5G: Rückschlag für United Internet - Bundesnetzagentur erteilt National Roaming Absage

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Mobilfunk
Bildquelle: Hayo Lücke / inside-handy.de
United Internet kämpft für ein viertes deutsches Mobilfunknetz. Neu ist diese Information nicht, denn schon seit Wochen meldet sich der Chef der 1&1-Muttergesellschaft, Ralph Dommermuth, in unterschiedlichen Medien immer wieder zu Wort, um diese Forderung nachhaltig zu unterstreichen. Einen kräftigen Dämpfer muss er nun allerdings einstecken. Die deutschen Mobilfunk-Netzbetreiber sollen nicht zu National Roaming verpflichtet werden.

Rückblick: Schon seit mehreren Wochen denkt United Internet öffentlich darüber nach, sich an der nahenden 5G-Frequenzauktion zu beteiligen. Die Idee: United Internet wird sich um eine Zulassung zu der Auktion bemühen und im besten anzunehmenden Fall mit eigenen Frequenzen ein eigenes 5G-Netz in Deutschland aufbauen. Doch eines der größten Probleme wäre damit noch nicht beseitigt: die fehlende Netzabdeckung. Anders als Vodafone, Telekom und O2 besitzt United Internet schließlich kein eigenes Mobilfunknetz. Das wäre aber notwendig, um in der Fläche die eigenen Kunden mit Sprach- und Daten-Diensten zu versorgen.

United Internet fordert National Roaming – Telekom, Vodafone und O2 lehnen ab

Dommermuth ist deswegen der Ansicht, dass sein Unternehmen für eine noch zu definierende Übergangszeit Zugriff auf die bestehenden Mobilfunknetze bekommen müsse, um in der Fläche Mobilfunk-Dienstleistungen anbieten zu können. Über das so genannte National Roaming würden 1&1-Kunden dann in jenen Regionen Deutschlands, in denen 1&1 kein eigenes Netz betreibt, über die Netze von Vodafone, Telekom oder O2 telefonieren und im Internet surfen.

Sicherlich eine gute Idee, allerdings auch eine, die bei den Wettbewerbern alles andere als gut ankommt. Reichweitenwirksam haben sich auch die Bosse von Telekom, Vodafone und O2 zuletzt in großen deutschen Zeitungen zu Wort gemeldet, um Dommermuth zu verdeutlichen, dass für sie ein vierter Mobilfunker keine Option ist – schon gar nicht unter Nutzung ihrer teuer aufgebauten Netz-Infrastruktur. Fast schon verständlich, würde eine Marke wie 1&1 den Preis-Wettbewerb auf dem deutschen Mobilfunk-Markt wohl eher nochmals verschärfen und das kann nicht im Interesse der großen Netzbetreiber sein.

Dommermuth trommelt also für mehr Wettbewerb während seine Konkurrenten darauf pochen, dass ihre Investitionen in Deutschland von der Politik anerkannt und geschützt werden. Wer am Ende am längeren Hebel sitzt ist noch unklar, denn voraussichtlich erst Ende September wird final geklärt sein, unter welchen Spielregeln die 5G-Frequenzauktion im Jahr 2019 stattfinden wird. Vertraut man neuen Informationen des „Handelsblatt“ sieht es um ein viertes deutsches Mobilfunknetz von 1&1 allerdings eher düster aus.

Netzagentur sieht keinen Grund, Mobilfunker zu National Roaming zu verpflichten

Unter Berufung auf ein vertrauliches Papier der Bundesnetzagentur, berichtet die Wirtschaftszeitung, dass es mit Blick auf 5G-Netze offenbar keine Verpflichtung geben soll, dass bestehende Netze wie einst bei Viag Interkom (heute O2) für das National-Roaming-Verfahren geöffnet werden. Die Behörde sei zwar bereit, hohe Auflagen zu machen, solange sie wirtschaftlich zu vertreten seien, nicht aber darüber hinaus. Ein Verpflichtung zum National Roaming sei nur möglich, „wenn beträchtliche Marktmacht“ vorliege. Die sei aber weder von der Netzagentur noch vom Bundeskartellamt festgestellt worden. 

United-Internet-Chef Dommermuth hatte immer wieder klargestellt, dass es ein viertes deutsches Mobilfunknetz nur mit einer National-Roaming-Verpflichtung geben werde. Unterstützung hatte er dabei vom Präsidenten des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, erhalten, der eine vierte Kraft am deutschen Mobilfunkmarkt für wünschenswert erachtet. Da der Netzaufbau sehr teuer sei hatte er „ein zeitlich befristetes National Roaming“ vorgeschlagen. Doch daraus scheint nach den jüngsten Entwicklungen nichts zu werden.

Angesprochen auf die neuesten Entwicklungen im Poker um ein weiteres 5G-Netz in Deutschland war United Internet am Freitag zu keiner Stellungnahme bereit. Die Argumentationen würden derzeit geprüft. Durchaus denkbar, dass eine juristische Prüfung folgen wird, sollte United Internet mit den Ausführungen der Bundesnetzagentur nicht einverstanden sein.

Losgelöst davon könnte United Internet aber auch ohne eigene 5G-Frequenzen eigene 5G-Tarife anbieten. Denn der Konzern hat wegen einer Auflage im Zuge die Fusion von E-Plus und O2 und durch die Übernahme von Drillisch Zugriff auf immerhin 30 Prozent der Netzkapazitäten von Telefónica Deutschland und darf nach eigenen Angaben in Zukunft auch die 5G-Infrastruktur von Telefónica nutzen.

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