Telekom-Chef Wössner: Kein Mobilfunk-Neuling auf Kosten der bestehenden Netze

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Telekom-Deutschland-Chef Dirk Wössner
Bildquelle: inside handy / Thorsten Neuhetzki
Einen Tag vor der IFA-Pressekonferenz der Telekom waren die geplanten Auflagen der Bundesnetzagentur für die kommende 5G-Frequenzversteigerung bekannt geworden. Obwohl diese nach Einschätzung von Marktbeobachtern vor allem der Telekom sehr in die Hände spielen, nutzte Telekom-Chef Dirk Wössner die Veranstaltung, um sehr nachdrücklich seine Forderungen noch einmal zu positionieren und den vermeintlichen Beschluss zu kritisieren.

„Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen“, sagte der seit Anfang des Jahres amtierende Deutschland-Chef Dirk Wössner. „Wir sind nur dann bereit, Milliarden in ein Netz zu investieren, wenn wir das Risiko und die Chancen abschätzen können.“ Das sei nach derzeitigem Stand noch nicht der Fall.

Wössner kritisierte in diesem Zusammenhang auch, dass die Netzbetreiber mehrere Milliarden Euro investieren müssen, während die Preise für die Kunden seit 2010 um 16 Prozent gesunken seien. Alle anderen Verbraucherpreise, etwa für Strom oder Bahnfahrten, seien im Vergleich dazu gestiegen.

„Wir führen eine kontroverse Diskussion ohne sicheren Rechtsrahmen. Dabei brauchen wir Sicherheit und Klarheit, keine langen Klagen, und kein ‚Im Prinzip nicht, aber in Ausnahmefällen schon‘-Denken.“ Dieses liest Wössner aus den derzeit bekannten Informationen zur geplanten Frequenzvergabe heraus. Er befürchtet eine Regulierung durch die Hintertür.

Kritikpunkt Diensteanbieterverpflichtung und regionale Frequenzen

Also Beispiel nannte Wössner die Diskussion um die Diensteanbieterverpflichtung. „Wir haben in Deutschland 40 Discounter, die auf Basis von freiwilligen Vereinbarungen die Netze nutzen“, so Wössner. Das sei ein funktionierender Wettbewerb. „Was wir nicht brauchen ist eine Verschärfung dieser Verpflichtungen.“

Auch der Reservierung von Funkfrequenzen für regionale Anwendungen erteilte Wössner mit für Beobachter der Pressekonferenz ungewöhnlich scharfen Worten eine Absage. „Die Idee hinter den regionalen Frequenzen ist: Lasst uns anders als überall anders auf der Welt doch einen Teil dieses wertvollen Spektrums reservieren für lokale und regionale Anwendungen.“ Wössner hält das für ineffizient. Die Frequenzen würden oftmals nur punktuell genutzt, in anderen Teilen des Landes würden sie brach liegen, weil es keinen Netzbetreiber gibt, das ein Netz betreiben würde. „Wir großen Mobilfunkbetreiber können diese Netze deutlich effizienter auch für lokale Anwendungen betreiben, als ein kleiner Anbieter vor Ort könnte.“ Es sei nicht der richtige Weg, Frequenzen zu reservieren.

„Warum sollte jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Neueinsteiger sein?“

Als weiteres Streitthema sah Wössner das Thema National Roaming an. Diesem hatte die Bundesnetzagentur zwar als verpflichtende Auflage eine Absage erteilt. Sie will aber privatwirtschaftliche Vereinbarungen zwischen den Netzbetreibern und notfalls auch als Streitschlichter einschreiten. Damit will sie unter anderem den Markteintritt eines neuen Netzbetreibers im Rahmen der Frequenzversteigerung ermöglichen.

Wössner dazu wörtlich: „Ich sage Ihnen: Die Bedingungen dafür, dass jemand in diesen Markt neu eintreten kann, würden mit der Fusion von o2 und E-Plus geschaffen. Damals gab es klare Auflagen, einen vierten Netzbetreiber in Deutschland einzuführen. Das ist bis heute nicht geschehen, niemand hat den Spaten in die Hand genommen. Warum soll denn genau jetzt der richtige Moment sein? Und warum soll auf Kosten der anderen Anbieter die hochteure flächendeckende Versorgung sichergestellt werden, indem man ein National Roaming einführt?“

Allerdings spreche man bereits heute mit anderen Netzbetreibern, wenn es um Network-Sharing und die Nutzung gemeinsamer passiver Infrastruktur geht. Das heißt, Antennenmasten oder Glasfaserleitungen würden auf Nachfrage und bei entsprechender Vereinbarung zur Verfügung gestellt.

„Wir brauchen klare Rahmenbedingungen“

Abschließend kritisierte Wössner auch die geplanten Auflagen mit höheren Geschwindigkeiten in der Fläche. Geplant seien von der Bundesnetzagentur bis Ende 2022 ein Versorgungsgrad von 98 Prozent pro Bundesland mit 100 Mbit/s. „Die zur Vergabe stehenden Frequenzen sind dafür gar nicht geeignet“, so Wössner. Das weiß auch die Bundesnetzagentur, die deswegen ausdrücklich auch den Einsatz der vorhandenen Frequenzen fordert und einen neuen Netzbetreiber von dieser Forderung ausnimmt.

„Es geht uns um klare Rahmenbedingungen“, unterstrich Wössner. Zwar ist die Tendenz der Aussagen der Bundesnetzagentur vorgegeben, doch der Deutschland-Chef sieht bei jedem Beschluss die Gefahr einer Ausnahme oder Sonderregelung. „Es gibt zwar kein National Roaming, aber man muss verhandeln. Es gibt zwar keine Diensteanbieterverpflichtung, aber, aber, aber…“, reagierte er sehr emotional auf die Frage eines Journalisten, ob die Telekom nicht eher feiern müsste. Er sieht mehr Unsicherheit als einen rechtssicheren Rahmen. „Die Unsicherheit muss vom Tisch, sie ist Gift für Investitionen.“

Angebot an Mitbewerber: Gemeinsamer FTTH-Ausbau in Berlin 

Auch im Festnetzmarkt nutzte Wössner die IFA-Pressekonferenz mit einer Art Zuckerbrot und Peitsche, um gegen die Konkurrenz zu stänkern. Auf der einen Seite machte Wössner für die Stadt Berlin das Angebot, mit den Wettbewerbern zusammen die Hauptstadt mit FTTH bzw. FTTB zu versorgen. Zwar habe die Telekom derzeit nur einen Marktanteil von 27 Prozent in der 3,5 Millionen-Stadt, doch sei man bereit, 50 Prozent des Investments zu übernehmen. Ralph Dommermuth, der über seine United-Internet-Tochter 1&1 Versatel bereits mit einem dichten Glasfasernetz in Berlin vertreten ist, hatte allerdings 75 Prozent von der Telekom gefordert. „Bei 27 Prozent Marktanteil soll ich 75 Prozent der Kosten für einen gemeinsamen Netzausbau tragen – ich glaube nicht, dass das fair ist“, so Wössner. Wenn die Telekom dennoch 75 Prozent des Investments übernehmen müsste, dann sei das ein Netz, das mehrheitlich der Telekom gehört. „Da ist nach Wünschen aller Wettbewerber wieder Regulierung angesagt – dagegen stemmen wir uns. Wir halten unser Angebot, die Hälfte beizusteuern, für fair.“

Das sind die 5G-Spielregeln für die Netzbetreiber

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