Neue Quartalszahlen Deutsche Telekom: LKW-Mautsystem Toll Collect und schwacher Dollar verhageln die Bilanz

vom 09.08.2018, 09:02
Zentrale der Deutschen Telekom
Bildquelle: Deutsche Telekom

Mehr Mobilfunk, Breitband- und TV-Nutzer: Die Deutsche Telekom wächst in fast allen Bereichen. So sieht es auf den ersten Blick aus, wirft man einen Blick auf die neuen Quartalszahlen. Bei genauerem Hinsehen wird aber deutlich: Überraschend musste der Konzern einen Rückgang im deutschen Mobilfunk-Vertragskunden-Segment vermelden. Auch der Umsatz, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) und der Gewinn gingen teils kräftig zurück.

Das Wachstum bei der Deutschen Telekom kennt doch noch Grenzen. Wie dem am Donnerstag in Bonn vorgelegten Geschäftsbericht zu entnehmen ist, legte die Zahl der Mobilfunkkunden in Deutschland zwar um 293.000 auf 43,02 Millionen zu, doch ausgerechnet im so wichtigen Vertragskundengeschäft reduzierte sich der Kundenbestand um 137.000 auf 24,97 Millionen. Im Wesentlichen sei das auf saisonale Geschäftsschwankungen bei einem der Service-Provider (Wiederverkäufer) zurückzuführen, teilte die Telekom mit. Im Prepaid-Segment verbesserte sich die Telekom im zweiten Quartal um 430.000 auf 18,06 Millionen aktive SIM-Karten.

Telekom MagentaEins immer mehr nachgefragt

Durchaus hervorzuheben ist: 45 Prozent der Mobilfunk-Vertragskunden nutzen nach Angaben der Telekom inzwischen ein Bündelprodukt aus dem Tarifportfolio von MagentaEins. Vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei 38 Prozent. Insgesamt nutzten zuletzt 3,9 Millionen Telekom-Kunden einen MagentaEins-Vertrag. Binnen eines Jahres konnte die Telekom die Kundenzahl in diesem Teilbereich um rund eine halbe Millionen Kunden steigern. Allein im ersten Halbjahr des laufenden Jahres war ein Wachstum um 265.000 Kunden zu verzeichnen.

Im Festnetzgeschäft musste die Telekom im abgeschlossenen Geschäftsquartal einen Verlust von weiteren 160.000 klassischen Festnetzkunden verkraften. Der Gesamtkundenbestand in diesem Segment reduzierte sich entsprechend auf 18,99 Millionen, weil immer mehr Menschen nur noch mit dem Handy oder über einen VoIP-Anschluss telefonieren. Von den verbliebenen knapp 19 Millionen Festnetz-Anschlüssen sind inzwischen 13,63 Millionen IP-basiert, werden also über das Internet realisiert - 786.000 mehr als noch Ende März. Die Zahl der in Eigenregie betriebenen Breitband-Anschlüsse verbesserte sich um 80.000 auf 13,44 Millionen, ein Entertain-TV-Produkt nutzen inzwischen 3,24 Millionen Kunden und damit 47.000 mehr als Ende des ersten Quartals.

Magenta Zuhause Hybrid: Rund 400.000 Mal geschaltet

Die Zahl der von Telekom-Wettbewerbern gemieteten Teilnehmeranschlussleitungen (TAL) ging erwartungsgemäß ein weiteres Mal zurück - um 4,4 Prozent beziehungsweise 259.000 Leitungen auf nunmehr 5,59 Millionen. Über eine bei der Telekom angemietete TAL ist es Wettbewerbern möglich, einen eigenen Festnetz- und Internetanschluss über das Netz der Deutschen Telekom zu vermarkten. Im Breitband-Wholesale-Geschäft verbesserte sich die Kundenzahl um 4,7 Prozent auf 6,28 Millionen. Magenta Zuhause Hybrid, ein Produkt, das Festnetz- und Mobilfunk-Technologie bündelt, nutzen inzwischen 408.000 Kunden - vorwiegend im ländlichen Raum.

Als Turm in der Brandung hat sich ein weiteres Mal T-Mobile USA bewiesen. Die amerikanische Mobilfunk-Tochter konnte das zweite Quartal erneut mit einem Kundenwachstum abschließen. Zwischen April und Juni wuchs der Kundenbestand um 1,58 Millionen auf 75,62 Millionen an. Die Zahl der in Eigenregie betreuten Vertragskunden verbesserte sich um rund eine Millionen auf 40,08 Mllionen, bei den eigenen Prepaid-Kunden verbesserte sich der Bestand hingegen überschaubar um 91.000 auf 20,97 Millionen.

Im restlichen Europa-Geschäft, das unter anderem die Landesgesellschaften in Griechenland, Österreich und Polen beinhaltet, konnte die Telekom im zweiten Quartal 632.000 neue Mobilfunkkunden gewinnen und den Gesamtkundenbestand in diesem Segment auf 49,89 Millionen verbessern. Die Zahl der Vertragskunden steigerte sich um 336.000 auf 26,02 Millionen. Ein kleines Wachstum von 5.000 Anschlüssen gab es auch im Festnetzgeschäft; auf nunmehr insgesamt 8,41 Millionen Anschlüsse. Ebenso wurde ein Plus bei den Breitband-Anschlüssen (+73.000 auf 5,67 Millionen) und bei den TV-Kunden (+22.000 auf 4,29 Millionen) verzeichnet.

Telekom-Gewinn bricht ein: LKW-Mautsystem Toll Collect die Ursache

Und finanziell? Insgesamt ging der Umsatz bei der Telekom im zweiten Quartal konzernweit um 2,8 Prozent auf 18,37 Milliarden Euro zurück. Hauptsächlich lag das am schwächeren Kurs des US-Dollar, der das Ergebnis des US-Geschäfts deutlich minderte. Das EBITDA verringerte sich in diesem Zusammenhang um 7,2 Prozent auf 5,56 Milliarden Euro. Der Konzerngewinn brach sogar um mehr als 43 Prozent auf 495 Millionen Euro ein. Hauptgrund für dieses Minus sind die bilanziellen Folgen des Vergleichs im Schiedsverfahren rund um den LKW-Mautbetreiber Toll Collect. Um einen Rechtsstreit mit dem Bund über den Betrieb des Mautsystems beizulegen, zahlt die Telekom satte 560 Millionen Euro an den Staat. In Deutschland reduzierte sich der Umsatz um 0,9 Prozent auf 5,32 Milliarden Euro, das EBITDA fiel im Jahresvergleich um 2 Prozent schlechter aus und betrug 1,94 Milliarden Euro.

Telekom-Finanzvorstand Thomas Dannenfeldt sagte am Donnerstag in Bonn: "Wir bleiben auf Kurs. Die Trends in Deutschland und in den USA stimmen. In den europäischen Landesgesellschaften haben wir es geschafft, wieder nachhaltig zu wachsen."



Quelle: Deutsche Telekom | Bildquelle kleines Bild: Deutsche Telekom | Autor: Hayo Lücke
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