Sky verliert erstmals nach fast 10 Jahren tausende Kunden

4 Minuten
Sky Logo
Bildquelle: Sky Deutschland
Mit Pauken und Trompeten hat Sky Deutschland in der vergangenen Woche publik gemacht, wie man in der Gunst der eigenen Kunden besser dastehen möchte: Sky Q lautet das Stichwort, das für eine noch größere Qualität stehen soll. Doch während das neue Sky vielerorts bejubelt wurde, ist eines nahezu komplett untergegangen: Zum ersten Mal seit vielen Jahren musste Sky im ersten Quartal des laufenden Jahres wieder einen Kundenrückgang hinnehmen.

In einer Zusammenfassung für Investoren und Analysten ist zu lesen, dass bei Sky in Deutschland und Österreich zum Stichtag Ende März nur noch 5.161.000 Kunden unter Vertrag standen. Ende Dezember 2017 waren es hingegen noch 5.191.000, also 30.000 Kunden mehr. Der Rückgang – es ist der erste Kundenverlust seit dem zweiten Quartal 2009 – dürfte bei Sky für so ziemlich alles sorgen, aber ganz sicher nicht für knallende Sektkorken. Denn es wäre um ein Haar noch weit schlimmer gekommen.

Kundenbestand von Sky wird mit massiven Rabatten hochgehalten

Wäre der größte deutsche Pay-TV-Sender nämlich nicht mit günstigen Rückholangeboten auf kündigungswillige Abonennten zugegangen, wäre das Kunden-Minus noch weit höher ausgefallen. Viele bereits gekündigte Sky-Abonnements wurden bis Ende März für vergleichsweise kleines Geld doch noch einmal verlängert. Mit etwas Glück wurde ausgewählten Kunden das Komplett-Paket von Sky inklusive HD-Option für knapp 25 Euro pro Monat angeboten. Regulär kostet dieses Paket mehr als 70 Euro monatlich. Ein satter Batzen Geld – auch für gutverdienende Pay-TV-Fans.

Zu schaffen macht Sky vor allem eines: Die inzwischen recht zersplitterte Rechte-Situation der Fußball Bundesliga. Viele Spiele, darunter alle Duelle am Freitag-Abend und Partien, die am frühen Sonntag zur Mittagszeit sowie am Montagabend ausgetragen werden, darf Sky seinen Kunden nicht mehr zeigen. Nicht nur weil die DFL mehr Geld verdienen möchte, sondern auch, weil das Bundeskartellamt bei der letzten Rechtevergabe seine Hände im Spiel hatte und es schlicht verbot, dass mit Sky nur ein Sender die Bundesliga-Spiele exklusiv zeigen darf. Und weil viele Fußball-Fans genau das alles andere als attraktiv finden, verzichten sie lieber komplett auf ihr Pay-TV-Abo; eine für Sky schon damals extrem bittere Pille, die sich nun auch auf die Kundenzahlen niederschlägt.

Hinzu kommt, dass Sky in den zurückliegenden Monaten nicht nur bei Bundesliga-Übertragungen zurücksteckte, sondern sich unter anderem auch von künftigen UEFA-Europa-League-Partien und Live-Berichterstattungen von der Formel 1 zurückzog. An der Preis-Struktur wurde hingegen nicht gerüttelt und so sollen sportbegeisterte Kunden künftig für weniger interessante Inhalte den gleichen oder im Falle einer Abonnement-Verlängerung unter Umständen sogar einen noch höheren Preis bezahlen. Die Konsequenz: Sky wurde mit Kündigungen offenbar nur so überflutet.

Fußball Bundesliga kostet Sky viel Geld – EBITDA bricht ein

Ob ein Ende der Kündigungswelle in Aussicht ist, darüber schweigt man sich bei Sky selbst hinter vorgehaltener Hand aus. Ein gewisses Maß an Verunsicherung ist aber rund um den deutschen Pay-TV-Krösus durchaus zu spüren. Da hilft es auch wenig, dass der Umsatz in Deutschland und Österreich im ersten Quartal des Jahres im direkten Jahresvergleich um rund 6 Prozent auf 1,52 Milliarden Pfund (rund 1,7 Milliarden Euro) zulegte. Denn im gleichen Zeitraum rauschte das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um satte 18 Prozent auf 68 Millionen Pfund (rund 77 Millonen Euro) in den Keller. Ursächlich dafür sind vor allem gestiegene Kosten für die TV-Rechte der Fußball Bundesliga.

Fest steht: Für Sky wird es in den kommenden Wochen und Monaten darum gehen müssen, die eigene Existenz zu sichern und die Daseinsberechtigung gegenüber flexibler arbeitenden Video-on-Demand-Angeboten zu untermauern. Wenn man immer mehr attraktive Sportrechte an aggressive Konkurrenten wie DAZN oder Discovery Networks verliert, dürfte es für Sky in Deutschland auf lange Sicht recht schwierig werden, zu überleben. Da helfen auch attraktive Eigen-Produktionen wie „Das Boot“ im Film- und Serien-Umfeld wenig.

Es sei denn, man passt auch die eigene Preisstruktur an die deutlich preiswertere Online-Konkurrenz wie Netflix oder Amazon Prime an. Auch der Umstand, dass für eine Offline-Funktion für das On-Demand-Angebot Sky Go ein alles andere als noch zeitgemäßer monatlicher Aufpreis von 5 Euro auf die ohnehin schon teuren Film- und Serien-Pakete erhoben wird, stößt vielen Nutzern übel auf und ist in einschlägigen Internetforen ein heiß diskutiertes Thema. Ein „weiter so“ darf jedenfalls keine Alternative sein, wichtige Weichenstellungen müssen schnellstmöglichst vorgenommen werden, um nicht noch weiter zurückzufallen. Sky muss liefern und ein Sky Q allein wird dabei nicht ausreichen.

Deine Technik. Deine Meinung.

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein

VERWANDTE NEWS