Fortnite für Android: Epics epische Gotteslästerung

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Fortnite Battle Royal
Bildquelle: Epic Games
Hinter vorgehaltener Hand war es das Mobile-Thema Nummer eins auf der Gamescom 2018: Fortnite-Entwickler Epic versucht den Google Play Store zu umgehen. Einige Insider begrüßen das Aufbegehren des Entwicklers, für andere birgt es Gefahr. Für den inside handy Gaming-Experten David Gillengerten ist es jedoch nichts weniger als eine Revolution in der Mache.

„Konkurrenz gibt Kunden die Möglichkeit, sich zu entscheiden und ermöglicht dem besten Service zu gewinnen.“ Werden diese Worte in die Geschichte eingehen? Als Satz, der den Anfang einer umwälzenden Zeit für mobile Software einläutet? Ich denke schon. Denn sie beschwören alte Geister, die in der postmodernen Smartphone-Welt schon lange Zeit verloren geglaubt wurden.

Doch erst einmal einen Schritt zurück: Worum geht es hier eigentlich? Der oben zitierte Satz stammt aus einer E-Mail von Tim Sweeney, Chef von Epic Games. Dieser Entwickler ist vor allem für drei Sachen bekannt: Erstens, die Unreal Engine, ein Spiele-Engine für alle Art von Games. Zweitens, berühmte Actionspiele wie Unreal oder die Gears-of-War-Serie. Und drittens, für das bis dato wohl beliebteste Videospiel der Geschichte: Fortnite. Mit Letzterem feiert das Entwicklerstudio aktuell so viel Erfolg, dass es in nur einem Monat 300 Millionen US-Dollar einnimmt. Mit „Konkurrenz“ meint Sweeney übrigens sich und niemand geringeren als Google. Gegen das Suchmaschinen-Unternehmen war nämlich seine Entscheidung gerichtet, Fortnite nicht über den Play Store für Android anzubieten.

Epic geht auf Konfrontationskurs – weil sie es können

Dies mag auf den ersten Blick unlogisch wirken: Warum bietet Epic Games ihr Spiel für Googles Betriebssystem nicht über den vorinstallieren App-Marktplatz an? Die kurze Antwort lautet: Weil sie es können. Die lange Antwort würde auf Androids Geschichte als offene Plattform eingehen oder die Abgabe von 30 Prozent der Einnahmen erwähnen. Am Ende zählt jedoch nur ein Argument: Epic kann auf Konfrontationskurs zu Google gehen, weil Fortnite so groß ist.

Deshalb hat sich das Entwicklerstudio dazu entschieden, das Spiel als direkten Download über seine Website anzubieten. In diesem Sinne ist auch das Zitat von Sweeney zu sehen. Er will damit als direkter Konkurrent von Google auftreten. Ein gewagtes Unterfangen, wie mir auch viele Entwickler und Verantwortliche in der Mobile-Games-Branche auf der Gamescom 2018 bestätigten. Sie verfolgen den Kampf der Giganten aus sicherer Entfernung, sind jedoch schon sehr auf den Ausgang gespannt. „Was Epic hier wagt, könnte den kompletten App-Markt verändern“, sagte mir ein Insider. Für ihn ist es der erste Schritt auf dem Weg hin zu einem offeneren Software-Vertrieb auf mobilen Geräten.

Es liegt etwas in der Luft

Im besten Fall sorgt Epics epische Gotteslästerung dafür, dass Google seine eiserne Herrschaft über den Play Store lockert und mehr Zugeständnisse in Form von weniger Abgaben an die Entwickler macht. Im schlechtesten Fall könnte das Unternehmen hinter Android jedoch die Offenheit des Betriebssystems einschränken, wie mich ein weiterer Insider auf der Gamescom warnte: „Um mögliche Nachahmer direkt zu unterbinden.“

Egal, welcher Fall eintrifft: Es liegt Veränderung in der Luft. Seit dem Aufkommen der App-Marktplätze war das alte Prinzip von „Konkurrenz belebt das Geschäft“ beinahe verschwunden. Nun traut sich mit Epic Games erstmalig wieder ein Unternehmen, gegen Googles Monopolstellung zu rebellieren. Bitte nicht falsch verstehen: Die Fortnite-Entwickler wollen keine eigene Plattform starten. Sie wollen sich nur nicht dem Google-Gebot beugen.

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