Update Cambridge-Analytica-Skandal Facebook-Datenskandal: Weit mehr als 87 Millionen betroffene Nutzer

vom 19.04.2018, 15:57
Facebook Update
Bildquelle: Facebook

Die Ereignisse rund um das britische Datenanalyse-Unternehmen Cambridge Analytica schlagen aktuell hohe Wellen. Im Zuge der Datenschutz-Debatte steht Facebook unter anderem in der Kritik, weil die soziale Plattform Telefon- und SMS-Daten von Android-Nutzern abgegriffen hat. Nun musste Erfinder Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress Rede und Antwort stehen. Dabei kam heraus: Selbst der Facebook-Chef blieb nicht vor dem Datenmissbrauch verschont.

Der Datenskandal über Facebook nimmt kein Ende: Eine Ex-Mitarbeiterin von Cambridge Analytica berichtet, dass weit mehr als 87 Millionen Facebook-Nutzer von der Datenweitergabe betroffen sein könnten. Mit einem schriftlichen Statement äußerte sich Brittany Kaiser gegenüber dem britischen Parlament. Sie berichtet, dass neben der Umfrage des Cambridge-Professors Aleksandr Kogan auch weitere Umfragen (unter anderem die Versionen "music version" und "sex compass") mit dem Facebook-Login ausgestattet waren und Daten gesammelt haben könnten. Aus diesem Grund schätzt sie die Zahl der betroffenen Nutzer auf weit mehr als 87 Millionen.

Es kam einem Erdbeben gleich: Mitte März wurde bekannt, dass das britische Analyseunternehmen Cambridge Analytica Daten von mehreren Millionen Nutzern für die eigenen Zwecke missbraucht hat. Seither wurde das Thema nicht nur in der Politik und Presse diskutiert, sondern auch Elon Musk, der Mann hinter SpaceX- und Tesla, sorgte mit einem Facebook-Boykott für Schlagzeilen. Daraufhin folgten Erklärungen, Zusicherungen und auch Taten seitens des sozialen Netzwerks.

Zuckerberg selbst vom Skandal betroffen – Kritik von allen Seiten

Knapp 87 Millionen Facebook-Nutzer sind von dem Datenmissbrauch rund um das britische Analyseunternehmen Cambridge Analytica betroffen – einer davon ist Mark Zuckerberg. Wie der Erfinder und Chef des sozialen Netzwerkes bei einer Anhörung vor dem US-Kongress mitteilte, gehörten seine Daten selbst zu den ausgewerteten. Weitere Informationen gab er nicht bekannt, wie die dpa meldet. Zuckerberg steht den Senatoren aktuell Rede und Antwort. Auf zwei Tage verteilt musste der Facebook-Chef Fragen zu seinem Unternehmen beantworten.

Wie das "Handelsblatt" berichtet, gibt es derweil Kritik von allen Seiten an Zuckerberg. So zeigte sich Johannes Caspar, der Datenschutzbeauftragte in Hamburg, enttäuscht von den Aussagen des Facebook-Erfinders: "Die kleineren Änderungen im Datenschutz dienen im Wesentlichen der Beruhigung der Öffentlichkeit. Am Geschäftsmodell, das auf der Nutzung von Daten basiert, wird sich aber nichts ändern." Der US-Philosoph und Politikwissenschaftler Michael Sandel sieht Facebook als Bedrohung für die Demokratie, während der Verleger Michael Ringier Zuckerberg einen "Oberheuchler" nennt. Der Monopolkommissions-Chef Achim Wambach warnt hingegen vor Schnellschüssen: "Eine Zerschlagung des Unternehmens, wie es derzeit diskutiert wird, ist nicht sinnvoll. Dem Nutzer würde das nicht nützen, denn die Größe des Netzwerks ist ja gerade sein Charme."

Hunderttausende Nutzer in Deutschland betroffen

Die Auswirkungen des Datenschutzskandals von Facebook schwappen nun auch nach Deutschland. Auch wenn die betroffenen Nutzer zum größten Teil in den USA, Großbritannien oder auf den Philippinen wohnen, so sind hierzulande nun offenbar doch mehr Nutzer in den Skandal verwickelt als bislang bekannt.

Wie "Spiegel Online" berichtet, nahmen nur 65 in Deutschland ansässige Facebook-Nutzer an der entsprechenden Umfrage von Cambridge Analytica teil. Wie Facebook hingegen auf Anfrage mitteilte, wurden aber auch Daten von Freunden der Teilnehmer erfasst, wodurch sich die Zahl der Betroffenen in Deutschland nun höchstwahrscheinlich auf etwa 310.000 deutsche Nutzer erhöht. Ob es bei dieser Zahl bleibt oder sich noch einmal erhöht, bleibt abzuwarten.

Darüber hinaus haben Cambridge Analytica und Facebook mitgeteilt, dass nun doch nicht "nur" 50, sondern vielmehr sogar 87 Millionen Facebook-Nutzer von dem Datenskandal betroffen sind. Am härtesten trifft es Menschen in den USA, wo 70,6 Millionen Nutzer Opfer des Datenskandals wurden. In Großbritannien sollen es 1,1 Millionen, auf den Philippinen 1,2 Millionen Nutzer sein, die um ihre Daten betrogen wurden.

In der Chef-Etage ändert sich nichts

In einer Telefonkonferenz mit Journalisten aus aller Welt, sagte Mark Zuckerberg, er wolle trotz des Skandals weiterhin als Chef des von ihm gegründeten Unternehmens fungieren, so berichtet die ARD. Er räumte ein, Fehler gemacht zu haben und diese künftig verbessern zu wollen.

Anlässlich dessen will Zuckerberg in der kommenden Woche vor dem US-Kongress aussagen – in Europa werden allerdings Vertreter erscheinen und die Wogen glätten. Mögliche Kandidaten seien Technik-Chef Mike Schropfer oder Produkt-Chef Chris Cox.

Nutzer sollen mehr Kontrolle erhalten

Facebook arbeitet nach eigenen Angaben bereits seit geraumer Zeit an unterschiedlichen Updates mit einem Sicherheits-Fokus. Nun hat das Unternehmen einige dieser Updates in das aktive System aufgenommen – allem voran die Möglichkeit, Kontrolleinstellungen auf mobilen Endgeräten künftig schneller auffinden zu können. Konkret sind die Einstellungen nun nicht mehr auf knapp 20 verschiedenen Unterseiten verteilt, sondern können an einem einzigen Ort gefunden werden. Weiterhin wurden "veraltete Einstellungen" mit dem Ziel überarbeitet, künftig transparenter darstellen zu können, welche Informationen mit anderen Anwendungen geteilt werden.

Facebook Update
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Aktiv können Nutzer ihre Dateneinstellungen zudem künftig unter dem Punkt "Privatsphäre auf einen Blick" ändern. Dabei soll die Steuerung nun mit nur wenigen Klicks erfolgen – zeitgleich lassen sich hier die verbesserten Erklärungen zu den einzelnen Punkten einsehen. Zu den weiteren Sicherheits-Tools gehören unter anderem eine zweistufige Authentifizierung und das aktive Beeinflussen der Werbeanzeigen. Zu guter Letzt hat Facebook sein System um eine Funktion mit der Bezeichnung "Zugriff auf deine Informationen" erweitert, mit der man eigene Daten wie Beiträge, Reaktionen, Kommentare sowie die Suchhistorie verwalten und löschen kann. Ergänzend können Nutzer künftig eine Sicherheitskopie der Daten herunterladen – sowohl einzelne Informationen als auch die kompletten Inhalte. Dazu zählen mitunter Informationen wie hochgeladene Fotos, hinzugefügte Kontakte und Beiträge in der Chronik. Die Datei selbst soll dann an einen anderen Service oder Online-Dienst weitergegeben werden können.

Der nächste Schritt beinhaltet die Aktualisierung der Nutzungsbedingungen sowie der Datenrichtlinien. Damit will Facebook seine Infrastruktur beziehungsweise die Vorgänge, die das Sammeln und Verwenden von Daten betreffen, transparenter gestalten.

Facebook sammelt jahrelang Handy- und SMS-Daten – mit Zustimmung der Nutzer

Was wissen soziale Medien wie Facebook über ihre Nutzer? Diese Frage wird seit dem Aufkommen der Plattformen rund um die Jahrtausendwende diskutiert und ist im Jahr 2018 so aktuell wie nie. So fanden Mitte März 2018 die britischen Zeitungen "Observer" und "The Guardian" heraus, dass sich das Datenanalyse-Unternehmen Cambridge Analytica Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzer angeeignet hat. Im Rahmen des Skandals wurde auch über die Beeinflussung von Menschen im US-Wahlkampf aus dem Jahr 2017 und der Brexit-Abstimmung gesprochen.

Für Handy-Nutzer besonders interessant sind aber die aktuellen Entdeckungen einige Protestler. Im Rahmen der #deletefacebook-Kampagne, die zum Löschen des eigenen Facebook-Profils aufruft, haben ehemalige Mitglieder sich ihre beim sozialen Netzwerk hinterlegten Daten geben lassen. In diesem ZIP-Ordner sind zur Verwunderung vieler Nutzer auf Twitter auch Handy- und SMS-Daten zu finden. Dies gilt aber nur für Android-Besitzer. Auf iPhones sind die Informationen nicht verfügbar.

Facebook reagierte auf die Kritik und stellt klar, dass die Informationen nicht ohne Erlaubnis des Nutzers abgerufen werden. So fragen sowohl die Apps des Facebook Messenger als auch von Facebook Lite aktiv danach, ob sie solche "Parameter" aufzeichnen dürfen. Nutzern ist es darüber hinaus möglich, das Feature wieder auszustellen. Laut des Unternehmens werden alle bis dahin gesammelten Daten dann auch wieder gelöscht. Wie Facebook weiterhin bekannt gibt, sammelt diese Funktion keine Inhalte von Anrufen oder SMS und man habe keine dieser Daten verkauft.



Quellen: Observer / The Guardian, Facebook, Handelsblatt, The Guardian | Bildquelle kleines Bild: Facebook | Autor: Redaktion inside handy
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Themen dieser News: Facebook, Android, Apps und Software, Internet und digitale Welt, Smartphones

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