LG: "Wir wählen die Handys, die in Deutschland erscheinen, sehr genau aus"

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LG G7 ThinQ Titelbild richtig
Bildquelle: Michael Büttner / inside handy
In der Woche rund um die Elektronik-Messe IFA stehen Neuankündigungen von Smartphones an der Tagesordnung. So auch beim südkoreanischen Hersteller LG, der mit zwei neuen Modellen nach Berlin reiste. Im Gespräch mit inside handy verrät Product Marketing Managerin Alexandra Produnova, wie das Unternehmen mögliche Handys für den deutschen Markt auswählt und was sich seit der IFA 2017 getan hat.

Langsame Veröffentlichungenextremer Preisverfall und ein meckernder Chef: Zwischen der IFA 2017 und der IFA 2018 ist einiges beim südkoreanischen Unternehmen LG passiert. Mittlerweile stehen jedoch wieder Neuvorstellungen im Mittelpunkt – so zum Beispiel das LG Q Stylus, ein Mittelklasse-Handy inklusive Eingabestift, oder abgespeckte Flaggschiffe wie das LG G7 Fit. Letzteres Modell wurde im Rahmen der IFA 2018 vorgestellt und soll einen Trend bedienen, den der südkoreanische Hersteller laut Produnova entdeckt hat: Demnach erfreuen sich ehemalige Flaggschiffe aktuell großer Beliebtheit bei Kunden und LG möchte den Markt dahingehend mit einem eigenen Modell abdecken.

Der Kniff: Das G7 Fit wurde im Design des Flaggschiffes G7 ThinQ gehalten, die Hardware ist jedoch mittelklassig. Ungewöhnlich: LG setzt auf einen Snapdragon 821 von Qualcomm – das Modell, das Anfang 2017 im LG G6 verbaut und als zu langsam kritisiert wurde. Warum das so ist, erklärt Produnova: „Der Snapdragon 821 passt unserer Ansicht nach besser zum G7 Fit als ein aktueller Mittelklasse-Prozessor wie der Snapdragon 660. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, ihn beim LG G7 Fit einzusetzen.“ Laut ihr bietet der zwei Jahre alte Chip das ideale Preis-Leistungs-Verhältnis. Das LG-Handy soll wie jede Neuvorstellung mit zwei Jahren Software-Support unterstützt werden, betont die Product Marketing Managerin. 

Benachteiligt LG den deutschen Markt?

Neben dem LG G7 Fit wurde ein weiteres Handy aus der Flaggschiff-Reihe vorgestellt. Das LG G7 One ist besser ausgestattet und läuft mit Android One auf der Basis von Version 8.1 Oreo. Es wird wurde bisher jedoch nicht für Deutschland angekündigt. Erneut bleibt den hiesigen Kunden also erst einmal ein Teil der LG-Produktpalette verschlossen. „Vor Produktlaunch analysieren wir immer sehr stark, welche Produkte wir wo veröffentlichen möchten“, sagt Produnova. „Und manchmal ergibt es wenig Sinn, ein Modell hierzulande auf den Markt zu bringen.“

Wird Deutschland also bei Neuvorstellungen benachteiligt? Die Product Marketing Managerin widerspricht: „Ein gutes Beispiel ist das LG Q7+: Das verkaufen wir nur in Deutschland. Im Rest von Europa ist es hingegen nicht erhältlich.“ LG, so die Quintessenz, orientiert sich bei der Veröffentlichung neuer Handys also stark an regionalen Gegebenheiten.

Künstliche Intelligenz bleibt im Fokus

Ein Trend, der sich aktuell im Smartphone-Bereich durchsetzt, ist die Kooperation unternehmensinterner Marken. So wirbt Sony bei seinem neuen Xperia XZ3 mit einem OLED-Display, das so gut sein soll wie die farbintensiven Bravia-TVs des japanischen Herstellers. Asus stellte mit dem ROG Phone direkt ein Smartphone seiner beliebten Gaming-Hardware-Marke Republic of Gamers vor. LG folgt diesem Trend bisher nicht. Jedoch gebe es Aspekte, die ein Handy des Unternehmens besonders auszeichnet: „Wir habe Funktionen, die einfach unsere ‚Signature‘-Features sind. So zum Beispiel das Weitwinkel-Objektiv oder unsere Sound-Expertiese. Letztere kommt nun auch in unseren günstigen Modellen zum Einsatz“, erklärt Produnova.

Ein Blick in die Zukunft von LG offenbart die Product Marketing Managerin ebenfalls auf der IFA 2018. So wolle man einerseits weiterhin am AI-Fokus festhalten. Dies gelte für die Smartphone-Sparte wie auch andere Bereiche des Unternehmens. Man arbeite deshalb auch besonders mit Google zusammen. Andererseits hat LG seine Veröffentlichungs-Strategie verändert und aus der Kritik rund um den Markstart des LG V30 gelernt: „Wir versuchen in Zukunft möglichst wenig Zeit zwischen Ankündigung und tatsächlichem Marktstart eines Modells verstreichen zu lassen.“ Dies habe man unter anderem bei G7 ThinQ schon unter Beweis gestellt.

Update: In einer vorherige Version des Artikels stand, dass das G7 One nicht nach Deutschland kommt. Dies stimmt nicht und wurde nachträglich geändert.

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