Android Pie: Die lange Reise der neuen Software

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Sony Xperia L2
Bildquelle: Blasius Kawalkowski / inside-handy.de
2017 überraschte Sony damit, erster Hersteller zu sein, der Smartphones mit der neuen Android-Version "direkt aus der Box" veröffentlichte. Obwohl Sony über die Android-Lieferung eine eigene Benutzeroberfläche legt, zeigte sich der Hersteller somit schnell bei der Anpassung. Für Android 9 Pie will Sony ebenfalls rasch auf der Hut sein – und plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen über den Android-Update-Prozess bei Xperia-Smartphones.

Die wichtigste Nachricht in aller Kürze: Ab November 2018 will Sony erste Android-9-Updates für sein „Premium-Segment“, also die Xperia-XZ-Smartphones verfügbar machen. Namentlich nennt der japanische Hersteller folgende Modelle:

Auch ein mögliches neues Smartphone, das auf der IFA vorgestellt werden könnte, dürfte entweder in dieser Zeit per Update auf den Android-Pie-Stand gebracht werden oder, wie im vergangenen Jahr, direkt mit den neuen Android-Version ab Werk auf den Markt kommen. Für die Mittelklasse lassen sich Sonys Software-Entwickler etwas mehr Zeit. Die Modelle Xperia XA2, XA2 Ultra und XA2 Plus sollen Anfang 2019 ein Update mit Android Pie erhalten. Die Xperia XA1-Serie kommt demnach nicht in den Genuss der neuen Android-Variante.

Von Google auf das Smartphone: Deshalb benötigen Android-Updates oft so lange

Mittels einer Infografik und ausführlicher Erläuterung gibt Sony Einblicke in die eigenen Prozesse: Ein Hersteller wie Sony erhält bereits einige Wochen vor offizieller Verkündung einer neuen Android-Version ein sogenanntes „Platform Development Kit“ (PDK). Mit diesem Grundstock an Daten und Quellcodes können die Entwickler der Firma testen, entwickeln und optimieren.

Wenn Google die Android-Version, 2018 als Android 9 Pie, offiziell von der Leine gelassen hat, beginnt der Wettlauf gegen die Zeit, denn der geneigte Smartphone-Nutzer ist ungeduldig. Viele wollen die neue Android-Version schnellstmöglich auf ihrem eigenen Handy willkommen heißen.
Der erste Schritt dieser Entwicklung betrifft die Abstimmung der neuen Software mit den verbauten Hardware-Komponenten. Obwohl Sony vorwiegend auf Qualcomm-Chips setzt, nimmt man diesen Schritt selbst in die Hand, auch, weil Sony neben den Qualcomm-Prozessoren zudem eigene Bauteile und Komponenten von Dritten für Android Pie fit machen will. Dieser Schritt wird HAL (Hardware Abstraction Layer) genannt.

Sind die Hardware-Schnittstellen versorgt, geht es an die Software. Zunächst müssen die Grundfunktionen gewährleistet werden. Insbesondere Telefon-, Nachrichten- (SMS) und Internet-Anwendungen müssen kompatibel gemacht werden. Danach werden die „unwichtigeren“ Software-Funktionen abgestimmt, Sony nennt diese Phase „Sony-fication“. Hier werden die Sony-Apps und –Funktionen auf die neue Firmware eingestellt, darunter der Sperrbildschirm, die Kontakte-App, das Foto-Album, der Musik-Player, die Energiesparmodi „Stamina“ und der „Xperia Assist“.

Danach geht die Software in die Testphase. Erst intern und dann auch offen beziehungsweise in einer Community. Zwangsläufig wird sich daraus einiges an Fehlerbehebungs-Aufwand ergeben. Nun ist die Firmware – bestehend aus Android 9 Pie und der Sony-Benutzeroberfläche – fast fertig. Jetzt beginnen die „Behördengänge“. Unter der neuen Software-Herrschaft müssen Technologie-Standards neu geprüft werden. Das gilt zum Beispiel für geräteübergreifende Standards wie WLAN oder Bluetooth.

Die Android-Update-Reise bei Sony

Ist die Firmware lieferfertig, kann noch auf Einzelschicksale Rücksicht genommen werden. So haben einzelne Netzbetreiber und Mobilfunkanbieter eigene Vorlieben an das Betriebssystem, auf die Sony bis zu einem gewissen Grad eingehen kann. Die servierfertige Software kann dann an Endkunden ausgeliefert werden. Die Server laufen auf Hochtouren und der meist in Wellen ausgetragene Rollout beginnt. Für die Entwickler der Firmware ist allerdings noch kein „Beine hochlegen“ angesagt. Gerade in der ersten Zeit nach einem Update läuft sehr viel Feedback zusammen. Dieses kann für kurzfristige Bugfix-Updates genutzt werden, aber auch in künftige Prozesse und kommende Updates einfließen.

Die Entwicklungszeit ist keine allgemeingültige Update-Ausrede

Vom Google bis auf das Hersteller-Handy – zum Beispiel ein Sony-Xperia-Smartphone – benötigt eine neue Android-Version also einiges an Zeit. Der beschriebene Entwicklungsprozess, den Sony dokumentiert, erklärt diese Zeit ein Stück weit. Berücksichtigt werden muss auch, dass andere Hersteller – Huawei und Samsung sind hier zu nennen – möglicherweise noch ein wenig länger an ihrer Oberfläche feilen müssen, da weitreichendere Änderungen notwendig sind.

Dennoch kann die Entwicklungszeit nicht immer für Update-Verzögerungen von bis zu einem Jahr für 800 Euro teure und noch teurere Geräte hinhalten. In der jüngeren Vergangenheit wurden die von Google vorgegebenen Update-Ziele nie erfüllt. Android Oreo, das ein Jahr nach erster Veröffentlichung nur auf 12 Prozent der Android-Smartphones läuft ist nur das aktuellste Beispiel.

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