MWC-Gespräch mit Sony: "Wir wollen Smartphones perfektionieren"

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Bildquelle: inside-handy.de
Der Mobile World Congress (MWC) in Barcelona stand für Sony ganz im Zeichen der neuen Xperia-XZ2-Serie. Mit einem klassischen und einem kompakten Modell, die beide in einem deutlich runderen Design auf den Markt kommen, wagt Sony ein Stück weit den Neuanfang. Chefredakteur Hayo Lücke und Redakteur David Gillengerten nutzten die Chance, mit Björn Bourdin, Director Marketing Europe, und Damjan Stamcar, Launch Execution Manager, zu sprechen.

inside-handy.de: Die neuen Sony-Smartphones wurden nach langem Warten endlich der Öffentlichkeit vorgestellt. Wie ist das Feedback auf das neue Design ausgefallen?

Bourdin: „Wir sind die letzten Jahre oft dafür kritisiert worden, dass wir so kantig und eckig waren. Jetzt haben wir aber Feedback erhalten, dass wir uns „evolutionieren“ konnten, dabei aber noch typisch Sony sind und nicht wie der ganze Rest am Markt. Das ist mir persönlich wichtig.“

Stamcar: „Am Ende des Tages hast du ja nicht viel mehr als die Displays, um dich zu differenzieren. Wenn du dein Telefon auf den Tisch legst, dann ist das dein persönliches Statement – wie deine Klamotten. Dein Smartphone muss zu deinem persönlichen Stil passen. Ich denke, wir haben in diesem Bereich bisher ziemlich gute Arbeit geleistet, besonders was die Differenzierung des Designs angeht. Unsere Design-Kollegen sind zum Beispiel im regelmäßigen Austausch mit der Mode-Industrie, um die aktuellen Farb- und Design-Trends aufzuspüren.“

inside-handy.de: Design-Trends sind so eine Sache. Zur Zeit kommen zum Beispiel immer mehr „Full-Display-Smartphones“ auf den Markt. Bei Handys von Sony vermisst man diesen Trend noch. Wird Sony auch in Zukunft darauf verzichten, Smartphones zu fertigen, die über ein Display auf der gesamten Front verfügen?

Stamcar: „Sag niemals nie. Sollte es irgendwann unter Verfügbarkeit der entsprechenden Technologie möglich sein, ein 360-Grad-Display zu verbauen, warum denn nicht? Eines ist aber auch klar: Eine neue Display-Technologie muss unseren Kunden wirklich helfen. Ist das der Fall, sage ich ganz klar: Man darf sich nicht vor Innovationen, Technologien und Trends verschließen.“

inside-handy.de: Eingangs wurde schon gesagt, dass Sony für das Design seiner Handys schon häufiger kritisiert wurde. Warum hat es vier Jahre gedauert, bis die neuen Xperia-Smartphones ein neues Aussehen erhalten haben?

Stamcar: „Wenn man sich unser Design aus der Retrospektive betrachtet, dann sind etwa alle fünf Jahre große Umbrüche passiert. Ob jetzt von einem Feature-Phone zum Smartphone oder von einem Aluminium zu einem Glasdesign. Es war jetzt einfach mal wieder an der Zeit, unsere Handys umzugestalten. Die japanische Kultur an sich ist immer darauf ausgerichtet, Dinge zu perfektionieren bis irgendwann die Perfektion auch wirklich erreicht ist. Dann muss die nächste Evolution passieren. Das ist in diesem Jahr geschehen. Natürlich sehen wir, dass alle Hersteller auf 18:9-Displays wechseln und da mussten wir diesen Trend nun auch mit aufgreifen. Jetzt, wo wir verglichen mit dem Vorjahresmodell die Möglichkeit haben, mit einem fast identischen Footprint 5 Zoll beim Bildschirm zu erreichen und denselben Formfaktor zu erhalten, sagt selbst der Japaner: Jetzt ist Zeit zu wechseln.“

inside-handy.de: Trotzdem: Das Gefühl, dem Markt hinterherzulaufen haben Sie nicht? Große Display-Ränder ober- und unterhalb der Displays gibt es ja auch bei den neuen Xperia-XZ2-Modellen noch.

Stamcar: „Konkret auf das Display bezogen, haben wir uns den oberen und unteren Bereich bewusst für unsere Stereo-Lautsprecher frei gehalten. Unseren Kunden ist Sound, lauter Sound, besonders wichtig. Entsprechend haben wir besonders große Lautsprecher-Treiber verbaut. Kunden wollen Entertainment erleben. Das, was wir mit Musik und Videos über Sony Music und Sony Pictures im Konzern haben, das wollen wir auf unseren eigenen Smartphones zum Leben erwecken. Beim Xperia XZ2 haben wir zudem das Dynamic Vibration System eingebaut, das man auch von PlayStation-Controllern kennt und das einfach auch Platz braucht. Über besonders starke Vibrationen soll das Gefühl vermittelt werden, in einem Video direkt mit dabei zu sein.“

Bourdin: „Schaut man sich die Smartphones anderer Hersteller an, werden dort zum Teil Kameras verbaut, die wir schon im vergangenen Jahr genutzt haben. Ganz ehrlich: Wir sind definitiv nicht “hinten dran”.“

inside-handy.de: Sony lasst euch laut eigener Aussage gerne Zeit. War es also für die Mittel- und Einsteiger-Klasse, die auf der Consumer Electronics Show 2018 in Las Vegas vorgestellt wurden, noch nicht soweit, ein neues Design zu bekommen? Kommt das überhaupt für diese Modelle?

Stamcar: „Wenn man sich die Desgin-Sprache über unser komplettes Portfolio anschaut, dann sieht man, dass wir immer wieder das Aussehen der Premium-Modelle auch auf die anderen Linien übertragen haben. Das neue Design wird also bestimmt Einzug halten in anderen Preiskategorien. Das hat man ja auch schon in den letzten Jahren gesehen. Wir wollen Kunden aktuell noch die Möglichkeit geben, sich preislich und beim Design zu differenzieren.“

Bourdin: „Entscheidend war aber auch die Zeit. Wir haben ja diese Produkte ja recht spät veröffentlicht. Wir haben für 2018 gesagt, dass die neue Mittelklasse im Februar kommen soll. Es war zeitlich gar nicht mehr möglich, das neue Design auch in diesen Bereich zu bringen. Unterschiedlich ist aktuell eigentlich ohnehin nur die Bauweise. Der Rest wie die Inhalte und die Kamera sind sehr ähnlich.“

inside-handy.de: Haben Sie eine klare Zielgruppe vor Augen, wenn die neuen Handys designt werden?

Bourdin: „Nein, aber das hat einen Grund. Bei einer weltweiten Umfrage unter 25.000 Sony-Besitzern und Nicht-Sony-Besitzern haben wir einige interessante Sachen festgestellt: So haben wir eine hohe Dichte an Kunden, die mindestens drei Sony-Produkte im Haushalt haben. Und es gibt eine Affinität zum Gaming. Darüber hinaus spielte auch noch Musik- und Video-Streaming eine große Rolle. Das heißt, dass unsere Kunden sehr auf das Entertainment fokussiert sind. Und darauf richten wir unsere Produkte aus. Deshalb haben wir unter anderem auch das Vibrations-Feature aus dem PlayStation-4-Controller in das neue Flaggschiff Xperia XZ2 eingebaut.“

inside-handy.de: Im Weihnachtsquartal 2017 wurden deutlich weniger Smartphones verkauft also im Weihnachtsquartal 2016. Wohin soll die Reise mit Sony denn gehen?

Bourdin: „Sony glaubt an seine Mobile-Sparte. Wir haben aber auch gemerkt, dass wir viel Geld verbrennen können, wenn wir versuchen, nur Marktanteile zu kaufen oder versuchen, mehr Geräte zu verkaufen, als der Markt verträgt. Im letzten Geschäftsjahr waren wir aber zum ersten Mal profitabel und daran wollen wir festhalten. Bei Sony ist es wichtig, Visionen zu haben, um Geld zu verdienen. Wachsen wollen wir natürlich auch, aber nur in einem Maße, das die Profitablilität nicht gefährdet.

inside-handy.de: Die Kundenzufriedenheit steht also über dem möglichen, zu erzielenden Marktanteil?

Bourdin: „Auf den Marktanteil gucken wir so gut wie gar nicht mehr. Ich glaube, das ist auch nicht typisch für Sony. Jeder Mensch hat mit Sony so viele Berührungspunkte, egal ob bei Musik, bei Spielen oder bei Filmen. Uns ist wichtiger, ein wesentlicher Bestandteil von Wertschöpfungsketten zu sein als nur Marktanteile zu kaufen. Das macht einfach keinen Sinn.“

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