Gamescom 2018: Gaming-Smartphones und die letzte große Nische

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Razer Phone Test
Bildquelle: Razer
Handys zum Zocken sind wieder da. Nach fast 15 Jahren Stillstand traut sich die Smartphone-Branche erneut an Mobiltelefone, die vor allem Gamer ansprechen sollen. Auf der Gamescom 2018 stellten zwei Hersteller neue Geräte vor, weitere Modelle sollen folgen. Wie die letzte große Nische des Marktes erobert wird und warum manche Hersteller nur mit halbem Herz dabei sind, erklärt der folgende Artikel.

Was haben Samsung, Honor, Asus und Razer gemeinsam? Sie waren auf der Gamescom 2018 mit eigenen Gaming-Smartphones vertreten. Wobei das Wort „Gaming-Smartphone“ in Anführungszeichen stehen sollte. Denn nicht jedes Handy, das auf der weltweit größten Spielemesse in Köln vorgestellt wurde, ist per se ein Modell, das sich besonders zum Spielen eignet. Das Galaxy Note 9 zum Beispiel, das Samsung auf der Gamescom zeigte, richtet sich eigentlich an Business-Anwender.

Dennoch versuchen immer mehr Hersteller, auf den Trend der Gaming-Handys aufzuspringen. Knapp 15 Jahre nach dem denkwürdigen Nokia N-Gage scheint der Smartphone-Markt wieder bereit für Modelle, die sich vor allem an Zocker richten. Doch seit Anfang der 2000er hat sich einiges getan: Mobile Games sind dank App Store und Google Play Store eine Normalität auf modernen Mobiltelefonen. Displaygröße, Rechenleistung und Zugänglichkeit: Viele Faktoren, die das Spielen auf damaligen Modellen erschwert haben, sind nun kein Problem mehr. Und dank Free-to-Play ist die Auswahl an Titeln riesig.

Gaming-Handy ist nicht gleich Gaming-Handy

Ist die Rückkehr der Zocker-Smartphones also längst überfällig? Eigentlich nicht, denn Spiele sind nur ein Anwendungsbereich des Universal-Werkzeugs. So sehen das unter anderem auch die Hersteller Nokia und Honor. Während ersterer nicht auf der Gamescom vertreten war, aber dennoch ein Gaming-Handy aus der Mittelklasse vorstellte, präsentierte die Huawei-Tochter direkt ein neues Modell auf der Messe. So wurde das Honor Play in Deutschland angekündigt. Das Handy ist ein typisches Honor und zeigt an nur wenigen Stellen seinen Gaming-Schwerpunkt.

Für Honor ist Gaming ein wichtiger Aspekt wegen seiner jungen Zielgruppe, so der Wortlaut des Unternehmens. Es sei aktuell aber auch ein Industrie-Trend, extra Handys fürs Zocken auf den Markt zu bringen. Deshalb versucht man, die aktuelle Strömung mit eigenen Tugenden auszustatten: So handelt es sich vor allem um ein Preis-Leistungs-Handy, das in der Preiskategorie rund um die 450 Euro zu suchen ist. Absolutes High-End kommt hingegen nicht zum Einsatz. Gaming, so Eberlein, sei nur ein Thema von vielen bei Honor. Dementsprechend wolle man am Grundpfeiler der Marke, einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis, festhalten.

Von der Peripherie in den Handy-Markt

Anders sieht es hingegen bei Firmen wie Razer und Asus aus. Erstere Hersteller, eigentlich bekannt als Hardware-Hersteller für Gaming-Mäuse sowie -Tastaturen, verbaute in seinem Razer Phone dezidierte Zocker-Hardware. So zum Beispiel ein 120-Hertz-Display für eine flüssige Darstellung von Games. Im Test von inside handy konnte das Razer Phone Anfang 2018 mit 4 von 5 Sternen einen Erfolg feiern. Auf der Gamescom 2018 wurde kein neues Handy vorgestellt. Jedoch gibt es Gerüchte, dass ein Razer Phone 2 noch im Herbst das Licht der Öffentlichkeit erblicken könnte.

Asus produziert ebenfalls Gaming-Hardware. Der Hersteller vermarktet unter seinem Gaming-Brand „Republic of Gamer“ (ROG) vor allem Mainboards, Grafikkarten sowie Monitore. Um das erste Zocker-Handy von den normalen Smartphones abzuheben, gab Asus dem Modell den Namen „ROG Phone„. Die Besonderheiten an diesem Smartphone: Neben High-End-Hardware kommt auch viel Spielerei zum Einsatz. So zum Beispiel das beleuchtete Logo oder ansteckbare Erweiterungen wie ein Lüfter oder ein Controller. „Wir haben den Trend erkannt und setzen diesen mit dem Konzept unseres ersten ROG Phones um“, offenbart PR-Managerin Tanja Herkner im Gespräch mit inside handy. Asus möchte von seiner bekannten Marke ROG profitieren und erhofft sich auch bessere Markenbekanntheit für seine „normale“ Zenfone-Reihe. Das ROG Phone wurde auf der Gamescom 2018 offiziell für Deutschland vorgestellt.

„Neue Hardware nutzt auch den Entwicklern“

Für Entwickler und Publisher von Mobile Games bietet der zweite Frühling von Gaming-Handys durchaus einige Möglichkeiten. „Neue Hardware treibt auch immer die Software-Entwicklung voran“, bestätigt Andrew Muesse. Der Produktleiter (Head of Production) beim Publisher Wargaming Mobile glaubt an den Erfolg der Nische: „Es würde mich sehr wundern, wenn Gaming-Smartphones nicht groß werden. Ich bin sehr gespannt, was die Zukunft bringt.“ Man müsse jedoch abwarten, welche Veränderung die neue Hardware mit sich bringt. Denn wenn Modelle für Zocker handfeste Vorteile beim Spielen versprechen, dann wird es für Entwickler und Publisher schwierig, die Balance zu halten.

Könnte es also bald eine Zweiklassen-Gesellschaft bei Mobile Games geben? Muesse zeigt sich unentschlossen: „Ich bin mir nicht sicher, ob man in Zukunft zwischen Smartphone und Gaming-Smartphone unterscheiden wird.“ Aktuell wolle man jedoch Spiele für alle Handys entwickeln – ob nun mit Gaming-Fokus oder nicht. Wer also zocken möchte, braucht dafür nicht unbedingt ein passendes Handy. Jedoch sind Hersteller bestrebt, die letzte große Nische des Smartphone-Marktes ebenfalls mit neuen Modellen zu füllen – ob sie nun aktuell gebraucht werden oder nicht.

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