Sebastian Ulrich: "Unsere Markenbekanntheit ist heute noch unfassbar hoch"

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Sebastian Ulrich von HMD Global
Bildquelle: HMD Global / Sebastian Ulrich
HMD Global ist es in nur wenigen Monaten gelungen, die Handy-Kultmarke Nokia zu reanimieren. Nach dem Windows-Intermezzo stehen Nokia-Smartphones heute vor allem für eines: Ein für die finnische Marke typisches Design und schnelle Updates. inside-handy.de hatte in Person von Chefredakteur Hayo Lücke die Möglichkeit, mit HMD-Global-Manager Sebastian Ulrich, unter anderem für den deutschen Markt verantwortlich, über die neue Strategie zu sprechen.

inside-handy.de: Seit einem Jahr ist HMD Global mit der Marke Nokia zurück auf dem Mobilfunk-Markt. Wie läuft’s?

Ulrich: In einem Wort: Großartig! Wir haben weltweit im vergangenen Jahr – obwohl wir erst im August so richtig gestartet sind – schon über 70 Millionen Geräte verkauft und sind auch mit Feature Phones sehr erfolgreich. In Deutschland läuft zum Beispiel auch das neu vorgestellte Nokia 3310 sehr gut.

inside-handy.de: Tatsächlich? Wer kauft hierzulande denn noch so eine Art von Mobiltelefon?

Ulrich: Es gibt verschiedene Kundengruppen, die das Nokia 3310 attraktiv finden. Zum Beispiel Menschen, die einfach nur erreichbar sein möchten oder natürlich eine ältere Zielgruppe, die Nokia noch aus der Vergangenheit kennt. Auf der anderen Seite aber auch junge Leute, die sich zum Beispiel auf eine Reise begeben, wo sie befürchten müssen, dass der Akku nicht ausreichend lange hält.

inside-handy.de: Inzwischen ist das Nokia 3310 ja auch schon wieder ein Jahr alt, nachdem es auf dem MWC im Jahr 2017 vorgestellt wurde. In diesem Jahr war auf der Messe das neue Nokia 8110 ein kleines Highlight. Wird das zu einer Art „running gag“, mit altbekannten Handys den Markt zu überraschen?

Ulrich: Kein anderer Hersteller hat die Möglichkeit, auf so viele „Classic„-Modelle zurückzugreifen wie es HMD Global mit Nokia kann. Das wollen wir natürlich nutzen. Im Vergleich zum neuen Nokia 3310 ist das neue Nokia 8110 mit einem anderen Betriebssystem ausgestattet. Es ist sozusagen ein „Smart Feature Phone“ – mit Google Search, Google Maps und Google Assistant. Selbst eine Sprachsteuerung fehlt nicht. Und wer möchte, kann sein Google-Konto sogar auf dem Nokia 8110 synchronisieren.

inside-handy.de: Blicken wir in die Gegenwart: Warum hat das Nokia 6 mit dem Nokia 6 (2018) so schnell einen direkten Nachfolger bekommen?

Ulrich: Mit Blick auf das alte Nokia 6 ist das neue Nokia 6 eine Evolution – ein bisschen so wie eine neue Generation des VW Golf. Es ist markant geblieben, hat aber ein helleres Display und eine bessere Kamera mit Optik von Carl Zeiss.

inside-handy.de: Und wann kommt das Nokia 9? Damit wurde von vielen ja schon zum vergangenen MWC gerechnet.

Ulrich: Das Jahr ist noch lang. Wir glauben aber, das möchte ich an dieser Stelle betonen, dass wir jetzt, beim Nokia 1 angefangen und bis hin zum Nokia 8 Sirocco, ein starkes Line-up an Telefonen am Start haben. Freie Nummern sind ja noch ein paar vorhanden, ein Nokia 4 wird es aber nicht geben, das kann ich schon mal verraten.

inside-handy.de: Es wird bereits gemunkelt, dass HMD Global an 5G-Telefonen bastelt und möglicherweise das Nokia 9 in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle einnehmen soll.

Ulrich: Wir arbeiten eng mit Nokia im Bereich 5G zusammen. Ich glaube, das muss man zum jetzigen Zeitpunkt auch machen, um zum Start von 5G vorne mit dabei sein zu können. Wenn der neue Mobilfunkstandard für den Endkunden greifbar sein wird, wollen wir auf jeden Fall mit entsprechenden Geräten mit dabei sein. Welches Gerät am Ende das erste 5G-Smartphone aus dem Hause HMD Global sein wird, ist offen.

inside-handy.de: Bis dahin geht es wahrscheinlich ohnehin nur darum, weiter fleißig Marktanteile zu sammeln…

Ulrich: Wir müssen und wollen Marktanteile gewinnen. In den nächsten zwei bis vier Jahren wollen wir zu den Top-3-Smartphone-Herstellern der Welt gehören. Dazu stehen wir und wir sind überzeugt, dass wir mit unserem Partner-Modell, bestehend aus Foxconn, Carl Zeiss, Google und Nokia, dieses Ziel auch erreichen werden. Unser Vorteil ist, dass wir fast niemandem erklären müssen, wer oder was Nokia ist. Die Markenbekanntheit ist auch heute noch unfassbar hoch.

inside-handy.de: Und ein Versprechen hat HMD Global allen potenziellen Kunden in Bezug auf die Partnerschaft mit Google auch gegeben.

Ulrich: Richtig, wir müssen den Leuten da draußen im Grunde nur noch erklären, dass Nokia jetzt mit Android läuft und die heutzutage so wichtigen, Sicherheits-Updates schnell zur Verfügung gestellt werden – bei jedem Produkt ab dem Datum des Verkaufsstarts monatlich für zwei Jahre und ab dem dritten Jahr dann einmal pro Quartal. Wir sind mit unserer Update-Politik, die übrigens auch unsere günstigen Geräte ab 150 Euro einschließt, inzwischen Googles größter Partner.

inside-handy.de: Klingt nach viel Arbeit.

Ulrich: Stimmt, aber damit sind wir total glücklich. Inzwischen kommen wir auf weltweit etwa 600 Mitarbeiter und haben viele Dinge komplett neu beginnen müssen, wie man es sich bei einem Start-Up auch vorstellt. Der Erfolg gibt uns aber Recht und wir wollen weiter wachsen.

inside-handy.de: Werden wir von Nokia irgendwann eigentlich auch Smartphones sehen, die den Digitalradio-Standard DAB+ unterstützen?

Ulrich: Eine gute Frage. Technisch wäre das wahrscheinlich möglich, aber man muss auch auf die Lizenzkosten achten. Derzeit würde DAB+ ein Gerät noch überdurchschnittlich teuer machen.

inside-handy.de: Herr Ulrich, vielen Dank für Ihre Zeit und für das Gespräch.

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