Regionale 5G-Netze sind sicherer als bundesweite

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Basisstation in Münster
Bildquelle: inside-handy.de / Hayo Lücke
Die neuen 5G-Netze, die in den kommenden Jahren an den Start gehen werden, sollen den Mobilfunk revolutionieren. Mehr Datendurchsatz, niedrige Latenzzeiten und energiesparend sollen sie werden. Und es wird lokale und regionale 5G-Netze geben. Der Lobbyverband Breko befürwortet das, hat aber auch Forderungen.

Interessant sind die lokalen 5GFrequenzen unter anderem für die Industrie. Wirtschaft und Industrie hatten in der Vergangenheit autarke Frequenzen für 5G-Anwendungen gefordert. Dahinter steckt das Schlagwort Industrie 4.0, bei dem auch Fabriken zunehmend vernetzt werden. Darüber hinaus wollen auch Gemeinden und Vertreter der Land- und Forstwirtschaft durch lokale und regionale Funknetze die Mobilfunkversorgung im ländlichen Raum verbessern. Ob und in wieweit der Endnutzer davon profitiert, gilt es abzuwarten. Wahrscheinlicher ist eine Nutzung für die Maschinen der Land- und Forstwirtschaft. Sie sind mehr und mehr vernetzt, melden und protokollieren Ernteerträge, Pestiziteinsatz und mehr direkt per Datenanbindung.

Lobbyverband fordert MVNO-Verpflichtung

Der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) spricht sich nicht nur für eine regionale Zuteilung eines bestimmten Frequenzspektrums aus, sondern auch für eine Diensteanbieter- und MVNO-Verpflichtung der künftigen 5G-Frequenzinhaber aus. Heißt im Klartext: Die Netzbetreiber sollen verpflichtet werden, ihre Netze für Drittanbieter zu öffnen, die nur vermarkten aber keine Netze ausbauen. „Auf diese Weise wird der Wettbewerb im Mobilfunk belebt und die Produkt- und Anbietervielfalt gesteigert“, argumentiert der Breko. Der Breko vertritt mehr als 170 lokale und regionale Festnetz-Netzbetreiber, die überwiegend Glasfaser-Netze bis zum Kunden oder zumindest bis zu Kabelverzweigern ausbauen.

Eine MVNO-Verpflichtung sieht der Verband zumindest für die bundesweiten Frequenzen als notwendig an, um den Wettbewerb sicher zu stellen. MVNOs sind rein virtuelle Netzbetreiber, die für ihre Angebote zwar das Netz eines Mobilfunkanbieters nutzen, alle weiteren technischen und administrativen Aspekte aber selbst realisieren. Diensteanbieter hingegen vermarkten im Wesentlichen die Angebote der Mobilfunk-Netzbetreiber – auch in individuellen Tarifmodellen – unter eigenem Namen sowie auf eigene Rechnung.

Der Verband sieht in den lokalen Frequenzen neue Geschäftsmodelle für die Mitgliedsunternehmen. „Über die Zuteilung lokaler Frequenzen werden die Netzbetreiber in die Lage versetzt, Geschäfts- und Privatkunden in ihren Regionen eigene Mobilfunkangebote zu machen und damit auch mobile Glasfasernetze mit Luftschnittstelle zu betreiben“, argumentiert der Geschäftsführer des Verbandes Stephan Albers. „Insbesondere lokal und regional tätige Geschäftskunden profitieren so von maßgeschneiderten Angeboten.“ Dabei denkt er an die Vernetzung von Standorten, M2M-Diensten oder eine garantierte Netzabdeckung vor Ort. Weiter argumentiert der Verband in seiner Pressemitteilung: „Regionale Netze sind grundsätzlich sicherer als ein einziges, bundesweites Netz. Das betrifft nicht nur die Angriffssicherheit, sondern auch die Ausfallsicherheit, also Betriebsfähigkeit.“

Um diese Frequenzbereiche geht es

Die bundesweiten Frequenzen, die vor allem für Telekom, Vodafone und Telefónica sowie mögliche Mobilfunk-Neueinsteiger interessant sind, sollen durch die Bundesnetzagentur versteigert werden. Anders soll bei den regionalen Frequenzen verfahren werden: Sie sollen auf Antrag zugeteilt werden. Mit einem Entwurf des Verfahrens ist Ende dieses Jahres oder Anfang 2019 zu rechnen.

Insgesamt sollen in dem Versteigerungs- und Vergabeverfahren Frequenzen aus verschiedenen Frequenzbereichen vergeben werden. Darunter sind die bisherigen UMTS-Frequenzen um 2 GHz sowie Frequenzen um 3,6 GHz. Diese werden für die bundesweiten, öffentlichen Mobilfunknetze versteigert. Die regionalen Frequenzen werden im Bereich von 3,7 bzw. 3,8 GHz sowie 26 GHz liegen. Frequenzen im Bereich von 26 GHz haben aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften ohnehin eine sehr überschaubare Reichweite. Sie werden voraussichtlich vor allem für das Überbrücken kurzer, nicht veränderlicher Strecken eingesetzt werden – also beispielsweise in Fabriken.

Schon 15 Interessenten an lokalen Frequenzen

Das Interesse an derartigen regionalen Frequenzen für 5G scheint hoch. Nach Informationen der „WirtschaftsWoche“ hatten im Mai bereits 15 Unternehmen ihr Interesse an diesen Frequenzen angemeldet. Wie die Zeitschrift berichtet, handelt es sich dabei unter anderem um Daimler, Volkswagen, Siemens, BASF und Sennheiser. Der Vorteil für die Unternehmen liegt auf der Hand: Sie sind nicht von einzelnen Mobilfunkanbietern, deren Netzen und Konditionen abhängig, sondern können eigenständig agieren. Für die Mobilfunkanbieter geht auf diesem Weg aber auch ein erhoffter großer Teil des 5G-Umsatzes verloren.

Aber auch klassische Telefongesellschaften haben schon ihr Interesse an lokalen Frequenzen geäußert. So hat der in der Region Hamburg tätige Netzbetreiber wilhelm.tel Interesse bekundet, 5G Frequenzen zu erstehen. Durch das bereits bestehende Glasfasernetz hätte der Lokalanbieter gute Ausgangsvoraussetzungen, schnell ein eigenes Netz in der Region aufzubauen.

Frequenz-Versteigerung erst 2019

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