Honor-Chef über Bloatware als Service-Leistung und Update-Versprechen

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Honor 9 lite
Bildquelle: Simone Warnke/inside-handy.de
Keine Handy-Neuvorstellungen in Sicht: Der Mobile World Congress (MWC) 2018 war für die Huawei-Tochter Honor eine ruhige Veranstaltung. Dennoch hatte der Hersteller einige interessante Informationen im Gespräch mit inside-handy.de auf Lager: Unter anderem den Aufbruch in die Connected-Device-Sparte, das eigene Selbstverständnis der Marke sowie die Fehlkommunikation rund um Android 8 Oreo beim Honor 8 und nicht zuletzt auch das Thema Bloatware.

Hand in Hand ohne Smartphone-Ankündigung ging es für Huawei und die Tochter Honor auf den MWC 2018. Beide Marken präsentierten auf der Messe in Barcelona kein neues Handy, beim großen Samsung-Konkurrenten stand jedoch zumindest die baldige Veröffentlichung der neuen P-Generation, dem Huawei P20, P20 Pro und P20 Lite, an. Honor hingegen kam, was Smartphones angeht, mit leeren Händen auf die Messe. Durchaus verständlich, hatte man doch erst Ende 2017 beziehungsweise Anfang 2018 mit dem Honor View 10, Honor 7X und Honor 9 Lite drei neue Modelle vorgestellt.

Im Gespräch mit inside-handy.de zeigte Honors Deutschland-Chef Marco Eberlein, dass es aber auch darüber hinaus noch genug zu bereden gab. Unter anderem wies er auf Honors zukünftigen Ausflug in die Welt der smarten Produkte und vernetzten Geräte hin. So arbeitet der Hersteller an einer schlauen Waage. Sie soll neben dem Gewicht auch den Wassergehalt im Körper und die Muskelmasse messen können sowie viele weitere Funktionen bieten. Ergebnisse lassen sich dann einfach per App auf dem Smartphone anzeigen. Honor-typisch wird sich die Waage preislich im Rahmen halten und vor allem an die junge Generation gerichtet sein.

Marco Eberlein
Bildquelle: Honor

Honor-Deutschland-Chef Eberlein

Eberlein gab zudem zu, dass man sich schwer tat, das Honor 8 mit dem zweiten Major-Update zu versehen: „Wir versprechen für alle unsere Smartphones mindestens ein Major-Update. Wir haben lange geprüft, ob das Honor 8 ein weiteres, solches Update erhalten wird und können nun verkünden, dass im zweiten Quartal ein Update auf Android 8 Oreo kommt“, so Eberlein. Damit haben fast alle aktuellen Handys der Marke den Sprung auf die neueste Betriebssystem-Version geschafft. Zum Honor 7X läuft aktuell noch ein Beta-Test, der jedoch auch bald enden soll. Beim Honor 6X blockt Eberlein jedoch ab: „Dazu können wir aktuell keine Aussage treffen“.

„Huawei und Honor sind keine Konkurrenten“

Hintergrund der Honor-8-Ankündigung: Anfang 2018 gab es Verwirrungen um das Oreo-Update. Zunächst hieß es, dass sowohl das Honor 8 als auch das Honor 8 Pro eine Aktualisierung bekommen. Dann ruderte die indische Sparte des Unternehmens zurück und teilte mit, dass es kein Update für das Honor 8 geben werde. Darauf schaltete sich wiederum Honor Deutschland ein und ruderte seinerseits zurück: „Nach wie vor prüft Honor die Kompatibilität seiner Geräte mit Android 8“, hieß es seinerzeit in einer Mitteilung. Wie es zu diesem Missverständnis über Landesgrenzen hinweg kam, konnte Eberlein nicht erklären „Warum das in Indien nicht der Fall ist, kann ich nicht sagen. Ich kann nur für den deutschen Markt Aussagen treffen.“ Mittlerweile ist der Tweet von Honor India auch gelöscht. Allgemein sagte Eberlein dazu: „Wir kommunizieren erst, wenn wir sicher sind, dass wir etwas versprechen, was wir auch halten können.“

Wie Huawei gegenüber inside-handy.de im Interview verraten hat, sehe man Honor nicht als Partner. Die Tochter habe schließlich eigene Produkt-Teams und adressiere andere Zielgruppen. Eberlein stimmt dem letzten Punkt zu, widerspricht jedoch der Aussage zur Partnerschaft: „Huawei und Honor sind keine Konkurrenten. Wir fahren mit den beiden Brands eine klassische Zweimarken-Strategie.“ So verweist er auch auf den chinesischen Mark, in dem Honor 40 Prozent der Gesamtverkäufe von Huawei ausmache. In Deutschland sei der Wert jedoch kleiner.

Bloatware ist Service-Leistung

Um den Marktanteil hierzulande in Zukunft zu steigern, wolle man weiter an der gewählten Strategie festhalten: „Unsere Absicht bleibt es weiterhin, das beste Preis-Leistungs-Verhältnis anzubieten“, sagte Eberlein. Dies erreiche die Marke unter anderem durch ihre effiziente Arbeitsweise. Ob die aggressive Preispolitik auch mit vorinstallierter Software auf Honor-Smartphones zusammenhängt? In den Tests vergangener Handys wie dem Honor 7X und vor allem dem Honor View 10 ist der Redaktion von inside-handy.de aufgefallen, dass sich viel so genannte Bloatware auf den Modellen befindet. Eberlein bestreitet das: „Nein, das hat nichts damit zu tun.“ Bloatware sei hingegen Service-Leistung seitens Honor: „Wir haben vorinstallierte Software, weil wir durch bestimmte Applikationen und Services unserer Community einen Mehrwert bieten.“

Man spiele aktuell jedoch mit dem Gedanken, dass der Kunde seine vorinstallierte Software in Zukunft selbst auswählen könne. „So könnte der Nutzer beim Start des Handys eine Auswahl treffen. Aktuell ist da aber noch nichts spruchreif.“ Auf Nachfrage, warum sich beim Testgerät des Honor View 10 Bloatware nicht deinstallieren lässt, konnte Eberlein keine konkrete Antwort geben. Es ist jedoch hervorzuheben, dass dies ein Einzelfall zu sein scheint. Bei anderen Testgeräten aus dem Haus Honor war es problemlos möglich, vorinstallierte Software, die nicht benötigt wird, auf Wunsch zu deinstallieren.

Honor View 10 im Test: Hands-On

Das Gespräch führten David Gillengerten und Michael Büttner

Honor 9 lite Hands-On: Flaggschiff-Ableger mit Quad-Kamera

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