5G Deutschland bekommt lokale Mobilfunknetze

vom 18.05.2018, 10:44
Basisstation in Münster
Bildquelle: inside-handy.de / Hayo Lücke

Die neuen 5G-Netze, die in den kommenden Jahren an den Start gehen werden, sollen den Mobilfunk revolutionieren. Mehr Datendurchsatz, niedrige Latenz und energiesparend sollen sie werden. Doch es gibt noch eine Neuerung: Es wird lokale und regionale 5G-Netze geben. Das hat die Bundesnetzagentur festgelegt.

Interessant sind derartige lokale Frequenzen unter anderem für die Industrie. Wirtschaft und Industrie hatten in der Vergangenheit autarke Frequenzen für 5G-Anwendungen gefordert. Dahinter steckt das Schlagwort Industrie 4.0, bei dem auch Fabriken zunehmend vernetzt werden. Darüber hinaus wollen auch Gemeinden und Vertreter der Land- und Forstwirtschaft durch lokale und regionale Funknetze die Mobilfunkversorgung im ländlichen Raum verbessern. Ob und in wieweit der Endnutzer davon profitiert, gilt es abzuwarten. Wahrscheinlicher ist eine Nutzung für die Maschinen der Land- und Forstwirtschaft. Sie sind mehr und mehr vernetzt, melden und protokollieren Ernteerträge, Pestiziteinsatz und mehr direkt per Datenanbindung.

Um diese Frequenzbereiche geht es

Die bundesweiten Frequenzen, die vor allem für Telekom, Vodafone und Telefónica sowie mögliche Mobilfunk-Neueinsteiger interessant sind, sollen durch die Bundesnetzagentur versteigert werden. Anders soll bei den regionalen Frequenzen verfahren werden: Sie sollen auf Antrag zugeteilt werden. Mit einem Entwurf des Verfahrens ist Ende dieses Jahres oder Anfang 2019 zu rechnen.

Insgesamt sollen in dem Versteigerungs- und Vergabeverfahren Frequenzen aus verschiedenen Frequenzbereichen vergeben werden. Darunter sind die bisherigen UMTS-Frequenzen um 2 GHz sowie Frequenzen um 3,6 GHz. Diese werden für die bundesweiten, öffentlichen Mobilfunknetze versteigert. Die regionalen Frequenzen werden im Bereich von 3,7 bzw. 3,8 GHz sowie 26 GHz liegen. Frequenzen im Bereich von 26 GHz haben aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften ohnehin eine sehr überschaubare Reichweite. Sie werden voraussichtlich vor allem für das Überbrücken kurzer, nicht veränderlicher Strecken eingesetzt werden – also beispielsweise in Fabriken.

Schon 15 Interessenten an lokalen Frequenzen

Das Interesse an derartigen regionalen Frequenzen für 5G scheint hoch. Nach Informationen der "WirtschaftsWoche" haben bereits jetzt 15 Unternehmen ihr Interesse an diesen Frequenzen angemeldet. Wie die Zeitschrift berichtet, handelt es sich dabei unter anderem um Daimler, Volkswagen, Siemens, BASF und Sennheiser. Der Vorteil für die Unternehmen liegt auf der Hand: Sie sind nicht von einzelnen Mobilfunkanbietern, deren Netzen und Konditionen abhängig, sondern können eigenständig agieren. Für die Mobilfunkanbieter geht auf diesem Weg aber auch ein erhoffter großer Teil des 5G-Umsatzes verloren.

Aber auch klassische Telefongesellschaften haben schon ihr Interesse an lokalen Frequenzen geäußert. So hat der in der Region Hamburg tätige Netzbetreiber wilhelm.tel Interesse bekundet, 5G Frequenzen zu erstehen. Durch das bereits bestehende Glasfasernetz hätte der Lokalanbieter gute Ausgangsvoraussetzungen, schnell ein eigenes Netz in der Region aufzubauen.



Quellen: WiWo, Bundesnetzagentur | Bildquelle kleines Bild: insinde-handy.de / Hayo Lücke | Autor: Thorsten Neuhetzki
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