GPS-Alternative Galileo ist bereit

3 Minuten
Smartphones sind auch moderne Navigationsgeräte.
Bildquelle: inside-handy.de / Blasius Kawalkowski
Galileo ist das erste, unter ziviler Kontrolle stehende, weltweite Satellitennavigations- und Ortungssystem. Nach dem erfolgreichen Aussetzten vier weiterer Satelliten ist die GPS-Alternative komplett. Damit ist es nun die weltweite Navigation möglich - ohne den Einsatz der Konkurrenzsysteme wie GPS oder Glonass.

Die vier Satelliten wurden an Bord einer Ariane-5-Rakete vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou (Französisch-Guyana) in die Umlaufbahn transportiert. Mit „Tara“, „Samuel“, „Anna“ und „Ellen“, die jeweils wie ihre Vorgänger rund 715 Kilogramm schwer sind, sind nun 26 Galilei-Satelliten im Orbit. „Alle Satelliten umkreisen in einer Höhe von 23.222 Kilometern die Erde. Die Konstellation ist damit nahezu vollständig und kann jetzt eine fast globale Abdeckung mit Galileo-Signalen gewährleisten“, berichtet René Kleeßen, Galileo-Programm-Manager im Raumfahrtmanagement des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bonn. Besonders Nutzer eines Outdoor-Handys, die auf eine genaue Navigigation angewiesen sind, dürften sich über die nun globale Galileo-Abdeckung freuen.

Die ersten Dienste von Galileo standen ab 2016 Such- und Rettungsdiensten unverschlüsselt zur Verfügung, der verschlüsselte Dienst PRS (Public Regulated Service) wurde dabei ausschließlich für hoheitliche Nutzer wie Polizei, Feuerwehr oder Katastrophenschutz konzipiert. Mit der Komplettierung von Galilleo können die offenen Dienste von jedem genutzt werden, der über ein Smartphone oder Navigationsgerät der neusten Generation verfügt. 95 Prozent aller heute vertriebenen Chip-Sets können die Galileo-Signale verarbeiten. Mit den vier neuen Satelliten können Nutzer fortan ausschließlich mit Galileo-Signalen global navigieren. Bislang war das nur in Kombination mit den militärisch kontrollierten Navigationsdiensten GPS (USA), Glonass (Russland) oder Beidou (China) möglich. Das EU-Programm sorgt damit für eine größerere Unabhängigkeit zu den Systemen anderer Staaten, die hauptsächlich für das Militär entwickelt wurden.

Deutschland mit 20 Prozent beteiligt 

Das Galileo-Kontrollzentrum befindet sich im bayrischen Oberpfaffenhofen. Das DLR kontrolliert von dort die komplette Satellitenflotte des Galileo-Programms. „Wir sind sehr stolz, dass die Europäische Kommission und die GSA (Global Navigation Satellite Systems Agency) uns in Europas größtem Raumfahrtprogramm eine Schlüsselrolle anvertraut hat“, betont Simon Plum, Leiter des Galileo-Kontrollzentrums. Auch bei dem Bau der bislang 26 Satelliten hat Deutschland einen wesentlichen Anteil. So hat das deutsche Raumfahrtunternehmen OHB 22 Exemplare gebaut, die ersten vier Galileo-Satelliten stammen vom französischen Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus. DLR-Galileo-Manager René Kleeßen: „Galileo ist ein EU-Programm, es gibt also – anders als bei der ESA – keinen sogenannten geo-return, also keinen garantierten finanziellen Rückfluss entsprechend der jeweiligen nationalen Beteiligung, und auch keine transparente Aufschlüsselung nach Länderanteilen. Das ist eine Frage des EU-Wettbewerbsrechts. Deutschland ist aber mit etwa 20 Prozent an der EU-Finanzierung beteiligt, und schätzungsweise fließen etwa 20 Prozent auch für Entwicklung und Bau des Satellitensegments von Galileo nach Deutschland zurück.“

Deine Technik. Deine Meinung.

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein

VERWANDTE ARTIKEL