Das steckt hinter dem Smartphone-Comeback von Sharp in Deutschland

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Matthias Mittelviefhaus
Bildquelle: Stefan Winopal / inside handy
Sharp ist zurück auf dem deutschen Smartphone-Markt. Drei Modelle hat der Hersteller, der seit zwei Jahren zu Foxconn gehört, inzwischen vorgestellt. inside handy hat auf der IFA in Berlin mit Matthias Mittelviefhaus, dem für das Europageschäft zuständigen Sharp-Manager des japanischen Konzerns über den Wiedereintritt in den deutschen Markt und die Zukunft gesprochen. Das Gespräch führten Stefan Winopal und Thorsten Neuhetzki.

inside handy: Sharp ist vor wenigen Wochen mit dem Model B10 zurück auf den deutschen Markt gekommen. Davor war die Marke viele Jahre lang nicht präsent in diesem Markt. Warum sollte man Sharp auf dem Radar haben?

Matthias Mittelviefhaus: Viele Leute haben, wenn sie Sharp hören, nur eine unser zahlreichen Produktlinien im Kopf. Das kann die Mikrowelle sein oder der Fernseher. Wer Sharp mal gegoogelt hat, der hat vielleicht auch herausgefunden, dass das allererste Produkt ein Druckbleistift war. Aber die wenigsten Leute wissen, dass Sharp ein Vollsortimenter ist. Entsprechend merken wir auch, dass viele Leute, die hier auf den Stand kommen, überrascht von der Marke Sharp sind.

inside handy: Sie machen es den Kunden aber auch nicht leicht. Wer im Internet auf Sharp.de landet, findet eine reine B2B-Seite vor. Nur auf Unterseiten stellen Sie Ihre Produkte vor.

Mittelviefhaus: Das liegt an der langen Historie von Sharp. Vor einigen Jahren ging es dem Konzern nicht gut und es wurden für viele Produkte Lizenzen vergeben. Die B2B-Produkte hat Sharp selbst weiter gemacht, die dann unter den Länderseiten vorgestellt wurden. Das Privatkundengeschäft ist in Europa beispielsweise an UMC oder Hisense gegeben. Dadurch sind auch die Internetseiten auseinandergedriftet. Sharp wurde jetzt von Foxconn gekauft. Dadurch gibt es einen Strategiewechsel. Foxconn freut sich über einen Vollsortimenter und will Sharp erfolgreich machen um einen sicheren Absatzkanal für eigene Produkte zu haben und nicht nur als Auftragsdienstleister für die großen Marken dieser Welt zu arbeiten.

inside handy: Was hat Foxconn mit Sharp vor?

Mittelviefhaus: Foxconn fertigt viele Produkte als reiner Auftragsfertiger. Die Innovationen und technischen Neuerungen kommen dann direkt von den Auftraggebern. Diese darf sich Foxconn auch nicht zu Eigen machen. Was genau Foxconn mit Sharp vor hat, ist noch etwas offen. Wenn man sich aber anschaut, dass Foxconn nicht nur eine Sharp-Lizenz sondern wirklich den ganzen Konzern gekauft hat, muss Foxconn ein großes Interesse daran haben, den Brand Sharp wieder größer und erfolgreicher zu machen. Sharp ist hier natürlich auch abhängig von Foxconn, wir können schlecht zu einem anderen Auftragsfertiger gehen. Im Umkehrschluss müssen hier aber auch entsprechende Innovationen von Foxconn kommen, damit der Plan aufgeht. Wir entwickeln auch schon gemeinsam im Bereich KI und SmartCity.

inside handy: Was ist denn mit der UMC, die ja die Sharp-Lizenzen gekauft hat?

Mittelviefhaus: UMC gehört mittlerweile auch zum Teil zum Foxconn-Konzern. Sharp hat UMC mehrheitlich übernommen. Auch Produktionswerke, die UMC übernommen hatte, sind somit wieder in der Hand von Sharp.

inside handy: Ein Smartphone haben Sie mit dem B10 bereits auf den Markt,  das C10 kommt in diesen Tagen in den Handel und das D10 haben Sie auf der IFA vorgestellt. Wie sind die weiteren Pläne?

Mittelviefhaus: Für dieses Jahr belassen wir es bei diesen drei Produkten. Sicherlich werden wir zum Mobile World Congress weitere Smartphones vorstellen. Wir haben uns bewusst für drei verschiedene Produkte zum Start entschieden, um interessierten Kunden auch eine entsprechende Auswahl zu bieten.

inside handy: Gibt es denn schon eine erste Resonanz von Ihren Kunden? Warum entscheiden sich Kunden, die sich auch für ein Smartphone von Apple, Samsung, LG oder Huawei entscheiden könnten, für Sharp?

Mittelviefhaus: Das B10 ist seit Juli verfügbar, das C10 ist aber gerade erst ausgeliefert worden. Somit kann man zum C10 und auch zum D10, das wir diese Woche erst vorgestellt haben, noch nichts sagen. Beim B10 sind wir mit einer Vermarktungsaktion in den Markt gegangen, wo der Kunde direkt noch einen kleinen Fernseher dazu bekommt. Dieser 24-Zoll-Fernseher sollte Kunden adressieren, die durchaus schon Fernseher haben, aber noch einen für die Küche oder das Schlafzimmer haben wollen. Das wurde von den Kunden auch wirklich gut angenommen. Man muss aber auch bedenken, dass wir einen Silent Launch gemacht haben. Da fehlt uns auch noch ein wenig die Aufmerksamkeit. Insofern sind die Absatzzahlen zufriedenstellend für das geringe Marketing aber natürlich absolut gesehen noch moderat.

Warum Kunden unsere Handys kaufen sollten, muss sicher der Kunde entscheiden. Wir versuchen gute Qualität zu einem geringen Preis anzubieten. Wir wollen den Kunden auch die Marke Sharp näherbringen und als solcher auch im Bereich Smart Home für ihn da sein. Hier wird das Smartphone als Steuereinheit eine wesentliche Rolle spielen. Wenn alles aus dem Hause Sharp stammt, ist beispielsweise vorstellbar, dass das TV-Signal vom Fernseher automatisch auf dem Smartphone weiterläuft, wenn der Nutzer beispielsweise in die Küche geht. Das ist noch Zukunftsmusik, aber nicht allzu weit weg. Sharp ist eine Erfinder-Company und will den Kunden das Leben leichter machen.

Mit dem D10 haben wir in jedem Fall einen Preispunkt gefunden, mit dem wir ein sehr sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis anbieten.

inside handy: Das ist auch neben der Foxconn-Übernahme der Grund, weswegen Sharp den Weg zurück in den Smartphone-Markt eingeschlagen hat?

Mittelviefhaus: Genau, wenn wir es schaffen, dass ein Kunde sich für Sharp entscheidet und viele seiner smarten Geräte von uns kauft, wäre es aus unserer Sicht nicht gut, dass der Kunde als Steuereinheit dann ein Gerät eines anderen Herstellers nutzen muss. Mit unseren Sharp-Smartphones bieten wir hier jetzt eine Alternative an, die viel mehr ist, als nur die Abrundung unseres Portfolios.

inside handy: Erfinder-Company ist ein gutes Stichwort. Auf der Pressekonferenz von Sharp war ganz kurz ein Prototyp eines Smartphones mit einem gebogenen OLED-Display zu sehen.

Mittelviefhaus: Ja, Sharp ist ja auch ein Display-Hersteller. Wir haben das erste LCD entwickelt. Wir können jetzt auch OLED-Displays bauen. Dieses Gerät mit dem Arbeitstitel Sharp Aquos Curved Phone werden wir in Kürze in Japan vorstellen. Deswegen kann ich Ihnen auch keine Details zu dem Gerät geben. Aber wenn Sie bedenken, dass wir beim gerade vorgestellten D10 einen Body-to Screen-Ratio von 91 Prozent haben – also fast gar keinen Rand mehr – lässt sich absehen, wohin auch mit dem OLED-Handy die Reise gehen wird. Wann das OLED-Handy nach Europa kommt, können wir aber noch nicht sagen.

inside handy: Bis wann wollen Sie mit Sharp denn eine relevante Größe im Smartphone-Markt erreichen?

Mittelviefhaus: Genaue Zahlen kann ich Ihnen nicht nennen. Sie sind nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Aber wenn es um das Erreichen von Zielen geht, denken asiatische Konzerne selten über einen Zeitraum von fünf bis acht Jahren hinaus. In dem Zeitraum kann sich viel tun.

inside handy: Wie viele Handymodelle pro Jahr plant Sharp? Machen Sie in dem Tempo wie bisher weiter?

Mittelviefhaus: Wir haben jetzt drei Produktlinien eingeführt. B, C und D beschreiben die verschiedenen Leistungs- und Preisklassen von niedrig nach hoch, wobei hoch beim D10 auch nur 399 Euro bedeutet. Bei der nächsten Generation gibt es eventuell auch noch eine A-Serie geben, die dem heutigen B-Niveau entspricht um bei der D-Serie einen höheren Preispunkt setzen zu können. Das setzt aber einen Namen voraus. Das D10 war eigentlich für einen Verkaufspreis von 599 Euro geplant. Diese Modelle werden wir regelmäßig durch neue Generationen ersetzen, aber wir wollen keine Geräteflut auslösen.

inside handy: Vielen Dank für das Gespräch.

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