Falscher Weg O2-Chef Haas keift gegen deutsche Mobilfunk-Regulierung

vom 13.08.2018, 07:05
Markus Haas neuer Chef von Telefónica Deutschland
Bildquelle: Telefónica Deutschland

Telefónica-Chef Markus Haas greift in einem Interview mit dem "Handelsblatt" die deutsche Politik in Bezug auf die aktuelle Regulierung auf dem hiesigen Mobilfunkmarkt stark an. Vor allem mit Blick auf den kommenden Mobilfunkstandard 5G mahnt der Manager zu mehr Weitsicht und fordert einen Verzicht auf abermaliges National Roaming. Damit wäre der Markteintritt eines möglichen vierten 5G-Netzbetreibers so gut wie ausgeschlossen.

Aus Sicht von Haas ist es unverständlich, dass es auf dem deutschen Mobilfunkmarkt überhaupt noch zu Regulierungen unter der Aufsicht der Bundesnetzagentur kommt. Denn es gäbe in Deutschland mit Telefónica, Vodafone und Deutscher Telekom zwar drei große Spieler, aber keine marktbeherrschenden Unternehmen. "In keinem anderen großen Land in Europa werden wie in Deutschland nichtmarktbeherrschende Unternehmen gezwungen, ihr Netz zu regulierten Konditionen bereitzustellen. Das gibt es weder in Spanien, noch in Italien oder England."

Haas gibt Politik die Schuld für schlechte Netze in Deutschland

Haas sieht in der Mobilfunk-Regulierung zudem einen direkten Zusammenhang mit der aktuellen Situation in Bezug auf die Netzqualitäten in Deutschland. "Die deutsche Telekommunikationsinfrastruktur ist unterinvestiert. Wir haben in Europa mit die schwächsten Netze", poltert Haas und ergänzt mit Blick auf einen möglichen vierten 5G-Netzbetreiber á la United Internet: "Mit Blick darauf, dass Deutschland eine so schlechte Infrastruktur hat, muss sich die Bundesnetzagentur fragen, ob sie die Spielregeln nachträglich weiter verschärfen und die Netzbetreiber noch mehr schwächen will."

Für den O2-Chef steht mit Blick auf die kommende 5G-Infrastruktur und die bevorstehende 5G-Frequenzauktion in Deutschland fest: "Wir brauchen akzeptable Zahlungsbedingungen, keine Dienstanbieterverpflichtung oder National Roaming und keine regionalen Frequenzen." Nur dann sei man bei Telefónica bereit, noch mehr und schnell in die Fläche zu investieren. In den letzten zwölf Jahren habe allein Telefónica 30 Milliarden Euro in Deutschland ausgegeben.

Haas' klare Botschaft in Richtung Politik, Bundesnetzagentur und teure Frequenzvergangen: "Der bisherige Weg in Deutschland war falsch." Denn in den vergangenen 20 Jahren seien 60 Milliarden Euro nur für Frequenzen ausgegeben worden. Geld, das sofort habe überwiesen werden müssen. "Wir hätten damit Deutschland überall Glasfaser verlegen können, aber wir können den Euro nur einmal ausgeben. In Spanien sind die Frequenzen nicht teuer vergeben worden. Spanien hat heute das beste Glasfasernetz Europas."

Kein klares Dementi in Bezug auf möglichen O2-Verkauf in Deutschland

In Bezug auf einen möglichen Verkauf von O2 in Deutschland sagte Haas: "Das ist eine Frage für den Mehrheitsaktionär." Vom Telefónica Chairman José Maria Álvarez-Pallette López sei aber bereits vor einigen Wochen ein Verkauf von der deutschen Mobilfunk-Tochter dementiert worden. "Die Bereitschaft, hier in Deutschland einen digitalen Champion zu bauen, ist aus meiner Sicht ungebrochen." Ein klares Dementi liest sich anders.



Quelle: Handelsblatt | Bildquelle kleines Bild: inside-handy.de | Autor: Hayo Lücke
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Themen dieser News: Telefonica O2, Mobilfunk-News, Unternehmen und Märkte

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