Die angebliche Gefahr aus China Embargo gegen ZTE: Verkaufsblockade wird fortgesetzt

vom 20.06.2018, 14:40
ZTE Blade V9
Bildquelle: ZTE

Chinesische Unternehmen haben es schwer in der westlichen Welt. Geheimdienste, Behörden und die US-Regierung warnen vor den Smartphone-Herstellern Huawei und ZTE. Die Gründe: angebliche Spionage und Datenmanipulation. Die USA holen seit einiger Zeit zum massiven Schlag gegen ZTE aus. Nun wurde eine Vereinbarung zwischen Trump und ZTE vom US-Senat durchkreuzt.

Eine Strafe in Höhe von 1,4 Milliarden Euro und Zusagen seitens China bei den Agrarimporten waren das vorläufige Ergebnis einer Vereinbarung zwischen dem US-Präsident Donald Trump auf der einen Seite und dem chinesischen Hersteller ZTE sowie der chinesischen Regierung auf der anderen Seite. Nun scheint der Deal allerdings erneut geplatzt sein, wie das Handelsblatt berichtet.

Am Montag stimmten die Senatoren im US-Kongress nämlich darüber ab, ob der Verkaufsstopp von US-Komponenten an ZTE vorgeführt werden soll. Diese Meinung vertraten insgesamt 85 gegenüber 10 Senatoren – damit wurde Trumps Vereinbarung zunächst durchkreuzt. Für ZTE bedeutet die vorgeführte Blockade einen großen Nachteil, denn aufgrund der ausbleibenden Hardware-Lieferungen kann der chinesische Konzern seine Smartphone-Produktion nicht aufrecht erhalten und entsprechend auch keine Einnahmen erzielen – die laufenden Kosten, wie beispielsweise für das Personal, bleiben hingegen bestehen.

Im nächsten Schritt dürfte der US-Präsident versuchen, den Kongress von seinem ZTE-Deal zu überzeugen und somit die Verkaufsblockade zu beenden. Ob dies jedoch gelingt, bleibt abzuwarten.

Einigung zwischen ZTE und den USA

Zunächst war von einer Strafzahlung von 1,3 Milliarden Euro die Rede. Dann berichtete die Nachrichtenagentur Reuters, dass die Trump-Administration vom chinesischen Hersteller von Smartphones und Kommunikationstechnik ZTE eine Strafe in Höhe von 1,7 Milliarden Dollar fordert.

Wie der US-Sender CNBC berichtete, haben sich die USA und ZTE offiziell geeinigt. Wie US-Handelsminister Wilbur Ross verlauten ließ, müssen die Chinesen eine Strafe von 1,4 Milliarden Dollar zahlen – ein Rekord. Im Detail muss ZTE eine Milliarde Dollar direkt zahlen, die verbleibenden 400 Millionen werden auf ein Treuhandkonto verlegt und im Falle eines Verstoßes eingezogen. Wie Ross betont, habe die US-Regierung aber weiterhin die Macht, ZTE wieder vom US-Markt auszuschließen.

So geht es bei dem Konflikt längst nicht mehr nur um einen Konflikt zwischen Handelsbehörden und ZTE. Inzwischen schlug die Affäre größere Wellen. So hatte China zugesagt, mehr amerikanische Agrarprodukte zu kaufen, wenn das Problem mit ZTE behoben worden sei.

US-Regierung beendet Sanktionen gegen ZTE - unter Auflagen

Nach langem hin und her erklärte der US-Präsident Donald J. Trump den Streit mit dem Kommunikationskonzern ZTE nun für beigelegt. Unter Auflagen werde das Verkaufsverbot gegen das chinesische Unternehmen erlassen. Damit kann der Smartphone-Hersteller seinen Produktionsbetrieb wieder aufnehmen.

In einem Tweet erklärte der US-Präsident kürzlich außerdem, das ZTE umfangreiche Sicherheitsgarantien abgeben und das Management wechseln müsse. Teil der Vereinbarung zwischen Washington und Peking sei zudem ein möglicher Erlass von chinesischen Importzöllen auf US-amerikanische Agrarimporte und die Steigerung der Einfuhrmengen nach China.

Währenddessen stellen sich Abgeordnete im US-Senat gegen die Pläne des Präsidenten zur Lockerung der Sanktionen gegen ZTE. Zu diesem Zweck wurde vor Kurzem ein Gesetzesentwurf verabschiedet, der strengere Prüfungen von Technologie-Geschäften mit chinesischen Unternehmen und verschärfte Exportkontrollen vorsieht. Außerdem drängten führende US-Politiker auf Seiten der Republikaner sowie der Demokraten ebenfalls am Dienstag per Brief darauf, keine Erleichterungen von Exportkontrollen bei Technologie-Produkten zuzulassen. Auch dann nicht, wenn dadurch Verkäufe nach China gefördert werden würden. Zu den Unterzeichnern gehört auch der republikanische Senator Marco Rubio, ein Gegner Trumps.

Nicht ist passiert mit ZTE

Vor einiger Zeit twitterte Trump, dass er mit dem chinesischen Präsidenten Xi nach einer Lösung suche, um ZTE einen schnellen Weg zurück ins Geschäft zu ermöglichen. Dann schien er aber seine Meinung geändert zu haben, denn er bezeichnet die bisherigen Berichte von CNN und der Washington Post über die Handelsverhandlungen mit China als "falsche Geschichten" und fügt hinzu, dass nichts mit ZTE passiert ist. Damit dürfte der chinesische Hersteller schlechte Karten im Kampf gegen die USA haben und muss weiter um seine Existenz bangen.

Samsung könnte Exynos-Chips liefern

Samsung könnte schon sehr bald Qualcomm ersetzen. Laut einem Bericht soll das südkoreanische Unternehmen derzeit Pläne schmieden, um andere Smartphone-Hersteller – unter anderem auch ZTE – mit Exynos-Chips zu versorgen. Die Exynos-Prozessoren von Samsung kommen beispielsweise im Galaxy S9 / S9+ und einigen Meizu-Modellen zum Einsatz und beweisen, dass sie mit Qualcomm-Prozessoren konkurrieren können.

Samsung soll derzeit im Gespräch mit allen Herstellern sein, so Inyup Kang, der Kopf der Samsung-Chip-Entwicklungsabteilung (Samsung LSI). Im Frühjahr 2019 will der südkoreanische Hersteller erste Kunden verkünden, die Gebrauch von Exynos-Chips machen werden. Damit dürfte großer Handlungsbedarf bei Qualcomm entstehen, da sie mit ZTE einen guten Partner verloren haben und ihr Gewinn im nächsten Quartal wahrscheinlich um rund 3 Prozent schrumpfen wird.

Trump rudert zurück

Die Smartphone-Produktion wird eingestellt. Dies ließ ZTE vor Kurzem als Folge der US-Amerikanischen Sanktionen verkünden. Ebenso seien laut dem chinesischen Hersteller auch andere Geschäftsbereiche wie elektronische Geräte, Firmenkundenanwendungen und Netzwerkausrüstung betroffen. Unter dem Strich könnte dies zahlreiche Kündigungen sowie das Aus für ZTE als Unternehmen bedeuten, doch der Schlimmste Fall scheint nun abgewendet worden zu sein.

Laut einem aktuellen Post, den der US-Präsident Donald J. Trump kürzlich auf seinem Twitter-Kanal veröffentlichte, rudert dieser später zurück und will ZTE beistehen. "Der chinesische Präsident Xi und ich arbeiten zusammen, um dem großen chinesischen Handy-Unternehmen, ZTE, einen schnellen Weg zurück ins Geschäft zu ermöglichen. Zu viele Jobs gingen in China verloren. Das Handelsministerium wurde beauftragt, es zu erledigen!", erklärte Trump mit wenigen Zeichen. Wie diese Lösung aussehen könnte, ist zum derzeitigen Zeitpunkt allerdings noch nicht bekannt. Ebenso ungewiss ist, welche finanziellen Nachteile für das Unternehmen durch die Sanktionen konkret entstanden sind.

Smartphone-Produktion eingestellt

Das von der US-Regierung verhängte Exportembargo scheint nun langsam aber sicher seine Wirkung zu entfalten. Wie der chinesische Smartphone-Hersteller in einer Stellungnahme an die Börse in Hongkong mitteilte, habe das Unternehmen die Produktion von Smartphones eingestellt. Andere Geschäftsteile seien ebenfalls betroffen, heißt es. Einem Bericht von Bloomberg zufolge, habe das Unternehmen Einkommensprobleme im Kerngeschäft. Die Bereiche elektronische Geräte, Firmenkundenanwendungen und Netzwerkausrüstung erzielen nicht mehr die benötigten Einnahmen.

In einer von Bloomberg zitierten E-Mail ist von einem kritischen Zeitfenster, dass die nächsten 14 Tage andauern soll, die Rede. Demnach werden zur Zeit Gespräche zur Anpassung oder Änderungen der Sanktionen mit der US-Regierung geführt. Auf diese Weise hofft das Telekommunikations-Unternehmen, dass Steuer noch herumzureisen. Ob dies auch dazu führt, dass ZTE wieder Komponenten von Qualcomm beziehen kann, darf allerdings bezweifelt werden. Auch der Chip-Hersteller MediaTek, dem die chinesische Regierung am 9. Mai die Erlaubnis erteilte, ZTE mit Prozessoren zu versorgen, scheint den Kurs nicht mehr nachhaltig ändern zu können. Hierfür sei die Zeit zu knapp und die Umstrukturierungsmaßnahmen zu groß.

ZTE Existenz von US-Exportembargo bedroht

Nachdem die US-Regierung am 17. April 2018 das Exportembargo gegen ZTE verhängte, meldete sich das Unternehmen selbst. In einer offiziellen Pressemitteilung gab sich der Hersteller kämpferisch. Demnach halte man die Weisung der USA für "inakzeptabel" und "unfair". Man habe alle notwendigen Schritte eingeleitet, um den Forderungen der USA nachzukommen. Das Unternehmen bezieht sich dabei auf einen Streit aus 2016 / 2017. ZTE soll demnach amerikanische Technik und Ausrüstung in den Iran und nach Nordkorea exportiert haben. Die US-Regierung forderte ZTE darauf hin auf, die verantwortlichen Mitarbeiter zu entlassen und Bonuszahlungen auszusetzen.

"Das Embargo bedroht nicht nur das Überleben und die Entwicklung von ZTE, sondern wird auch Schaden an den Partnern von ZTE anrichten", so das Unternehmen in seiner Stellungnahme. Davon seien auch US-Firmen betroffen. Jedoch werde man nicht davon zurückschrecken, juristische Maßnahmen zu ergreifen. "ZTE wird mit allen seinen Mitarbeitern geschlossen an einer Lösung des Problems arbeiten", heißt es. Derweil warnt das National Cyber Security Center Großbritanniens davor, dass ZTE-Dienste oder -Technik bei Mobilfunkanbietern zum Einsatz kommen. Grund dafür sei nicht nur das Embargo, sondern auch das "Risiko äußerlicher Einmischungen" seitens der chinesischen Regierung.

ZTE könnte Android-Lizenz verlieren

Nach neuen Erkenntnissen, könnte ZTE schlechter dastehen, als bisher angenommen. Laut Reuters sollen weitere Regelungen in das Exportembargo aufgenommen werden, um das Sicherheitsrisiko für die US-Telekommunikationsnetzwerke zu minimieren. Dies könnte zur Folge haben, dass der chinesische Hersteller seine Android-Lizenz verliert. ZTE und Google sollen bereits Gespräche über die Lizenzthematik geführt haben, doch eine Stellungnahme wollten beide Unternehmen bisher nicht abgeben.

US-Regierung verhängt Exportembargo gegen ZTE

Die Auseinandersetzung der US-Regierung mit dem chinesischen Unternehmen Huawei dauert schon seit Jahren an. So wird Huawei vorgeworfen, Kontakte zur kommunistischen Partei Chinas und auch zum Geheimdienst zu pflegen und den US-Markt für Spionageabsichten nutzen zu wollen.

Nun aber trifft es auch ZTE hart, denn die US-Regierung hat ein Exportembargo gegen das chinesische Telekommunikations-Unternehmen verhängt, berichtet das "Handelsblatt". Hauptsächlich betrifft es die Smartphone-Sparte von ZTE, da der Hersteller Komponenten von US-Unternehmen wie Qualcomm, Intel und Microsoft bezieht. Die US-Regierung begründet das Embargo damit, dass ZTE gegen Auflagen verstoße habe, die nach den Geschäften mit Nordkorea und dem Iran verhängt wurden. Im vergangenen Jahr musste ZTE deswegen eine Rekordstrafe von 1,2 Milliarden Dollar zahlen, verantwortliche Mitarbeiter entlassen und anderen die Bonus-Zahlungen streichen. Nach neuen Erkenntnissen wurden die Boni trotzdem ausgezahlt. US-Handelsminister Wilbur Ross erklärte: "ZTE hat das Handelsministerium getäuscht. Statt die Mitarbeiter und das hochrangige Management zu rügen, wurden sie belohnt. Dieses ungeheuerliche Verhalten kann nicht ignoriert werden."

Neben den USA hat ZTE auch in Großbritannien Schwierigkeiten. Wie die "Financial Times" berichtet, warnte der Technische Direktor des nationalen Cyberattacken-Abwehrzentrums NCSC Unternehmen aus der Telekommunikationsbranche und die Aufsichtsbehörde, dass die Benutzung von ZTE-Geräten oder Dienstleistungen eine Gefahr für die nationale Sicherheit darstellen könne.



Quellen: circuit breaker, Business Insider, CNN, Handelsblatt, Handelsblatt, DerStandard, ZDNet | Bildquelle kleines Bild: ZTE  | Autor: Redaktion inside handy
News bewerten:
 
8 / 10 - 3Stimmen

Themen dieser News: ZTE, China-Handys, Mobilfunk-News, Unternehmen und Märkte

Kommentar schreiben


 
 
VERWANDTE NEWS

alle News ansehen