Update Hohe Strafe verhängt Google vs. EU: Android als Förderer der Vielfalt

vom 19.07.2018, 13:52
Ok, Google - Google Suche-App
Bildquelle: Michael Stupp / inside handy

Der Schlagabtauschen zwischen Google und der Europäischen Kommission geht weiter. Google wird vorgeworfen, seine Stellung am Markt missbraucht und so gegen geltende EU-Wettbewerbsbedingungen verstoßen zu haben. Nachdem erneut Bewegung in den Streit gekommen ist, muss Google nun eine Strafe von 4,34 Milliarden Euro zahlen. Google-CEO Sundar Pichai meldet sich in einem öffentlichen Kommentar zu Wort und verteidigt Android als Förderer der Vielfalt.

Googles Marktmacht und der angebliche Missbrauch dieser ist den EU-Komissaren seit langem ein Dorn im Auge. Nun hat EU-Kommissarin Margrethe Vestager Google zu einer Wettbewerbsstrafe in Milliardenhöhe verdonnert. Google-Chef, Sundar Pichai, wehrt sich nun in einem öffentlichen Kommentar gegen die Strafe.

Via Twitter teilte die EU-Kommisarin Margrethe Vestager mit, dass Google, durch sein mobiles Betriebssystem Android, illegale Beschränkungen für die Gerätehersteller gefordert und somit rechtswiedrig gehandelt hat. Damit Hersteller ihre Geräte mit dem Betriebssystem Android anbieten konnten, will Google ein komplett-vorinstalliertes App-Paket der eigenen Google-Produkte gefordert haben. Hierdurch konnte der Konzern seine marktdominierende Stellung seiner Suchmaschine und weiterer Produkte zementieren. Dies wird dem Internetriesen aber nun teuer zu stehen kommen. Die EU-Kommission verhängt jetzt die bislang höchste Wettbewerbsstrafe von 4,34 Milliarden Euro für ein einzelnes Unternehmen. Margrethe Vestager fordert nun, dass Google sein Geschäftsmodell ändern muss.

Google-Geschäftsmodell fördert Vielfalt

Auf die hohe Wettbewerbsstrafe reagiert nun Google-Chef Sundar Pichai mit einem öffentlichen Kommentar zur Verteidigung des Geschäftsmodells von Google. Im Blogeintrag kritisiert der CEO die Entscheidung der EU-Kommission, da diese, statt sich auf die Möglichkeiten, die das Betriebssystem Android hervorgebracht hat, lediglich auf die von Google vorinstallierten Apps als Hindernis zur Entfaltung eines App-Marktwettstreits eingeht und somit die Leistung von Android herabwürdigt. Anders als von der EU-Kommision aufgefasst, ist Android aber in seinen Augen ein Ökosystem, das den freien Markt durch seine hohe technische Kompatibilität fördert.

Pichai schildert hierzu, dass Android mittlerweile auf 24.000 unterschiedlichen mobilen Endgeräten, zu den unterschiedlichsten Preisen, läuft sowie knapp 1.300 verschiedene Marken unterstützt und von Konsumenten genossen wird. Diese Vielfalt konnte laut CEO lediglich durch simple Regeln entstehen. Kein Telefonhersteller sei dabei gezwungen gewesen, das Betriebssystem auf seine schlauen Geräte zu installieren. Vielmehr haben sie sich selbst dazu entschlossen das System zu nutzen, da sie wussten, welche Vorteile das System mit sich bringt und welcher Beliebtheit sich Android erfreut. Das Android-Betriebssystem hat darüber hinaus bei Inbetriebnahme eines Smartphones, zwar schon 40 Apps von verschiedenen Entwickeln, darunter auch Google, installiert, ermöglicht aber durch sein aufgeschlossenes System die Installation beliebiger Apps auf dem Gerät. So wurden zum Beispiel die Browser Opera Mini sowie Firefox mehr als 100 Millionen Mal und der hierzulande eher wenig bekannte UC Browser, knapp 500 Millionen Mal heruntergeladen. Diese Browser standen in direkter Konkurrenz zu Googles eigenem Browser Chrome und wurden trotzdem in das Ökosystem mit offenen Armen aufgenommen. 

Firefox und UC Browser Downloads im Play Store
Bildquelle: inside handy

Google hat in Android investiert

Der Google-Chef erklärt weiter, dass Google seit Beginn von Android im Jahre 2007 den Smartphone-Herstellern sowie Mobilfunkanbietern die Software umsonst zur Verfügung gestellt hat. Google selbst hat hingegen Milliarden investiert. Diese Investitionen würden für Google aber nunmal keinen Sinn mehr machen, wenn Google seine eigens entwickelten Apps nun nicht mehr bereits vorinstalliert anbieten dürfe. Immerhin erfreuen sich diese Apps großer Beliebheit und bieten dem Smartphone vom ersten Einschalten an, eine Nutzeroberfläche, die sofortige Handlungsmöglichkeiten bietet. Der Gedanke liegt dabei nahe, dass ohne diese Apps viele Nutzer nicht einmal ihr Smartphone von Beginn an, richtig bedienen könnten, was die Beliebtheit von Android negativ belasten würde.

Das Betriebssystem steht außerdem in direkter Konkurrenz zu Apples Betriebssystem iOS. Dies ist laut Pichai von 89 Prozent der Kommission nicht bedacht worden. Die Android-Software ist letztendlich für den CEO für mehr Möglichkeiten für Konsumenten, Geräte-Hersteller, sowie App-Entwickler verantwortlich und wurde somit zu Unrecht von der EU-Kommission bestraft.

Die Dritten im Bunde

Der Bundesverband IT-Mittelstand e.V., sowie die European DIGITAL SME Alliance, welche zusammen knapp 22.000 kleine bis mittelständigeIT-Unternehmen vertritt, begrüßt jedoch die Entscheidung der EU-Kommission. Die Vertreter erhoffen sich durch das Urteil einen Aufbruch der Monopolstellung von Google zugunsten unabhängiger Entwickler. Dr. Oliver Grün, Präsident des Bundesverbandes IT-Mittelstand, erklärt hierzu: "Google kann ohne konkurrierende App Stores von den Entwicklern einen immer höheren Anteil des Verkaufspreises verlangen. Ein weiterer Vorteil für Google – und ein Nachteil für alle anderen – ist, dass Google exklusiven Zugang zu Daten hat, die bei Nutzung der Apps anfallen, darunter auch Daten und Standort des Nutzers. Das schafft alleine für Google enorme Möglichkeiten, Daten zu sammeln und neue digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln. Schließlich kann Google neu entwickelte Apps einfach in das zur Installation erzwungene App-Bundle aufnehmen und somit eine kostenfreie Distribution auf Milliarden Smartphones erreichen."

Google Play Store im Visier

Bereits 2017 musste Google 2,4 Milliarden Euro Strafe abdrücken. Bei den Prozessen geht es aber vor allem den Machenschaften Googles an den Kragen: So könnten die Verträge zwischen Google und Hardware-Herstellern als nichtig betrachtet werden. Diese sehen trotz der Open-Source-Struktur von Android vor, dass Google-Apps wie Chrome oder die Google-Suche vorinstalliert sind und nicht deinstalliert werden können. Auch der Status der Google-Such-App als Standard-Suche unter Android steht auf der Kippe.

Im Endeffekt will die EU-Komission erreichen, dass der Google Play Store von der Vorinstallation der "System-Apps" unter Android getrennt wird. Zu diesen systemrelevanten Apps zählt unter anderem auch die Video-Plattform YouTube. Für Google würde dieser Zwang mit einer deutlichen Schwächung des eigenen Ökosystems einhergehen. Bei den Apps sind die Hauptgeschäftszweige Suchmaschine und mobiles Betriebssystem untrennbar miteinander verbunden und machen die Stärke des Konzerns aus.

EU-Kommission zwischen Geld- und Wettbewerbsstrafen

Margrethe Vestager, die für den Wettbewerb zuständige EU-Kommissarin, möchte mit aller Härte gegen Googles Wettbewerbsgebahren vorgehen, wie es aus internen Kreisen bereits im Juni hieß, auf die sich die "Financial Times" berief. Die Höhe der Strafe war bis dato noch unklar.

Die Entscheidung ist somit der Höhepunkt einer andauernden Eskalation zwischen Google und der EU, die vor acht Jahren mit einer Untersuchung zu Google Shopping begann, welcher damals nur ein kleiner Teil des Online-Handels war. Obwohl dieser Fall mit der genannten und 2017 verhängten Geldstrafe von 2,4 Milliarden Euro endete, veränderte Google sein Geschäftsgebaren nicht. So ist außerdem eine Untersuchung im Gange, ob Google Wettbewerber im Werbemarkt explizit von Websites ausgeschlossen hat, welche Googles Suchleiste und Werbeanzeigen benutzen.

2017 machte sich die EU-Strafe für Google sogar in den Alphabet-Quartalszahlen bemerkbar. Spurlos gehen also auch die Geldstrafen nicht an dem Konzern vorbei.

Nutzt Google die Monopolstellung von Android aus? 

Android ist das meistbenutzte mobile Betriebssystem der Welt und befindet sich auf mehr als 80 Prozent aller Smartphones. Handys werden immer mehr zu mobilen Assistenzsystemen, so lassen sich enorm viele Daten über den Nutzer sammeln. Die Untersuchung der Europäischen Kommission kam zu dem Schluss, dass Google illegale Bedingungen für Hersteller von Android-Geräten eingeführt hat, was den Wettbewerb beeinträchtige und zudem die Auswahl für Verbraucher einschränke. Verstager sagte dazu bereits 2016: "Wir glauben, dass das Verhalten von Google den Verbrauchern eine größere Auswahl an mobilen Apps und Diensten verweigert und Innovationen der Mitbewerber entgegen der EU-Wettbewerbsvorschriften erschwert." Bereits im November 2016 antwortete das Unternehmen auf die Vorwürfe und argumentierte, dass Brüssel den Markt falsch verstanden habe, wenn es Apples iOS nicht als Konkurrenten von Android verstehe.



Quelle: Washington Post | Bildquelle kleines Bild: Google | Autor: Redaktion inside handy
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Themen dieser News: Google, Android, Apps & Software, Internet & Digitale Welt, Unternehmen und Märkte

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