EMUI 9.0 Beta startet: Das ist neu in Huaweis Android-Pie-Interpretation

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Huawei EMUI 9.0
Bildquelle: Michael Stupp / inside handy
Einen Tag nach der großen IFA-Keynote mit Kirin 980 und Mate 20 Lite hat Huawei in kleinerem Messe-Rahmen auch aus dem Software-Nähkästchen geplaudert. Heraus kam dabei die offizielle Ankündigung von EMUI 9.0, der neuen Firmware, die auf Android 9 Pie basiert. inside handy erhielt Einblicke in die Software, die unter anderem auf dem Mate 20 (Pro) laufen wird.

Zurückgezogen und in den Tagungsräumen eines Berliner Hotels zeigte Huawei Einblicke in die neue Firmware EMUI 9.0 – Warum ein derartiger Rahmen für ein Android-Betriebssystem? Huawei ist einer von mittlerweile wenigen Herstellern, die über die Android-Basis eine Benutzeroberfläche legen, die sich in Ausführung und Design vom Google-Produkt – in diesem Falle Android 9 Pie – abhebt. Auf der IFA wurde die neue Firmware von Huawei-Manager Benjamin Wang präsentiert und erläutert.

Nun also EMUI 9.0. Insgesamt will Huawei die Benutzeroberfläche, der Lange Zeit ein unübersichtlicher Ruf vorauseilte weiter verschlanken. Menü-Ebenen wurden zusammengeführt, Irrwege und Abzweigungen werden weiter ausgemerzt. Insgesamt will Huawei mit EMUI 9.0 die Anzahl der „Zahnrädchen“ so um 10 Prozent reduzieren.

Was ist noch neu in EMUI 9.0? Beim Design setzt Huawei auf eine etwas sauberere und weniger schrille Ausführung. Grundsätzlich wirkt EMUI 9.0 etwas seriöser und zeitloser. Die Funktionen, die Android 9 mit sich bringt, werden adaptiert, sodass sich auch in einem aktualisierten Huawei-Gerät zum Beispiel eine Überwachungs-Funktion wiederfindet, mit der die Nutzungszeit und -art des Handys kontrolliert werden kann.

Geräte-Einstellungen unter EMUI 8.2 (r.) und EMUI 9.0 im Vergleich
Bildquelle: Michael Stupp / inside handy

Geräte-Einstellungen unter EMUI 8.2 (r.) und EMUI 9.0 im Vergleich.

Implementiert sind aber auch Huawei-Errungenschaften, die die Vorzüge des Ökosystems hervorheben. Hier sei das GPU-Update genannt, das bereits an verschiedene Modelle ausgerollt wurde und eine stabilere Grafikleistung verspricht, die sich zum Beispiel durch höhere Bildraten bei Spielen zeigt. Darüber hinaus beschleunige sich der App-Start unter EMUI 9.0 und es gibt neue Funktionen wie „Password Vault“ dank der Passwörter einmal hinterlegt und gesichert werden und in den entsprechenden Apps dann die Gesichtserkennung zum Login genutzt werden kann.

Die noch nicht finalen EMUI-9.0-Versionen, die inside handy auf der IFA vorgeführt wurden, zeigten vor allen Dingen kleine Errungenschaften: So zum Beispiel die Veränderung der Uhr auf Home-Screen und in der entsprechenden Uhr-Anwendung: Hier muss nicht mehr umständlich in den tiefen Einstellungen gekramt werden, es reicht ein kurzes Tippen auf die Darstellung der Uhr und die Erscheinung ändert sich von digital in analog und umgekehrt.

Photo-App unter EMUI 8.2 (r.) und EMUI 9.0 im Vergleich
Bildquelle: Michael Stupp / inside handy

Photo-App unter EMUI 8.2 (r.) und EMUI 9.0 im Vergleich.

Die Bilder zeigen zudem auch, dass die Button-Leiste, die in der „Photo“-App zum suchen oder bearbeiten herangezogen wird, unter EMUI 9.0 nicht mehr als ovale Einblendung erscheint, sondern fest als halbtransparenter Balken am unteren Bildrand verortet ist.

Wann erscheint EMUI 9.0?

Ab sofort startet Huawei offene Beta-Phasen für die aktuellsten vier Huawei-Oberklassemodelle – P20, P20 Pro, Mate 10 und Mate 10 Pro – und die Honor-Smartphones 10, View 10 und Play. Auf Nachfrage bestätigte Benjamin Wang, dass unter anderem auch das Mate 9 auf der Update-Liste stehe.

Die finale Version wird mit dem Huawei Mate 20 (Pro) am 16. Oktober 2018 veröffentlicht. Mit Updates zu diesem Termin sollten Nutzer von aktuell erhältlichen Huawei- und Honor-Smartphone jedoch nicht rechnen. Zumindest das P20 Pro dürfte aber noch im Kalenderjahr 2018 auf EMUI 9.0 aktualisiert werden.

Beta-Registrierung hat begonnen: So erhält man die neue Firmware zuerst

Besitzer von P20, P20 Pro, Mate 10 und Mate 10 Pro, können sich bereits ab sofort für die Beta-Phase mit der neuen Software registrieren. Der offene Test startet in Kürze. Für die Registrierung muss die Teilnahme beantragt werden, wofür eine eigene App per APK-Datei heruntergeladen werden muss.

Nach erfolgter Installation kann in der App die Teilnahme am Beta-Programm angefordert werden. Vorbehaltlich einer von Huawei durchgeführten Überprüfung wird in der App schon wenige Minuten später angezeigt, dass man am Beta-Programm teilnimmt.

Huawei EMUI 9.0 – Beta auf dem P20 Pro

Weitere Geräte, die Andriod 9 Pie per Update erhalten und sich auch außerhalb des Huawei-Ökosystems befinden, zeigt inside handy im Android-Pie-Update-Artikel.

Welche Rolle spielen Android One und Android Go bei Huawei?

Es ist unschwer zu erkennen, dass Huawei nicht auf Android One setzt, andernfalls würde nicht derart viel in die eigene Software-Entwicklung gesteckt. Die Frage nach einem möglichen Einstieg in die Google-Initiative kommentierte Wang trocken mit einem schlichten, aber klaren Nein. In der Ausführung differenzierte er jedoch Android Go und ließ tief blicken. Ein Android-Go-Smartphone von Huawei ist also alles andere als unwahrscheinlich.

Beim Thema App-Dopplungen – die EMUI-Oberfläche bietet Huawei- und Google-Apps mit identischen Funktionen – steckt Huawei einige Hoffnungen in die EU: Der Status Quo sei, so Wang, dass die Google-Apps aus Sicherheitsgründen und Teil des Android-Systems mit an Bord sein müssten. Allerdings habe man auch mitbekommen, dass der Software-Konzern in dieser Hinsicht im Clinch mit der EU liegt, die in dem App-Zwang einen Marktmachtmissbrauch sieht. In diesem Streit will sich Huawei den vagen Angaben zufolge als lachender Dritte positionieren.

Huawei EMUI in Zahlen

Die Pressekonferenz zu EMUI 9.0 begann mit einigen Zahlen zum Huawei-Ökosystem, die die Marktgröße der chinesischen Marke unterstreichen: Demnach laufen weltweit rund 350 Millionen Geräte mit EMUI-Oberfläche. 2016 waren es noch 190 Milllionen. Dahinter sollen sich keine geschönten und mit ungenutzten Geräten aufgehübschten Zahlen verstecken. Huawei spricht nämlich von „Daily Active Usern“, also jenen, die EMUI an einem Tag nutzen.

Seit mittlerweile 6 Jahren entwickelt Huawei die Plattform. Die Nomenklatur gibt das nicht wieder, was daran liegt, dass Huawei die Firmware nach EMUI 5 an die dann aktuelle Android-Version 8 anpasste. Nach Android 8 kam Android 9 – die logische Folge ist EMUI 9.

Das Huawei Mate 20 Lite im Test

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