Netzintegration dauert länger als geplant Konzern-Chef: O2 bis Ende 2018 mit leistungsfähigstem Netz

vom 11.06.2018, 09:13
LTE-Antennen vor dem O2 Tower in München
Bildquelle: Telefónica

Das O2-Netz der deutschen Telefónica dümpelt durch die Netzintegration von E-Plus vor sich hin - so die Wahrnehmung der meisten Kunden. Doch das soll sich bald ändern, verspricht der Telefónica-Konzern-Chef in einem Interview. Statt bei der Zusammenlegung Sender abzubauen, verdichte man teilweise sogar. Doch auf dem Land werde man an der Telekom wohl nicht vorbeikommen.

Im Gespräch mit dem Handelsblatt widersprach Konzern-Chef José María Álvarez-Pallete, O2 habe das schlechteste Netz in Deutschland. "Wir werden in Deutschland mit Abschluss der Integrationsarbeiten ein hervorragendes Netz haben, insbesondere für Städte und Vorstädte", sagte er. Statt Synergien zu maximieren und nah beieinander stehende Sender zu schließen, habe man das Netz zum Teil sogar verdichtet, sagte er. Allerdings hatte Telefónica vor drei Jahren auch Sender verkauft: 7.700 Netzstandorte wurden an die Telekom verkauft, weil sie damals als überflüssig erachtet wurden. 

Dass das O2-Netz derzeit in allen Netztests das Schlusslicht ist, führt der spanische Konzernchef darauf zurück, dass der Umbau des Netzes länger brauchte, als man intern gedacht hat. "Wenn wir an einer Basisstation arbeiten, merkt der Kunde das und denkt, das Netz sei schlecht." 80 Prozent der Arbeiten seien aber jetzt erledigt. "Und, wo wir fertig sind, haben wir das leistungsfähigste Netz in Deutschland." Bis Ende des Jahres sollen die Umbauarbeiten fertig sein, "dann werden alle sehen, wie potent das Netz ist". Derzeit meldet O2 regelmäßig den abgeschlossenen Netzumbau in weiteren Städten.

Kein Vorbeikommen an der Telekom auf dem Land

Bei der Zielgruppe macht Álvarez-Pallete im Interview jedoch Einschränkungen. Natürlich baue man das eigene Netz auch auf dem Land aus, doch "da können wir nicht komplett mit der Infrastruktur mithalten, die die Deutsche Telekom dort ausbaut." Die meisten Leute wohnen ohnehin in Städten und Vorstädten, so der spanische Konzernchef.

Ein Verkauf von Telefónica Deutschland, wie er vor einigen Monaten durch die Medien geisterte, ist für die Spanier jedoch – zumindest nach derzeitiger offizieller Verlautbarung – kein Thema. "Ich verstehe nicht, woher diese Gerüchte kommen", so Álvarez-Pallete. Man habe im Gegensatz zum Verkauf der KPN zweimal Anteile der deutschen Telefónica abgekauft, die diese im Zuge der E-Plus-Übernahme als ehemalige Muttergesellschaft erhalten habe. Und wenn man verkaufen wollte, hätte man nicht 8,5 Milliarden Euro in die E-Plus-Übernahme gesteckt und seit 2005 mehr als 25 Milliarden Euro in Deutschland investiert.

Deutschland strategisch wichtig: Beteiligung an 5G-Vergabe

"Deutschland ist strategisch wichtig für uns", sagte der Konzernchef im Handelsblatt-Interview. Entsprechend werde Telefónica Deutschland sich auch beim Kampf um die Frequenzen für 5G beteiligen – und das ohne Partner. Die Vergabe der Frequenzen steht Anfang kommenden Jahres an. Gleichzeitig kritisiert er das in seinen Augen aufkommende Duopol von Vodafone und Telekom durch die geplante Unitymedia-Übernahme durch Vodafone. Die Transaktion sollte "mit strikten Regulierungsvorschriften verbunden sein, falls sie überhaupt genehmigt wird", so Álvarez-Pallete.



Quelle: Handelsblatt | Bildquelle kleines Bild: inside-handy.de | Autor: Thorsten Neuhetzki
News bewerten:
 

Themen dieser News: O2 / Base (Telefónica), Mobilfunk-News, Mobilfunktechnik, Unternehmen und Märkte

Kommentar schreiben


 
 
VERWANDTE NEWS

alle News ansehen