Dommermuth reagiert prompt auf Angebot zum Glasfaser-Ausbau von Telekom-Chef Höttges

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Ralph Dommermuth
Bildquelle: United Internet
Auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt ist ein handfester Streit ausgebrochen. Nach der öffentlicher Forderung von Ralph Dommermuth, Chef der 1&1-Muttergesellschaft United Internet, für die 5G-Frequenzversteigerung zugelassen zu werden, melden sich nun nach und nach die Chefs der großen Mobilfunk- und Festnetzbetreiber zu Wort. Telekom-Chef Tim Höttges macht dabei ein klares Angebot, auf das nun Dommermuth reagierte.

Schon am Wochenende wurde deutlich, dass United-Internet-Chef Dommermuth aktuell in den hohen Managementetagen der deutschen Mobilfunkbranche eher als Enfant terrible gesehen wird. Der Chef von Telefónica Deutschland (O2), Markus Haas, gab im „Handelsblatt“ zu protokoll, die Qualität der deutschen Mobilfunknetze sei unter anderem deswegen im europaweiten Vergleich zu schlecht, weil es zu viele virtuelle Netzbetreiber wie 1&1 gäbe, die keinen Cent in den Netzausbau in Deutschland investierten.

Deutsche Mobilfunker gegen Dommermuth

Vodafone-Chef Hannes Ametsreiter kritisierte schon vor einigen Wochen die Forderung Dommermuths, United Internet müsse im Falle des Kaufs von 5G-Frequenzen im National-Roaming-Verfahren einen Zugang zu den Netzen der Konkurrenz gewährt werden. „Dann wird man vier schlechte Netze haben“, so Ametsreiter gegenüber der „Welt“. Es würden Anreize für Investitionen fehlen, so der Vodafone-Manager. Auf die Seite von Dommermuth hat sich hingegen der Präsident des Bundeskartellamts geschlagen: Andreas Mundt ist überzeugt, dass eine vierte Kraft auf dem Mobilfunkmarkt durchaus wünschenswert wäre, um den Wettbewerb zu intensivieren.

Dabei wurde aber nicht die Rechnung mit dem Chef der Deutschen Telekom, Tim Höttges, gemacht, der sich nun ebenfalls zu Wort gemeldet hat. Gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe sagte Höttges am Dienstag: „Ich biete 1&1 verbindlich an, dass wir ab sofort gemeinsam Glasfaserkabel verlegen und bundesweit mehr als fünf Millionen Haushalte an das schnelle Breitbandnetz anschließen.“ Bei 1&1 solle man erst einmal beweisen, dass man bereit sei, in Infrastruktur zu investieren. Höttges wirft 1&1 und damit auch Dommermuth vor, „bislang kein einziges Kabel selbst verlegt und keinen einzigen Funkmast aufgestellt“ zu haben.

Dommermuth reagiert und gibt sich Gesprächsbereit

Auf das Angebot der Deutschen Telekom reagierte Dommermuth postwendend. Der Chef der United Internet AG begrüße den Vorschlag des CEO der Deutschen Telekom zum gemeinsamen Ausbau des Glasfasernetzes in verschiedenen Regionen Deutschlands. Dommermuth im Detail: „Im Interesse unserer Unternehmen, vor allem aber auch im Interesse der Menschen in Deutschland, ist es richtig, die Kräfte der beiden größten deutschen Anbieter zu bündeln und diese wichtige Zukunftstechnologie gemeinsam zu stemmen.“ Doch ganz zufrieden ist man noch nicht mit dem Vorschlag der Telekom. „Das von Herrn Höttges vorgeschlagene 50:50 Beteiligungsverhältnis möchte ich allerdings relativieren: Unser DSL-Kundenbestand ist nur ein Drittel so groß wie der der Deutschen Telekom und daher werden wir die neuen Netze nicht in gleichem Maße auslasten können. Aber wir beteiligen uns gern im fairen Verhältnis unseres Marktanteils – das führt zu einem 75:25 Joint Venture“, so Dommermuth weiter.

Telekom-Chef fordert fairen Wettbewerb – Dommermuth hat nichts dagegen

Mit Blick auf die bevorstehende 5G-Frequenzauktion, die im Jahr 2019 starten soll, sagte Höttges: „Jeder, der an der Auktion teilnimmt, muss sein eigenes Netz aufbauen.“ Sich zu niedrigen Preisen in das Netz einmieten zu wollen, erteilte Höttges eine klare Absage. 1&1 verfolge in den Augen des Telekom-Chefs den Ansatz, dass Telekom, Vodafone und Telefónica die Antennen aufstellen und Milliarden von Euro in die Infrastruktur investieren, um sich anschließend in die Netze einmieten zu können. „Das ist unfairer Wettbewerb“, ist Höttges überzeugt. „Das ist so, als ob Sie ein Haus bauen, eine Etage an einen Konkurrenten vermieten müssen und das zu einem Preis, der Ihre Kosten nicht deckt.“

Dem widerspricht der United-Internet-Chef vehement: „Konkret können wir die von Herrn Höttges geäußerte Sorge nehmen, dass wir per National Roaming auf das neue 5G-Netz der Telekom zugreifen wollen. Vielmehr können wir auf ein verpflichtendes National Roaming bei künftigen 5G-Netzen verzichten, denn über diese neuen Netze sollen sich ja ab 2020 die Mobilfunknetzbetreiber im Wettbewerb differenzieren.“ Bei den bisherigen Netzen sei es jedoch unabdingbar für jeden Neueinsteiger, die vorhandene 2G/3G/4G-Infrastrukturen nutzen zu können.

Auch die Sorge, dass sich 1&1 billig in das Netz der Deutschen Telekom einmieten könnte, will Dommermuth nicht gelten lassen und bittet seinerseits um Verständnis, „dass die Preisforderungen der Telekom zu hoch sein könnten und uns daran hindern könnten, marktfähige Kundenangebote zu machen.“

Streitpunkt Regulierung

Höttges stellte auserdem klar, dass die Regulierung des Telekommunikationsmarktes, aus der 1&1 überhaupt erst ein Geschäft entwickeln könne, nicht mehr zum heutigen Geschäft passe. „Es sollte mehr und nicht weniger Anreize geben, fächendeckend in den Ausbau von Mobilfunk und Glafaserkabeln zu investieren.“

Bei der Regulierung der Netze von außen, sprich des Gesetzgebers, sind sich Dommermuth und Höttges noch weitgehend einig. Beide wollen ein stark reguliertes Netz verhindern. Doch wärend Höttges Dommermuth vorwirft erst durch die Regulierung ein Geschäft aufziehen zu können, entgegnet der United-Internet-Chef, dass man beim National Roaming auf faire, kommerzielle Vereinbarungen setze und nicht auf regulierte Preise. Damit einhergehend fordert Dommermuth einen Schiedsrichter für Streitfälle zu installieren und wird auch direkt konkret: „Dazu schlage ich Herrn Höttges erneut die Bundesnetzagentur vor – sie hat die größte Kompetenz.“ Eine solche Regelung sei auch in anderen Ländern üblich und wäre genauso auch im Koalitionsvertrag der Bundesregierung für den Glasfaserausbau vorgesehen. Diese Regel müsste dafür auch für 5G gelten. Dann wäre man sich, so betont Dommermuth, mit der Telekom einig. Alles hinge also nur noch von fünf Worten ab: „Im Streitfall entscheidet die Bundesnetzagentur“.

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