Vectoring-Ausbau durch EWE Telekom kündigt Tausenden VDSL-Kunden

vom 14.03.2018, 08:44
Breitband-Ausbau in Deutschland
Bildquelle: Deutsche Telekom

Die Schattenseiten des Vectoring-Ausbaus müssen in diesen Tagen zehntausende Breitband-Kunden der Deutschen Telekom im Nordwesten Deutschlands kennenlernen. Laut Informationen des NDR will die Deutsche Telekom Zehntausenden VDSL-Kunden den Vertrag kündigen, damit EWE sein VDSL-Vectoring-Netz ausbauen kann. Grund: Telekom und EWE konnten sich bisher nicht auf einen entsprechenden Vectoring-Kooperationsvertrag einigen.

Aus Branchenkreisen will der NDR erfahren haben, dass es sich um rund 30.000 betroffene Anschlüsse handeln soll, die von der Telekom gekündigt werden sollen. Ein Telekom-Sprecher wollte diese Zahl zwar nicht kommentieren, bestätigte aber die allgemeine Sachlage mit dem Hinweis: "Wir machen das nicht aus Jux und Dollerei."

Vectoring-Ausbau im Nahbereich der Hauptverteiler geschieht "exklusiv"

Schon in der Vergangenheit war bekannt geworden, dass der Vectoring-Ausbau im Nahbereich rund um die Hauptverteiler aus technischen Gründen bei VDSL-Kunden zu Problemen führen kann. Denn jener Provider, der vor Ort die Vectoring-Technik nutzen und ausbauen darf, besitzt sozusagen in Bezug auf die Vermarktung ein Exklusivrecht. Andere Anbieter müssen mit dem ausbauenden Unternehmen einen Kooperationsvertrag vereinbaren oder sich mit langsameren DSL-Anschlüssen zufrieden geben.

Und genau dieses Problem tritt nun in der EWE-Region im Nordwesten auf: EWE setzt als in der Region besonders aktives Unternehmen auf den exklusiven Vectoring-Ausbau, die Deutsche Telekom hat mit zahlreichen ihrer Kunden das Nachsehen. Die betroffenen Telekom-Kunden, die bisher zum Teil mit bis zu 50 Mbit/s im Internet surfen können, sollen künftig nur noch mit maximal 16 Mbit/s online gehen können.

In der Praxis wäre die Telekom normalerweise gefordert, die durch EWE bereits ausgebauten Leitungen bei dem Lokal-Provider für einen festgelegten Betrag anzumieten – so wie es in der Vergangenheit auch viele alternative Anbieter zum Beispiel über die Teilnehmeranschlussleitung (TAL) bei der Telekom getan haben. Dann könnten auch die eigenen Kunden mit der gewohnten Geschwindigkeit im weltweiten Datennetz surfen. Bisher ist aber noch kein Vertrag zwischen EWE und Telekom geschlossen worden.

Selbst wenn es aus technischer Sicht also möglich wäre, schneller im Internet zu surfen, müssen sich die betroffenen Telekom-Kunden zunächst in Geduld üben. Solange ihr Provider keinen Vertrag mit EWE geschlossen hat, surfen sie deutlich langsamer im Internet. Warum genau Telekom-Kunden ein Kündigungs-Schreiben bekommen, hat die Telekom auch in einem Blog-Post ausführlich erläutert.



Bildquelle kleines Bild: Deutsche Telekom | Autor: Hayo Lücke
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Themen dieser News: DSL und Breitband, Internet & Digitale Welt, Unternehmen und Märkte

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