Mobilfunkausbau in Deutschland  5G: Freenet-Chef warnt vor Zweiklassen-Standards

vom 16.07.2018, 17:43
5G Symbolbild
Bildquelle: EU

Der neue Mobilfunkstandard 5G soll 2020 in den Endkundenmarkt eindringen. Mit Übertragungsraten von bis zu 10 Gbit/s wäre 5G zehnmal so schnell wie 4G. Politik, Mobilfunkanbieter und die Verbraucher sind sich darüber einig, dass 5G zahlreiche Vorteile mit sich bringt. Doch die Umsetzung sorgt für allerhand Probleme. Anlässlich des sogenannten Mobilfunkgipfels äußerte Christoph Vilanek, CEO der Freenet AG, nun Bedenken. 

Der neueste Mobilfunkstandard 5G sorgt weiterhin für Diskussionen. Zum einen ist die Technik noch nicht aus den Kinderschuhen entwachsen, zum anderen plant die große Koalition mit dem Koalitionsvertrag eine flächendeckende Verbreitung, die Bundesnetzagentur soll die Frequenzen zur Verfügung stellen und die Mobilfunkanbieter das Ganze zeitnah umsetzen. Was hier noch nach einem einfachen Plan klingt, ist jedoch in der Umsetzung problematisch bis gar unrealistisch. Der sogenannte Mobilfunkgipfel fand auf Einladung von Verkehrsminister Andreas Scheuer statt, der alle Netzanbieter geladen hatte. Obwohl die Freenet AG und andere Dienstanbieter nicht eingeladen waren, begrüßte die Freenet AG die Ergebnise des Gipfels. Erfreulich sei, dass die Bundesnetzagentur in ihrem Anhörungstermin vom 13. Juli 2018 Dienstanbieter als wichtige Akteure im Sinne eines freien Wettbewerbs im Mobilfunkmarkt anerkennt und ihren Beitrag ausdrücklich würdigt.

„Das Bekenntnis zu einer Netzausbauverpflichtung mit Augenmaß und eine Zurückhaltung bei den Kosten für die zu ersteigernden Lizenzen sind ein Grundsatz, der für die gesamte Branche eine wichtige Rahmenbedingung schafft“, sagt Christoph Vilanek, CEO der Freenet AG. "5G ist der Mobilfunkstandard der Zukunft, doch 4G benötigen wir alle bereits heute und daher muss dieser Standard auch schnell allen Menschen in Deutschland zur Verfügung gestellt werden". Er warnte davor, dass eine Zweiklassen-Gesellschaft geschaffen werden könnte, "die zwangsläufig 'abgehängte' Mobilfunknutzer hervorbringt, wenn die Diensteanbieterverpflichtung nicht kommt. So wird auch 5G weder für die Wirtschaft noch für die Privatkunden ein Erfolg". 

April 2018: Vilanek stellt Relevanz des 5G-Ausbaus in Frage

Damit äußert sich Vilanek nun deutlich diplomatischer als noch im April. Im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin "Capital" sprach Vilanek noch davon, dass 5G auf absehbare Zeit keinerlei Bedeutung für Endkunden habe. "Ich sehe in den nächsten fünf Jahren keine Anwendung von 5G für den Endverbraucher", sagte Vilanek . Nun spricht sich Freenet im Hinblick auf die anstehende 5G-Frequenzvergabe dafür aus, im Sinne eines diskriminierungsfreien Wettbewerbs die Diensteanbieterverpflichtung wieder zur Auflage zu machen. So solle gewährleistet werden, dass 5G nicht nur ein Standard für vermögende Nutzer wird, wie es in den Augen von Freenet bei 4G (LTE) passiert sei. So kam auch die tefficient Studie aus dem Juli 2018 zu dem Ergebniss, dass lediglich knapp über 30 Prozent der Deutschen 4G nutzen. Damit liegt Deutschland sogar noch hinter Rumänien und liegen weit entfernt von Klassenprimus Taiwan mit rund 80 Prozent.

Optimistischer äußerte sich in der Vergangenheit der CEO von Telefónica, Markus Haas. Dieser steht hinter dem Breitbandausbau in Deutschland und sieht in dem 5G-Ausbau eine Investition in die "Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland". Derzeit baut die Telekom nicht nur das schnellere kabelgebundene Internet mit bis 100 Mbit/s, sondern auch sein LTE-Netz aus. Für den Ausbau auf 5G-Standard schätzt sie Investitionssumme für einen flächendeckenden Ausbau in Europa auf 300 bis 500 Milliarden Euro. "5G wird unendlich teuer", so Vilanek, "keiner weiß, wie das refinanziert werden soll." Auch die Netzagentur wirft immer wieder die Frage nach der Notwendigkeit in den Raum. Um eine deutschlandweite Ausbreitung zu ermöglichen, müssten die Mobilfunkanbieter stark investieren und zahlreiche neue Funkmäste bauen.



Bildquelle kleines Bild: Freenet | Autor: Elisa Färber
News bewerten:
 
9 / 10 - 4Stimmen

Themen dieser News: Mobilfunktechnik, Mobilfunk-News, Unternehmen und Märkte

Kommentar schreiben


 
 
VERWANDTE NEWS

alle News ansehen