Erste Eindrücke des Flaggschiffs Huawei P20 im Benchmark: Gefangen zwischen Oberklasse-Stühlen

vom 12.04.2018, 11:34
Huawei P20
Bildquelle: inside-handy.de / Michael Büttner

Huawei hat seine neue P20-Linie vorgestellt und geht mit gleich drei Smartphones an den Start. Mit dem P20 Lite wird die Mittelklasse, mit dem P20 die Oberklasse und mit dem P20 Pro die High-End-Klasse beackert. Die Redaktion von inside-handy.de konnte sich in einem ersten Hands-On und einem Benchmark-Test einen Eindruck vom Huawei P20 verschaffen.

Huaweis P-Familie hat seinen zweiten kleinen Nomenklatursprung gemacht. Nachdem das "Ascend" wegfiel, verlässt man nun die Durchnummerierung mit P7, P8 und P9 und es folgt auf die P10-Familie direkt die P20-Generation. Damit einher geht auch ein radikaler Schritt in Sachen Design und Materialauswahl. Doch das ist nicht alles, was sich Huawei an Neuem für das P20 ausgedacht hat.

Unboxing des Huawei P20

Das Sandwich-Kind der aktuellen Huawei-Generation hat seinen Weg in die Redaktion gefunden. Die Verpackung des Handys unterscheidet sich kaum von den Schachteln der Geschwister P20 Lite und P20 Pro sowie von denen der früheren Modelle. Huawei zeigt sich beim Design gewohnt minimalistisch. Ein Schriftzug, zwei Logos und viel weiße Fläche prangern auf der Vorderseite. Auf den Seiten präsentiert sich ein ähnliches Bild.

In der Regel zeigt sich Huawei bei der Ausstattung des Handys wenig spendabel und legt neben dem Smartphone nur das Ladekabel samt Netzteil, ein SIM-Karten-Werkzeug sowie die Kopfhörer bei. Während das Ladekabel angenehm gummiert ist, kommen die Kopfhörer etwas minderwertig daher. Da beim neuen P20 auch der Klinkenanschluss verloren geht, liefert Huawei allerdings einen USB-Typ-C-Adapter mit.

Benchmark-Test des Huawei P20

Im Inneren unterscheidet sich das kleine Flaggschiff kaum von seinem großen Bruder: So ist das Huawei P20 wie auch das P20 Pro mit dem Kirin-970-Prozessor ausgestattet. Der Chip feierte im Herbst 2017 seine Premiere und war erstmalig im Huawei Mate 10 Pro verbaut. Beim Arbeits- und internen Speicher setzt das P20 auf 4 GB und 128 GB Kapazität. Letzterer ist nicht erweiterbar, da ein SD-Karten-Slot fehlt. Beim RAM zeigt sich der einzige Unterschied zum großen Flaggschiff: Das P20 Pro kommt mit 6 GB Arbeitsspeicher. Welche Auswirkung das auf den Benchmark-Test hat, muss der Probelauf mit AnTuTu in der Version 7.0.7 zeigen.

Antutu 7.0 Huawei P20
Bildquelle: Michael Büttner / inside-handy.de

Im Benchmark-Test steht das Huawei P20 mit einer Wertung von 205.561 Punkten etwas zwischen den Stühlen. Einerseits handelt es sich dabei um eine klare Flaggschiff-Wertung aus dem oberen Drittel. Jedoch innerhalb der Top-Smartphones verliert das neue Huawei-Handy etwas den Anschluss. So sind die aktuellen Spitzenreiter wie das Sony Xperia XZ2 Compact mit 264.971 Punkten oder das Samsung Galaxy S9 mit 244.895 Punkte dem Huawei P20 weit voraus. Im Vergleich zu ehemaligen Spitzenmodellen wie dem Vorgänger P10 mit 124.418 Punkten und dem Samsung Galaxy S8 mit 166.163 Punkten zeigt sich jedoch der Technologie-Sprung.

Benchmark-Tests im Vergleich (AnTuTu 7.0)

Umfeld Modell Benchmark-Wert
Testgerät Huawei P20  205.561
     
 direkte Konkurrenten  Samsung S9 244.895
Honor View 10 175.808  (Antutu 6.2.7)
Sony Xperia XZ2 258.397
     
 ehemalige Spitzenmodelle  Samsung S8 166.163
Huawei P10 124.418
Huawei Mate 10 Pro 212.419
     
 aktuelle Referenz (Android) Sony Xperia XZ2 Compact 264.971
Huawei P20 Pro 208.497
Samsung S9+ 249.185

Die eher durchschnittliche Wertung des Huawei P20 ist keine Überraschung: Da ein Prozessor aus 2017 zum Einsatz kommt, kann die Performance nicht mehr mit aktuellen Chips wie dem Snapdragon 845 von Qualcomm oder dem Exynos 9810 von Samsung mithalten. Das sollte jedoch nicht falsch verstanden werden: Die Leistung des Huawei P20 Pro, die dem P20 mit einer Bewertung von 208.497 Punkten sehr ähnlich ist, zeigte im ausführlichen Test keine Schwächen.

Das Huawei P20 im Test

Wie immer ist zu beachten, dass Benchmark-Tests lediglich theoretische Werte sind, die einen groben Eindruck von der Leistung eines Gerätes geben. In den kommenden Tagen wird die Redaktion von inside-handy.de das Huawei P20 genau unter die Lupe nehmen und durch einen anspruchsvollen Testparcours jagen.

Huawei P20 – Die technischen Daten

Die technischen Eckpfeiler des Huawei P20 sind zum Teil vom neuen Design beeinflusst. Vor allem das neue Display-Format wirkt sich deutlich auf die Spezifikationen aus. Dazu kommen andere Materialien, die beispielsweise induktives Laden ermöglichen.

Die technischen Daten des Huawei P20 in der Übersicht

  Huawei P20
Betriebssystem Android 8.1 mit EMUI 8.1
Display

5,8 Zoll TFT
1.080 x 2.240 Pixel
428 ppi

Speicherplatz 128 GB
Prozessor Huawei Kirin 970
Octa Core (4 x 2,36 GHz, 4 x 1,8 GHz)
Arbeitsspeicher 4 GB
Kamera (Rückseite) Leica Dual-Kamera (20 / 12 Megapixel)
Kamera (Front) 24 Megapixel
IP-Zertifizierung nein
WLAN 802.11 a/b/g/n/nc auf 2,4 & 5 GHz
Akku 3.400 mAh
SIM-Karte Nano SIM / 2 x Nano-SIM bei Dual-SIM-Variante
Preis 649 Euro
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Die SAR-Werte des neuen Huawei-Smartphones liegen bei 0,76 W/kg (Kopf) und 1,26 W/kg (Körper).

Design und Verarbeitung

Das Huawei P20 hat sein Metallkleid zum großen Teil abgestreift und baut jetzt auf eine Rückseite aus Glas. Damit folgt es dem Trend, den schon das Samsung Galaxy S9 und das Apple iPhone X zelebrieren. Der Schritt war, nachdem das Mate 10 Pro aus eigenem Hause schon mit einer Glas-Rückseite ausgestattet wurde, vorhersehbar und bietet somit keine Überraschung. Trotzdem ist der Schritt zusammen mit dem geänderten Format eine Zäsur in der Designsprache.

Die Front hat sich durch das größere Display stark modernisiert und kommt nun mit abgerundeten Display-Ecken und kleinen Rändern. An drei der Seiten noch von einem Rand zu sprechen, ist jedoch fast übertrieben. Nur noch am unteren Rand tut sich eine nennenswerte Fläche auf. Sie bietet dem Fingerabdrucksensor Platz, der jedoch etwas hineingequetscht aussieht. Der Rand oberhalb des Displays beschränkt sich auf den mittleren Teil des Smartphones. Die Notch, also der Einschnitt in das Panel am oberen Display-Rand, wird genutzt, um die Frontkamera und den Lautsprecher zum Telefonieren unterzubringen. Damit geht Huawei wieder mit dem Trend.

Dreht man das Smartphone in der Hand kommen die ersten Parallelen zum Vorgängermodell P10 zum Vorschein. Die Tastenanordnung und auch der farbliche Akzent am Power-Button wurden beibehalten. Dazu ist das SIM-Kartenfach an der gleichen Stelle wie beim 2017er-Modell in das Gehäuse eingebaut. Der untere Rahmenteil wurde jedoch verändert: Die Klinkenbuchse ist Geschichte und statt ihrer ist ein zweites Lautsprechergitter zu sehen. Dazu sind die Schraubenkopfe verschwunden, die noch beim P10 rechts und links neben dem USB-Port positioniert waren.

Huawei P20 Hands-On

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    Das Huawei P20 im Hands-On bei inside-handy.
    Bildquelle: Michael Büttner / inside-handy.de
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    Das Huawei P20 verfügt über eine Dual-Haupt-Kamera.
    Bildquelle: Michael Büttner / inside-handy.de

Die Rückseite hat sich im Vergleich zum P10 am extremsten verändert: Das verwendete Glas spiegelt und die Farben darunter glänzen wie eine Speckschwarte. Das ist nicht negativ gemeint, sondern macht nur deutlich, wie weit man sich vom zum Teil matten Design des Vorgängers entfernt hat. Die Kamera liegt nun vertikal statt horizontal im Gehäuse und zeigt die Richtung, die das Design transportieren soll: "Hey Leute, ich bin mehr Kamera als Smartphone", hört man es die Designer flüstern. Der Eindruck wird durch die Beschriftung der Rückseite unterstrichen: Auch hier ist alles Vertikal angeordnet und legt nahe, das Handy im Querformat zu halten. Bei der Einbindung der Kamera verzichtet Huawei auf die Zweifarbigkeit und das Versenken der Module im Gehäuse. Dadurch entsteht ein Buckel, den man von Huawei so nicht gewohnt ist, der sich jedoch schon im Mate 10 Pro angedeutet hat.

Das Design kann gefallen, auch wenn es ein wenig an Individualität gegenüber dem Vorgänger verloren hat. Die Front wirkt austauschbar und der Homebutton etwas hineingedrückt. Das Heck dagegen wirkt frisch und die Querausrichtung gibt ihm einen gewissen Touch. Zur Wahrheit gehört aber auch: Das Handy neu erfunden hat Hauwei nicht.

Hands-On des Huawei P20

Nimmt man das Huawei P20 in die Hand wundert man sich über das kompakte Gehäuse. In Anbetracht des großen Displays wirkt es fast schon zierlich. Auch die Tiefe mit unter 8 mm fühlt man in der Hand. Die ersten Eindrücke der Kompaktheit verfliegen aber recht fix, sobald man sich die Konkurrenz in Erinnerung ruft, die ähnliche Display-zu-Gehäuse-Verhältnisse anbietet.

Das Gehäuse ist an allen Ecken und Kanten abgerundet, jedoch wirkt es nicht rundgelutscht. Hier ist Huawei bei der Haptik ein kleines Kunststück gelungen und verbindet Geradlinigkeit und Charakter mit einem sehr angenehmen Tragegefühl. Das Gewicht - auf dem Papier stehen 165 Gramm - ist ebenfalls im angenehmen Bereich und das Handy ist gut ausbalanciert. Die Materialien fühlen sich dabei hochwertig an und die Übergänge können sich nicht nur sehen, sondern auch spüren lassen.

Die Taster an der rechten Flanke schlagen in die gleiche Kerbe: Tolle Haptik paart sich mit guter Erreichbarkeit, einem angenehmen Hub und festem Druckpunkt. Der Homebutton fällt wie beim Design etwas aus dem Rahmen. Er ist plan eingelassen und besitzt keinen mechanischen Druckpunkt. Dafür reagiert er in einer kurzen, ersten Hands-On-Zeit etwas träge und muss wohl noch softwareseitig angepasst werden. Darauf wird im kommenden Test des Huawei P20 ein besonders waches Auge geworfen.

Display – Das kleinste der großen Huaweis

Mit dem Seitenverhältnis von 18,7:9 besitzt man nun ein eigenes Format, das sich zwischen dem des Samsung Galaxy S9 – 18,5:9 – und dem des iPhone X ansiedelt. Damit ergibt sich eine FHD+-Auflösung von 1.080 x 2.240 Pixeln. Zusammen mit der Bildschirmdiagonale von 5,8 Zoll – damit ist das P20 das kleinste Modell der neuen P-Generation - ergibt sich eine Pixeldichte von 428 ppi und liegt damit in einem Bereich, der nur noch von Display-Gourmets und VR-Junkis kritisiert werden kann.

Mit der Entscheidung auf das neue Format zu setzen und gleichzeitig die Auflösung beim altbewährten Full-HD-Standard zu belassen, begibt sich Huawei auf dünnes Eis in die Moderne. Die Auflösung wird bei den kommenden Tests aufgrund des technisch maximal mehr Möglichen sicherlich kritisiert werden, auch wenn es im Alltag wohl wenig zu mäkeln geben wird. Denn in aller Regel reicht eine Full-HD-Auflösung bei einem Smartphone-Display für das menschliche Auge vollkommen aus.

Huawei P20 gegen P20 Pro

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    Das Huawei P20 (rechts) und P20 Pro (links) im Vergleich bei Inside-Handy.
    Bildquelle: Michael Büttner / inside-handy.de
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    Das Huawei P20 Pro (links) verfügt über einen 4.000 mAh Akku dagegen hat das P20 (rechts) nur 3.400 mAh.
    Bildquelle: Michael Büttner / inside-handy.de

Im ersten Eindruck zeigt sich, dass das Display scharf und mit ordentlichen Farben abbildet. Die Blickwinkelstabilität ist auf gutem Niveau und die maximale Helligkeit kommt gegen das sehr helle Umgebungslicht passabel an. Die Bedienung gelingt nicht mehr einhändig. Zumindest wenn man in die oberen Ecken des Displays reichen will. Dafür hat Huawei jedoch einen Einhandmodus implementiert, der mit einem Streichen über die Navigations-Buttons aktiviert wird. So können Links- wie Rechtshänder eine Steuerung ohne Zusatzhand realisieren.

Huawei P20 – Die Familie im Blick

Huawei hat neben dem P20 noch weitere P-Modelle vorgestellt und die Redaktion von inside-handy.de hat sich auch sie angesehen. Dazu wurden schon die ersten Vergleiche angestellt und alle Details der Familie in einem Vorstellungs-Artikel erleutert.

Huaweis neue P20-Familie im Detail ›


Bildquelle kleines Bild: inside-handy.de / Michael Büttner | Autor: Redaktion inside handy
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Themen dieser News: Huawei, China-Handys, Hands-On, Mobilfunk-News, Oberklasse-Smartphones, Smartphones, Technik, Testcenter

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