congstar-Chef: Eine echte Daten-Flatrate ist aktuell kein Discounter-Thema

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congstar-Geschäftsführer Dr. Peter Opdemom
Bildquelle: inside handy / Thorsten Neuhetzki
Die Telekom-Tochter Congstar hat auf der IFA neue Tarife vorgestellt. Doch was tut sich abseits der Tarife bei Congstar, wie steht das Unternehmen zu 5G und wie wirkt sich die Vermarktungsmöglichkeit von LTE auf Congstar aus? Im Gespräch mit inside handy äußerte sich congstar-Geschäftsführer Peter Opdemom auch zu den Festnetz-Plänen der Marke. Das Gespräch führten Hayo Lücke und Thorsten Neuhetzki.

inside handy: Seit Anfang des Jahres können Congstar-Kunden eine Highspeed-Option für das LTE-Netz der Telekom buchen. Hat sich die Nachfrage Ihrer Kunden nach Ihren Tarifen mit der Einführung von LTE merklich verändert?

Peter Opdemom: Die Option wird gut angenommen. Eine merkliche Veränderung haben wir aber nicht festgestellt. Wir wissen jedoch, dass es gerade für Kunden im ländlichen Raum sehr wichtig ist, Zugriff auf das LTE-Netz zu erhalten. Die Abdeckung ist hier schlichtweg besser als bei UMTS. Für diese Kunden ist die Option in jedem Fall eine sinnvolle Ergänzung.

inside handy: Sie durften immer nur von einer Highspeed-Option mit bis zu 50 MBit/s sprechend und höchstens im Kleingedruckten tauchte der Hinweis auf die Notwendigkeit eines LTE-Smartphones auf. Dem Vernehmen nach hatte die Telekom den verschiedenen Discountern verboten, die Begriffe LTE oder 4G für die Bewerbung zu nutzen. Das ändert sich ja jetzt. War es denn hinderlich, die Option bis jetzt nur als Highspeed-Option bewerben zu dürfen?

Peter Opdemom: An Spekulationen möchte ich mich nicht beteiligen. Fakt ist: Kunden, die die Highspeed Option gebucht haben, haben verstanden, dass es sich dabei um LTE handelt und die Option auch deswegen gebucht. Ob mehr Kunden die Option gebucht hätten, wenn wir sie bereits zum Start „LTE 50 Option“ genannt hätten, wissen wir nicht. Aber das lässt sich vielleicht aus der neuen Bewerbung und der Kundennachfrage in einigen Wochen ablesen.

inside handy: Congstar bietet einen Smartphone-Tarif mit 10 GB Datenvolumen an. Es gibt Provider im Markt, die deutlich mehr Datenvolumen in ihren Tarifen anbieten. Die Telekom als Congstar-Muttergesellschaft bietet gar eine echte Flatrate an. Fragen die Kunden nicht mehr als 10 GB nach oder warum gibt es keinen größeren Tarif?

Peter Opdemom: Das sind zwei Gründe. Zum Einen: Die tatsächliche Nutzung der meisten Mobilfunk-Kunden ist weitaus geringer als die 10 GB, die wir maximal anbieten. Es gibt einen Unterschied zwischen dem, was der Kunde bucht und dem was der Kunde dann auch nutzt. Dem kommen wir übrigens mit unserem neuen Fair-Flat-Tarif ab Oktober entgegen. Das zweite Argument: Wir wollen den Markt sinnvoll ergänzen. Eine Full-Flat mit LTE Max ist sicherlich ein toller Tarif für eine Premium-Marke. Aber ein solcher Tarif ist für uns zum jetzigen Zeitpunkt im jetzigen Marktumfeld nicht notwendig. Wo wir in fünf Jahren stehen, kann ich natürlich heute nicht sagen. Aber auf die vergangenen zwölf Monate und die Nachfrage der Kunden gesehen, sind wir mit unseren Tarifen sehr gut aufgestellt. Deswegen machen wir aus unserer 10-GB-Sommeraktion jetzt auch einen regulären Tarif.

inside handy: Es gibt einen Tarif, bei dem es ein deutlich höheres Datenvolumen gibt: Beim Homespot, der Alternative zum DSL-Anschluss, bietet Congstar bis zu 100 GB pro Monat an. Doch nicht nur Congstar bietet ein solchen Produkt an, auch Vodafone, o2 und Ortel Mobile haben ähnliche Lösungen im Angebot. Wo unterscheidet sich Congstar, warum sollte ein Kunde Congstar buchen?

Peter Opdemom: Wir ermöglichen eine flexible Nutzung ohne einen Zwei-Jahres-Vertrag abschließen zu müssen und bieten eine einfache Nutzung an. Die wirkliche Unterscheidung gegenüber dem Wettbewerb ist aber sicherlich das LTE-Netz der Telekom, auf das wir zugreifen können. Hier sind wir die einzigen, die ein solches Produkt anbieten und somit auch eine sehr gute Netzabdeckung und Performance nachweisen können.

inside handy: An einer Stelle macht Congstar den Tarif aber unflexibler als es bei den Mitbewerbern der Fall ist: Der Homespot lässt sich nur in einer vorher festgelegten Homezone nutzen. Dadurch ist es nicht möglich, den Homespot mitzunehmen und ihn beispielsweise im Hotel oder auf dem Campingplatz zu nutzen und am nächsten Tag an einem anderen Ort in Deutschland. Warum diese Einschränkung?

Peter Opdemom: Es soll wirklich ein Homespot-Tarif sein, kein mobiler Breitband-Tarif. Es gibt aber auch einen Grund, von dem die Kunden profitieren. Wir prüfen vor jeder Buchung individuell, ob in dem gewüschten Surfbereich Mobilfunkempfang in ausreichender Kapazität vorhanden ist.

inside handy: Es ist also auch keine Änderung zu einer bundesweiten Nutzung des Homespots geplant?

Peter Opdemom: Nein, zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Es ist immer eine Abwägung dessen, was am wichtigsten ist. Und derzeit ist uns vor allem wichtig, dass der Kunde ein entsprechend positives Kundenerlebnis hat.

inside handy: Eigentlich ist congstar ja schon lange eine Mobilfunk-Marke. DSL gibt es aber immer noch auf der Webseite. 

Peter Opdemom: Wir stellen fest, dass es immer noch Kunden gibt, die gerne DSL bei congstar buchen. Insofern bieten wir DSL weiterhin an. Wir vermarkten DSL aber auch nicht aktiv, schließlich bieten wir mit dem Homespot auch eine Alternative auf Mobilfunkbasis an. Selbstverständlich müssen wir hier am Ende des Tages auch unternehmerisch denken und das Angebot auch immer wieder auf den Prüfstand stellen.

inside handy: Spielt bei der Entscheidung auch mit rein, dass Congstar für die Muttergesellschaft Deutsche Telekom die Plattform für jene Anschlüsse bereitstellt, die die Telekom für ihre Endkunden technisch bei alternativen Anbietern schaltet? Profitieren Sie hiervon indirekt?

Peter Opdemom: Diese Plattform stellen wir im Auftrag der Telekom bereit, das ist richtig. Das hat aber keinen Einfluss auf unser direktes Endkundengeschäft oder die Entscheidung, weiter DSL im Angebot zu haben.

inside handy: Vergangene Woche sind die Pläne zur Vergabe der 5G-Frequenzen im kommenden Jahr bekannt geworden. In den Plänen steht auch, dass seitens der Bundesnetzagentur keine Diensteanbieterverpflichtung zu erwarten ist, Provider und
Discounter also keinen Zugang zu 5G bekommen, wenn sie dieses nicht in ihren Verträgen verhandelt bekommen. Wie stehen Sie dazu?

Peter Opdemom: Die BNetzA ist da sehr transparent in ihren Vorgängen und jeder kann seine Meinung zu Vorhaben und Plänen kundtun. Die ganz aktuell bekanntgewordenen Pläne werden wir aber zunächst detailliert analysieren und bewerten.

inside handy: Würden Sie als congstar-Chef Ihren Kunden denn künftig gerne 5G-Tarife anbieten?

Peter Opdemom: 5G ist natürlich ein absolut spannendes Thema, das auch einige revolutionäre Änderungen mit sich bringen wird. Zum jetzigen Zeitpunkt ist 5G aber in erster Linie noch ein Thema der Netzbetreiber und somit noch kein Thema für congstar als Zweitmarke der Deutschen Telekom. Denn die Angebote von congstar und der Telekom sind komplementär positioniert und sprechen verschiedene Zielgruppen an. Die Telekom ist als Netzbetreiber ein Premium-Anbieter mit breiter Produktpalette. Mit congstar-Produkten können vor allem die Kunden angesprochen werden, die besonders stark auf Flexibilität und das Preis-Leistungs-Verhältnis achten. Diese verzichten gerne auf Extras, wenn dafür der Preis attraktiv ist.

inside handy: Eine letzte persönliche Frage: Welches Smartphone nutzen Sie eigentlich im Alltag?

Peter Opdemom: Schöne Frage! Ich nutze das iPhone 8 Plus. Der Grund dafür ist die Größe des Displays. Ich bin nahezu rund um die Uhr für die Congstar im Einsatz und habe so ein Phablet-ähnliches Handy, auf dem ich meine E-Mail gut lesen und bearbeiten kann.

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