Telekom-Deutschland-Chef Wössner "Lasst uns beim Breitband-Ausbau nicht ganz so dogmatisch sein"

vom 14.06.2018, 16:17
Breitband-Ausbau in Deutschland
Bildquelle: Deutsche Telekom

Die Deutsche Telekom steht immer wieder in der Kritik, wenn es um ihren VDSL-Ausbau geht: Sie solle mehr in Glasfasernetze investieren. Jetzt fordert Telekom-Deutschland-Chef Dirk Wössner, man müsse etwas weniger dogmatisch denken – sowohl bei den Ausbau-Methoden als auch bei der Überbrückung der letzten Meile.

Auf der Kabel- und Breitbandmesse Anga Com in Köln stand mit DOCSIS 3.1 der nächste Kabel-Übertragungsstandard im Fokus. Er soll den Kunden Gigabit-Leitungen per TV-Kabel bringen. Wössner, dessen Konzern nur einige wenige Kabelnetz-Projekte betreibt und der ansonsten primär auf die eigenen Kupferleitungen und VDSL mit verschiedenen Turbo-Stufen setzt, sieht das entspannt.

"In den Gigabit-Kabelnetzen wird es abends eng"

"Mit Supervectoring und 250 MBit/s komme ich gut gegen ein Gigabit-Kabelnetz an", meint Telekom-Deutschland-Chef Dirk Wössner und schießt damit gegen eines der größten Probleme der Kabelnetze: Dem Shared Medium. Viele Kunden teilen sich die Gesamtbandbreite des Netzes - je nach Ausbaustufe."Die Kabelnetze haben zwar die höhere Nominalgeschwindigkeit, doch abends um 20 Uhr kann es dann schon mal eng werden im Netz, wenn alle surfen", wetterte Wössner auf der Breitband- und Kabelmesse Anga Com in Köln gegen die Netzinfrastruktur und jene Anbieter, die der Telekom in den vergangenen Jahren viele Kunden abspenstig gemacht hat. In den Städten gebe es mit Kabel und VDSL sowie später einmal Glasfaser einen Infrastrukturwettbewerb.

Doch das ist bekanntlich nicht überall so. "Die eigentlichen Probleme haben wir auf dem Land. Dort bekommen die Leute oftmals nicht einmal 16 MBit/s", weiß auch Wössner. Etwa 20 Prozent der Haushalte betreffe das. "Deswegen wollen wir möglichst schnell möglichst viele Kunden versorgen und nutzen dazu Vectoring und Supervectoring", so der Telekom-Manager. Bis Ende nächsten Jahres will die Telekom zusammen mit den Wettbewerbern dafür sorgen, dass 95 Prozent der Haushalte mit mindesten 50 MBit/s versorgt sind. Mit einem direkten Ausbau von Glasfasernetzen bis zum Kunden sei das nicht machbar. Zur Erinnerung: Das eigentliche Ziel der vorherigen Bundesregierung waren 100 Prozent Abdeckung bis Ende dieses Jahres.

Fünf Prozent der Haushalte kaum zu versorgen

"Die verbleibenden fünf Prozent, die sind die am schwersten zu versorgenden", so Wössner. Dabei handele es sich oftmals nicht einmal um Dörfer, sondern einzelne Häuser und Höfe, die weder mit einer Funklösungen noch mit VDSL sinnvoll zu erschließen seien. Am Ende laufe es auf eine direkte Glasfaserleitung hinaus, was aber teuer und zeitintensiv sei. Dafür bräuchte es die richtigen Förderbedingungen. Außerdem müsse man aufhören, dogmatisch zu denken. Wenn an bestehenden Strommasten keine Glasfaserleitung gehängt werden darf und stattdessen das Kabel in die Erde gelegt werden muss, sei das wenig sinnvoll. "Hier muss sich etwas ändern", so Wössner.

Klar sei auch der Telekom bei aller Kritik an der langfristigen Ertüchtigung der alten Kupferleitung: "Das Glasfaser muss näher an die Häuser ran." Das betrifft die Telekom ("Wir sind heute schon in fast jeder Straße mit Glasfaserleitungen") genauso wie die Kabelnetzbetreiber, wenn diese ihren Kunden zuverlässig hohe Bandbreiten bieten wollen. Wie diese Glasfaser dann genutzt wird, sei ein anderes Thema. "Auch hier dürfen wir nicht dogmatisch daran festhalten, dass die Glasfaserleitung in jeden Keller und jeden Haushalt verlegt werden muss", so Wössner. "Wir brauchen einen Technologie-Mix für die letzte Meile. Das kann Kupfer sein, Koaxialkabel, Glasfaser oder auch Funk."



Bildquelle kleines Bild: Deutsche Telekom | Autor: Thorsten Neuhetzki
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Themen dieser News: DSL und Breitband, Internet & Digitale Welt, Kabel-TV & Kabel-Internet, Telekom

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