Schnelleres Internet im Nahbereich 528 Orte bekommen 100-MBit/s: Das steckt dahinter

vom 13.07.2018, 15:13
Breitband-Ausbau in Deutschland
Bildquelle: Deutsche Telekom

Die Telekom hat bekanntgegeben, dass sie ab sofort 260.000 Haushalten in 528 Orten VDSL mit Bandbreiten von bis zu 100 MBit/s im Downstream anbietet. Mehr noch: Bis Ende 2020 sollen insgesamt 7.070 sogenannte Nahbereiche folgen. Doch wie geht das und was ist der Hintergrund dieser Ausbaumeldung?

Um den sogenannten Nahbereich gab es jahrelangen erbitterten Streit zwischen der Telekom und ihren Wettbewerbern. Denn die Telekom wollte exklusiv von der Bundesnetzagentur das Recht bekommen, den Nahbereich der mehr als 7.900 Vermittlungsstellen in Deutschland mit VDSL Vectoring auszubauen. Vectoring war bis zur Genehmigung in diesem - vereinfach ausgedrückt - grob 550 Meter großen Radius im die Vermittlungsstellen nicht erlaubt. Dafür durfte aber "normales" VDSL mit 50 MBit/s eingesetzt werden. Das haben sowohl die Telekom als auch die Wettbewerber oftmals getan.

Das Problem bei VDSL Vectoring: Der Ausbau kann technisch nur noch durch einen Anbieter erfolgen, die anderen müssen ihre VDSL-Technik wieder abbauen. Dadurch, dass die Telekom den Ausbau exklusiv durchführen wollte, befürchteten die Wettbewerber eine Re-Monopolisierung. Die Telekom hielt dem entgegen, dass sie ihren Wettbewerbern natürlich Vorleistungen anbiete, um eigene Tarife und Anschlüsse auf dem Netz der Telekom zu schalten.

Insgesamt ging es bei dem Streit um die Nahbereiche um etwa 6 Millionen Haushalte. Den Großteil der Vermittlungsstellen und deren Nahbereiche darf die Telekom nun ausbauen. 7.600 Nahbereiche werde die Telekom bis Ende 2020 versorgen, die ersten 528 Nahbereiche in kleineren Orten, die zumeist nur eine Vermittlungsstelle haben, wurden nun realisiert. Das ist für diese Orte insofern bemerkenswert als dass mit einem 550-Meter-Radius rund um die Vermittlungsstellen oftmals schon der komplette Ortskern abgedeckt wird. Technisch handelt es sich übrigens nicht um einen 550-Meter-Radius, sondern um eine maximale Kabellänge von 550 Metern zwischen Kabelverzweiger und Betriebsstelle.

Diese Orte wurden jetzt erschlossen

"Der Ausbau der Nahbereiche ist ein zentraler Baustein in unserer Breitbandstrategie. Die großen Städte werden in weiteren Schritten folgen", sagt Walter Goldenits. "Als einziger Netzbetreiber bauen wir deutschlandweit schnelles Internet für unsere Kunden." Im Laufe des Jahres wird die Telekom dann auch die Super-Vectoring Technik in den Nahbereichen einführen. Damit werden Geschwindigkeiten von bis zu 250 MBit/s möglich sein.

Das passiert beim Nahbereichsausbau

Damit die Telekom die Nahbereiche erweitern und mit VDSL Vectoring ausbauen kann, ist es nicht nur erforderlich, dass die Wettbewerber ihre VDSL-Technik abgebaut und ihren Kunden die Anschlüsse gekündigt oder auf die Telekom umgeschaltet haben. Die Telekom muss auch ihre eigenen Bestandskunden migriert haben. Denn sie bietet VDSL Vectoring nur an, wenn der Kunde einen IP-Anschluss nutzt. Wenn also noch VDSL-Kunden mit einem echten analogen oder ISDN-Anschluss aktiv sind, schaltet sie nicht um. Weiterhin müssen die Kabelverzweiger im Nahbereich mit Glasfaserleitungen erschlossen werden und Multifunktionsgehäuse mit aktiver Technik (Multi-Service Access Nodes, Murz MSAN) aufgebaut werden. Das war bislang nicht notwendig, da im Nahbereich keine aktive Technik in den Kabelverzweigern zum Einsatz kam. Anschließend müssen alle Kunden auf die neue technische Plattform umgestellt werden.

Rund 7.600 Nahbereiche wird die Telekom insgesamt ausbauen, dabei knapp 6.000 Kilometer Glasfaser verlegen und mehr als 30.000 neue MSAN verbauen. Rund sechs Millionen Haushalte werden von dem Ausbau profitieren, sagt die Telekom. In 396 weiteren Ortsnetzen beziehungsweise Nahbereichen bauen regionale Anbieter aus. Sie hatten eine entsprechende Verpflichtung abgegeben und bereits vor dem Streit entsprechend viel in den jeweiligen Ortsnetzen ausgebaut.  In diesen Regionen muss unter Umständen die Telekom ihren Kunden den Anschluss kündigen

Infografik: So funktioniert der Nahbereichsausbau
Bildquelle: Telekom

Wo die Deutsche Telekom ihr Netz erweitert, fasst die Redaktion von inside handy regelmäßig in einem eigenen Telekom-Netzausbau-Artikel zusammen, der stets erweitert wird.



Bildquelle kleines Bild: Deutsche Telekom | Autor: Thorsten Neuhetzki
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Themen dieser News: DSL und Breitband, Telekom, Unternehmen und Märkte

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