Unitymedia-Übernahme durch Vodafone Telekom fürchtet unfairen Wettbewerb durch Kabel-Fusion

vom 14.06.2018, 08:14
Vodafone, Telekom und Unitymedia im Dialog über die Fusion
Bildquelle: inside handy / Thorsten Neuhetzki

Die anstehende Fusion von Unitymedia und Vodafone war einer der zentralen thematischen Bestandteile des Medien- und Breitbandgipfels der Fachmesse Anga Com in Köln. Auf dem Podium: Telekom-Deutschland-Chef Dirk Wössner, Unitymedia-Chef Lutz Schüler und Manuel Cubero, Chief Commercial Officer bei Vodafone. Wegen der Besetzung wird die Runde auch als Elefefantenrunde bezeichnet.

Moderator Claus Strunz, der einmal mehr enorm kurzweilig durch die Diskussionsrunde führte, versuchte den beiden einstigen Kontrahenten auf den Zahn zu fühlen, was die Fusion für den Markt und den Kunden bedeutet. Wenig überraschend verkauften Schüler und Cubero den Deal, dessen Genehmigung sie für Anfang 2019 erwarten, also positiv für alle. Telekom-Chef Wössner äußerte sich eher kritisch.

"Warum haben Sie sich eigentlich kaufen lassen?", so die launige Frage von Moderator Claus Strunz an noch Unitymedia-Chef Lutz Schüler. Es gehe im Wertschaffung der Liberty Global, der heutigen Muttergesellschaft von Unitymedia. Der Kauf zeige aber auch, dass Unitymedia ein tolles Unternehmen sei, das viele Innovationen hervorgebracht hat. "Wir haben tolle Mitarbeiter, das weiß auch Vodafone." Cubero bestätigte das und machte den 2700 Mitarbeitern Hoffnungen, dass die Einschnitte überschaubar sein werden. Das ergebe sich schon durch die sich nicht überlappenden Geschäftsgebiete der Anbieter. Klar ist jedoch: "Es wird aber auch Veränderungen in bestimmten Bereichen geben", so Cubero. Vodafone habe durch die Integration von Kabel Deutschland auf dem Feld schon viel Erfahrung. Auf der Anga Com war aber auch zu hören, dass sich die ersten Unitymedia-Mitarbeiter schon nach anderen beruflichen Perspektiven umhören.

Telekom sieht Probleme im TV-Markt

Wenig überraschend hat die Fusion nicht nur Freunde. Einer der Kritiker ist Telekom-Deutschland-Chef Wössner. "Unser Problem ist nicht der Breitbandmarkt", so Wössner und stimmte damit Cubero zu, der den Marktanteil der Vodafone beim Breitband mit 20 Prozent angab. Er sieht sich in einem anderen Marktumfeld, in dem die Telekom seit einigen Jahren wieder tätig ist, benachteiligt: Dem TV-Markt. Die Telekom schaltet seit einigen Jahren wieder in der Wohnungswirtschaft TV-Kabel-Anschlüsse. "Dort sind wir der kleine Player im Markt und haben mit einer dominanten Vodafone zu tun."

10 Millionen Haushalte in Deutschland haben Kabelverträge über die Wohnungswirtschaft. "Da haben wir Schwierigkeiten, mit einem TV-Angebot voranzugehen", so Wössner. Auch die unterschiedliche Handhabung der Einspeiseentgelte sei ein kritisches Thema. Während Vodafone Geld von den TV-Sendern für die Einspeisung bekommt, müsse die Telekom zusammen mit andern kleinen Anbietern sogar zahlen. Er appellierte für einen fairen Wettbewerb. Einem Marktanteil von 37 Prozent der Vodafone im TV-Markt widersprach er wehement. "Sie haben teilweise als Verbraucher gar keine andere Chance als den Kabelanschluss zu nutzen. Teilweise dürfen Sie keine Satellitenschüssel anbringen oder zahlen den TV-Empfang eh schon über die Miete." Wenn wir als alternativer Anbieter da rein wollen, haben wir keine Chance.

Schüler: Fusion ist Chance für den Breitbandausbau

Unitymedia-Chef Schüler sieht in der Fusion eine große Chance für die Breitbandversorgung in Deutschland. Als das Kabelnetz aus der Bundespost herausgenommen und zerschlagen wurde, sei der Wettbewerbsdruck weggefallen. In anderen Ländern, die ein flächendeckendes Kabelangebot hätten, seien die Glasfaser-Infrastrukturen deutlich besser ausgebaut als in Deutschland. "Die Telekom will ab 2021 anfangen, in größerem Stil Glasfaser-Leitungen auszubauen. Erst dann kann die Telekom 1 GBit/s liefern. Das können wir heute schon und zusammen mit Vodafone werden wir bis dahin fast 25 Millionen Haushalte mit dieser Datenrate beliefern können." Schüler appellierte, dass die Fusion zustande kommt, weil Deutschland nur so eine Chance habe, im Breitbandausbau voranzukommen.

Klar ist: Ein solches Podium – so hochkarätig es auch besetzt war – kann und darf nicht über eine solche Fusion zweier großer Anbieter entscheiden. Auf der Anga Com, der größten Messe für den Kabel- und Breitband-Markt, gibt es aber kaum jemanden, der glaubt, dass die Fusion nicht zustande kommt. Uneins ist man sich, welche Auflagen eine Fusion mit sich brächte. Eine Differenzierung der verschiedenen Märkte – also Breitband und TV – scheint aber zumindest nicht gänzlich unwahrscheinlich. Der heute noch drittgrößte Kabelnetzbetreiber Tele Columbus hatte bereits vorgeschlagen, einzelne Netzteile aus dem neuen Vodafone-Netz herauszulösen.



Bildquelle kleines Bild: Unitymedia | Autor: Thorsten Neuhetzki
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Themen dieser News: Unternehmen und Märkte, Kabel-TV & Kabel-Internet, Telekom, TV-Sender & Video on Demand, Vodafone

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