Z2 Force inklusive einer Gaming-Mod als das bessere Angebot für unsere Kunden. Am Ende bleibt auch zu fragen: Was ist besonders anders bei einem dezidierten Gaming-Smartphone im Vergleich zu einem „normalen“ Handy? Ein Ansatz, der einen wirklichen Mehrwert schaffen würden, wäre zum Beispiel 5G. Die Latenz ist bei Mobile Games wie Fortnite aktuell noch ein Problem. Mit dem neuen Mobilfunkstandard ist das Thema Verzögerung dann durch. Leider ist 5G aktuell noch nicht realisierbar und wenn, dann gibt es das dank unseres 5G-Mods zuerst bei uns.

Deine Technik. Deine Meinung.

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein

geschützt durch reCAPTCHA Datenschutzerklärung - Nutzungsbedingungen

VERWANDTE ARTIKEL