Vodafone 5G Lab: Ein Blick in die Zukunft

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Vodafone 5G Lab
Bildquelle: Michael Stupp / inside handy
Im Rausch der Unitymedia-Übernahme hat Vodafone am deutschen Heimatstandort Düsseldorf die Tore zum neuen 5G-Labor geöffnet. Die fünfte Mobilfunkgeneration wirft ihre Schatten voraus und insbesondere die Mobilfunkanbieter müssen gewappnet sein. Die Telekom präsentierte kürzlich das erste – theoretisch – kommerziell nutzbare 5G-Netz in Berlin. Vodafone will im neuen 5G Lab nachhaltig alle Geräte mit der 5G-Technik zusammenbringen.

2020 – also nach einer greifbaren Zeitepoche – soll 5G technisch bereit sein. In Richtung 2025 soll das „Netz der Zukunft“ dann flächendeckend verfügbar gemacht werden. So lange dürfte es also auch noch dauern bis Handys und Mobilfunkverträge 5G-Verbindungen eingehen können beziehungsweise inkludieren.

Tests für die fünfte Generation des Mobilfunkstandards sind unter dem Radar längst keine Seltenheit mehr. Immer mehr Unternehmen testen 5G und 5G-Technologien aber auch öffentlich.

Vodafone 5G Lab: Anwendungsszenarien und Pläne für 5G

Im neu eröffneten 5G Lab in Düsseldorf will der Mobilfunkkonzern mit verschiedenen Unternehmen, Start-Ups und Firmen jeglicher Art mit 5G-Technologien zusammenarbeiten. Hierfür hat Vodafone verschiedene Test-Umgebungen geschaffen. In Düsseldorf selber befindet sich das eigentliche 5G Lab: Hier funkt bereits eine 5G-Antenne auf einer Frequenz von 3,5 GHz. In der Messkammer – dem Herzstück des 5G Labs – sollen über Kurz oder Lang sämtliche Mobilfunkgeräte, die den Anspruch haben, im 5G-Netz zu funken, getestet werden. Im Idealfall steht am Ende die „Acceptance“ und das jeweilige Gerät wird für das 5G-Netz von Vodafone freigegeben. In einigen Jahren werden womöglich also auch die dann aktuellen iPhones und Galaxy-Smartphones dieses Testlabor durchlaufen. CEO Hannes Ametsreiter hierzu: „In Düsseldorf erhalten Innovationen Eintritt in die 5G-Welt. Sie bekommen hier den internationalen 5G-Stempel.“

Voafone 5G Lab in Düsseldorf

Zurück in die Gegenwart: Im knapp 60 Kilometern von Düsseldorf entfernten Aldenhoven unterhält Vodafone ein weiteres Testgebiet. Hier werden Übertragungs-Tests mit möglichst geringen Latenzzeiten angewandt. Von Düsseldorf aus kann hier zum Beispiel ein Auto durch einen Parcours gefahren oder ein 200-Tonnen-Kran gesteuert werden.

Technisch wird dieses Szenario noch über eine optimierte 4G-Verbindung umgesetzt. Einen realen 5G-Feldversuch gibt es hier also nicht – es sind lediglich Anwendungsszenarien, die das Gefühl von 5G nicht simulieren, aber näherbringen.

Reale 5G-technologie im Einsatz

Anders sieht es derweil im hessischen Städtchen Langenhain aus. Im eher ländlichen Gebiet soll 5G-Technologie die oft schleppenden DSL-Verbindungen ersetzen. Hier setzen Vodafone und Partner Ericsson bereits jetzt auf reale 5G-Technologie, getauft wurde sie „5G Beam“.
Beim Kunden kommt die neue, schnellere Internet-Geschwindigkeit via GigaCube ins Haus. Der als LTE-Router gestartete Empfänger soll den Empfang dann via für Endgeräte bekömmliches WLAN-Signal im Haushalt verteilen.

Die 5G-Technik, die das Netz aus GigaCubes füttert, basiert auf intelligenten Antennen – hier kommt Ericsson als technischer Partner ins Spiel. Die Antennentechnik „Beamforming“ vereint bis zu 128 angeordnete, winzige Antennen auf engstem Raum. Die „Intelligenz“ der Antennen besteht darin, dass sie die Luftschnittstellen so optimieren, dass immer der beste, freie Kanal genutzt wird, um die Datenpakete – also das, was Kunden letztendlich über die Leitung beziehen wollen – auf den Weg zu schicken. Diese Technologie soll kurzfristig in ländlichen Gebieten für eine DSL-Alternative sorgen und mittel- bis langfristig auf 5G-Basisstationen regulär zum Einsatz kommen – dann auch ohne Umweg über den GigaCube.

Schnellcheck 4G und 5G: Das sind die Hauptunterschiede

Mobilfunk-Generation (theoretische) Download-Geschwindigkeit Latenzzeit* Frequenzsspektrum
4G bis zu 1 GBit/s oder 1.000 Mbit/s >10 ms bis 3,5 GHz
5G bis zu 10 GBit/s oder 10.000 MBit/s bis zu 1 ms theoretisch bis 300 GHz

*Latenzzeit: auch Ping genannt, beschreibt die Reaktionszeit, also die Zeit zwischen einer Aktion und dem Eintreten einer Reaktion. Im menschlichen Körper liegt die Latenzzeit beispielsweise bei 1 ms (Millisekunde): Das kann etwa die Zeit zwischen einem Nervenimpuls und dem darauffolgenden Schmerzempfinden sein. Latenzzeiten in dieser Größenordnung werden auch als „Echtzeit“ wahrgenommen.

Fazit zum Vodafone 5G Lab: Viel Science Fiction und ein wenig greifbare Realität

Das 5G Lab deutet an, dass Vodafone bei 5G vorne mitmischen will und die Entwicklung des Mobilfunkstandards zum Teil mit prägen will. Was Vodafone den Mitbewerbern dabei voraus hat? Eigentlich nichts. Die Eröffnung des 5G Labs zeigt lediglich den Status, den Vodafone auf dem Weg zu 5G selbst innehat.

Zurecht sagt Vodafone-CEO Hannes Ametsreiter, dass 4G für den Menschen war und 5G mehr Errungenschaften für Industrie und Maschinen bietet. Denn vieles von dem, was Vodafone in Düsseldorf zeigte, ist noch Science Fiction. Da wären einerseits selbstlernende Roboter oder Telemedizin, die bis zum chirurgischen Eingriff, gesteuert über eine Mobilfunkverbindung reicht. Die Anwendung klingt beeindruckend, die Ansätze sind es auch. Aber außer Vorhersagen, die womöglich Jahrzehnte in die Zukunft blicken, ist wenig mitzunehmen.

Die Ansätze, die greifbarer sind, stecken derweil noch in den Kinderschuhen – zum Beispiel die 5G-Technik im hessischen Ort Langenhain. Dennoch ist es lobenswert, dass Vodafone sich dieser Schritt-für-Schritt-Politik bewusst ist. Für wirklich große Schritte fehlt es wohl auch an Kapazität, die durch Dritte noch nicht bereitgestellt wurde. Die große Vergabe der Mobilfunkfrequenzen an die Netzbetreiber steht noch aus – hier ist die Politik am Zug.

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