Test Mehr Power als das Lite, weniger Kamera als das Pro Huawei P20 im Test: Der gute Kompromiss

vom 04.05.2018, 12:16
Huawei P20 im Test
Bildquelle: Michael Stupp / inside handy

Das zweite im Bunde: Das Huawei P20 ist namensgebend für Huaweis Frühjahrs-Familie 2018. Streng genommen verkörpert es die mittlere Stufe der Reihe; es ist unterhalb des P20 Pro angesiedelt und liegt preisliche und technisch oberhalb des günstigsten der P-Serie, dem P20 Lite. Warum das Huawei P20 dennoch weit vom Mittelmaß entfernt ist, verrät der Testbericht von inside handy.

Ist es der heimliche Star im aktuellen Portfolio der P20-Serie von Huawei? Das P20 ist günstiger als das P20 Pro und auf dem Papier deutlich besser als das P20 Lite. Ist das P20 also nur ein Kompromiss zwischen den beiden "Extremen", die Huawei anbietet? Im Test muss das Handy zeigen, wo es wirklich steht.

Angesichts des Preises von knapp 650 Euro schmeckt das Datenblatt ziemlich nach Oberklasse. Der Prozessor ist klar aus der Flaggschiff-Serie gegriffen und auch die Kamera zeigt Merkmale teurer Spitzenklasse. Daneben muss das Handy aber auch ein gutes Handling haben, ein eindrucksvolles Display vorweisen können und nicht zuletzt eine starke Akku-Performance an den Tag legen um vorne mit dabei zu sein.

Die technischen Daten der P20-Familie in Übersicht und Vergleich:

 Huawei P20Huawei P20 LiteHuawei P20 Pro
 
Huawei P20
Bildquelle: Huawei
Huawei P20 Lite
Bildquelle: Huawei
Huawei P20 Pro
Bildquelle: Huawei
Display

5,8 Zoll,

1.080 x 2.240 Pixel

5.84 Zoll,

1.080 x 2.280 Pixel

6,1 Zoll,

1.080 × 2.240 Pixel

Betriebssystem-Version Android 8.1 (Oreo), EMUI 8.1 Android 8.0 (Oreo), EMUI 8.0 Android 8.1 (Oreo), EMUI 8.1
Prozessor Kirin 970
Octa-Core / 4 x 2,36 GHz, 4 x 1,8 GHz
Kirin 659
Octa-Core / 4 x 2,36 GHz, 4 x 1,7 GHz
Kirin 970
Octa-Core / 4 x 2,36 GHz, 4 x 1,8 GHz
RAM 4 GB 4 GB 6 GB
interner Speicher 128 GB 64 GB 128 GB
MicroSD nein Ja (256 GB) nein
Kamera vorne/hinten 24 MP / 20 + 12  MP 16 MP / 16 + 2 MP 24 MP / 40 + 20 + 8 MP
Fingerabdruckscanner Ja
Akku 3.400 mAh 3.000 mAh 4.000 mAh
WLAN 2,4 & 5 GHz 2,4 GHz 2,4 & 5 GHz
USB-Port USB 3.1 Typ-C
IP-Zertifizierung keine IP67 (Schutz vor Untertauchen)
Abmessungen (mm) 149,1 × 70,8 × 7,65 148,6 × 71,2 × 7,45 155 × 73,88 × 7,65
Farben

Blau, Schwarz, Pink-Gold

Blau, Schwarz, Sakura Pink, Gold

Schwarz, Blau, Twighlight
Einführungspreis 649 EUR

369 EUR

899 EUR

verfügbar ab  April 2018 März 2018 April 2018

Design und Verarbeitung

Huawei zeigt sich bei der Gestaltung seiner neuen Serie teilweise innovativ, vor allem aber konsequent. Denn die Verwandtschaft zu den beiden Serienbrüdern ist nicht von der Hand zu weisen.

Das Huawei P20 hat sein Metallkleid zum großen Teil abgestreift und baut jetzt auf eine Rückseite aus Glas. Damit folgt es dem Trend, den schon das Samsung Galaxy S9 und das Apple iPhone X zelebrieren. Der Schritt war, nachdem das Mate 10 Pro aus eigenem Hause schon mit einer Glas-Rückseite ausgestattet wurde, vorhersehbar und bietet somit keine Überraschung. Trotzdem ist der Schritt zusammen mit dem geänderten Format eine Zäsur in der Designsprache.

Die Front hat sich durch das größere Display stark modernisiert und kommt nun mit abgerundeten Display-Ecken und kleinen Rändern. An drei der Seiten noch von einem Rand zu sprechen, ist jedoch fast übertrieben. Nur noch am unteren Rahmen tut sich eine nennenswerte Fläche auf. Sie bietet dem Fingerabdrucksensor Platz, der jedoch etwas hineingequetscht aussieht. Der Rand oberhalb des Displays beschränkt sich auf den mittleren Teil des Smartphones. Die Notch, bei Huawei Einschnitt genannt, wird genutzt, um die Frontkamera und den Lautsprecher zum Telefonieren unterzubringen.

Dreht man das Smartphone in der Hand kommen die ersten Parallelen zum Vorgängermodell P10 zum Vorschein. Die Tastenanordnung und auch der farbliche Akzent am Power-Button wurden beibehalten. Dazu ist das SIM-Kartenfach an der gleichen Stelle wie beim 2017er-Modell in das Gehäuse eingebaut. Der untere Rahmenteil wurde jedoch verändert: Die Klinkenbuchse ist Geschichte und statt ihrer ist ein zweites Lautsprechergitter zu sehen, das jedoch keinen Lautsprecher beherbergt, es dient lediglich der Symmetrie. Dazu sind die Schraubenköpfe verschwunden, die noch beim P10 rechts und links neben dem USB-Port positioniert waren.

Huawei P20 im Test: Hands-On

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    Hands-On-Bild des Huawei P20.
    Bildquelle: Michael Stupp / inside handy
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    Hands-On-Bild des Huawei P20.
    Bildquelle: Michael Stupp / inside handy

Die Rückseite hat sich im Vergleich zum P10 am extremsten verändert: Das verwendete Glas spiegelt und die Farben darunter glänzen wie eine Speckschwarte. Das ist nicht negativ gemeint, sondern macht nur deutlich, wie weit man sich vom zum Teil matten Design des Vorgängers entfernt hat. Das Testgerät der Redaktion trägt die Farbe "Pink". Tatsächlich ist es aber eher ein Cremeweiß, das einen pinkstichigen Farbverlauf aufweist. Dieser wechselt je nach Schimmerrichtung auch mal ins Grünlich-Blaue und erinnert minimal an die Highlight-Farbe "Twilight" des P20 Pro. Mit den Farben hat Huawei insgesamt aber ins Schwarze getroffen. Sie gefallen durch die Bank und lassen das Gesamtdesign innovativ wirken. Dennoch hat Huawei das Handy keinesfalls neu erfunden - eher umgedeutet, wenn man die Rückseite betrachtet:

Die Kamera liegt nun vertikal statt horizontal im Gehäuse und zeigt die Richtung, die das Design transportieren soll: "Hey Leute, ich bin mehr Kamera als Smartphone", hört man die Designer flüstern. Der Eindruck wird durch die Beschriftung der Rückseite unterstrichen: Auch hier ist alles Vertikal angeordnet und legt nahe, das Handy im Querformat zu halten. Bei der Einbindung der Kamera verzichtet Huawei auf die Zweifarbigkeit und das Versenken der Module im Gehäuse. Dadurch entsteht ein Buckel, den man von Huawei so nicht gewohnt ist, der sich jedoch schon im Mate 10 Pro angedeutet hat.

Hands-On des Huawei P20

Nimmt man das Huawei P20 in die Hand wundert man sich über das kompakte Gehäuse. In Anbetracht des großen Displays wirkt es fast schon zierlich. Auch die Tiefe mit unter 8 mm fühlt man in der Hand. Die ersten Eindrücke der Kompaktheit verfliegen aber recht fix, sobald man sich die Konkurrenz in Erinnerung ruft, die ähnliche Display-zu-Gehäuse-Verhältnisse anbietet.

Das Gehäuse ist an allen Ecken und Kanten abgerundet, jedoch wirkt es nicht rundgelutscht. Hier ist Huawei bei der Haptik ein kleines Kunststück gelungen und verbindet Geradlinigkeit und Charakter mit einem sehr angenehmen Tragegefühl. Das Gewicht - auf dem Papier stehen 165 Gramm - ist ebenfalls im angenehmen Bereich und das Handy ist gut ausbalanciert. Die Materialien fühlen sich hochwertig an und die Übergänge können sich nicht nur sehen, sondern auch spüren lassen.

Die Taster an der rechten Flanke schlagen in die gleiche Kerbe: Tolle Haptik paart sich mit guter Erreichbarkeit, einem angenehmen Hub und festem Druckpunkt. Der Homebutton fällt wie beim Design etwas aus dem Rahmen. Er ist plan eingelassen und besitzt keinen mechanischen Druckpunkt. Das Vibrationsfeedback kommt nach anfänglicher Trägheit aber schnell und passend.

Kein gänzlich neues, aber ein schönes Handydesign präsentiert Huawei mit dem P20. Abzüge gibt es für die Scharfkantigkeit der Kamera. Positiv hervorzuheben ist der Hingucker-Effekt der neuen Farbvarianten.

Einzelwertung: 4,5 von 5 Sternen

Display

Ein weiterer Unterschied zwischen Basis- und Pro-Modell. Beim Huawei P20 setzt der Hersteller kein OLED-, sondern ein TFT-Display ein und spart damit Geld, liefert aber auch ein Argument für den günstigeren Preis.

Worin sich die Displaytechnologien insgesamt unterscheiden, erklärt die Redaktion in einem gesonderten Artikel.

Einige der Unterschiede erkennt aber auch der Laie bereits beim Hingucken. Vergleicht man die beiden Handys, erkennt man die Leistungsfähigkeit des OLED-Panels im P20 Pro vor allem rund um den Display-Einschnitt und wenn man diesen verbirgt oder er durch Vollbild-Apps verborgen wird. Beim P20 Pro ist die "Notch" nun quasi unsichtbar, dank OLED-Technik schafft das Display im gewollten Bereich ein annähernd "echtes Schwarz". Beim P20 erkennt man den Einschnitt trotz schwarz gefärbtem, bündigem Balken noch deutlich. Der Schwarzwert ist hier schwächer.

Soviel zur Technologie. Für sich alleine stehend, ist das Display im P20 für die allermeisten Anwendungen absolut brauchbar. Womöglich treffen die etwas blasseren Farben im Vergleich zu OLED auch den ein oder anderen Geschmack etwas besser.

Huawei P20 mit Einschnitt
Bildquelle: Michael Stupp / inside handy

Der "Einschnitt" im Display des Huawei P20.

Bei den technischen Merkmalen nehmen sich die beiden Brüder dann wiederum fast nichts: Das P20-Basismodell hat dank kleinerem Bildschirm – 5,8 statt 6,1 Zoll – sogar die etwas höhere Pixeldichte: 429 ppi. Im Marktvergleich der Oberklasse sind das keine herausragenden Werte, da sich QHD und teilweise sogar 4K bereits durchgesetzt haben. Für den Alltag ist Full HD+ allerdings ausreichend und im Endeffekt auch energiesparender.

Das Display im P20 kann überzeugen. An der Stelle, wo sich die Spreu vom Weizen oder die Mittel- von der Oberklasse trennt, muss das Handy aber abreißen lassen. Hier ist es eher mittelprächtig.

Einzelwertung: 4 von 5 Sternen

Ausstattung und Leistung

Dass das Huawei P20 letztendlich doch klar in die Flaggschiff-Schublade gesteckt werden kann, zeigt der Prozessor. Der Kirin 970 ist das Nonplusultra der Chipsätze von Huawei, nicht aber das Nonplusultra des Smartphone-Marktes. Der Benchmark-Test zeigt, dass der Prozessor, der eine Taktrate von bis zu 2,36 GHz erreichen soll, und seine Nebenkomponenten nicht die ganz große Leistung zu vollbringen vermögen.



Bildquelle kleines Bild: inside-handy.de / Michael Büttner | Autor: Michael Stupp
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Themen dieser News: Testcenter, China-Handys, Hands-On, Huawei, Mobilfunk-News, Oberklasse-Smartphones, Smartphones, Technik

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