MWC 2018: Die Tops und Flops des Mobilfunk-Klassentreffens

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MWC 2018 Titelbild
Bildquelle: Michael Stupp / inside-handy.de; GSMA
Der Mobile World Congress 2018 (MWC) ist vorbei. Zeit, zurückzublicken und ein Fazit zu ziehen. Was waren die Tops und was waren die Flops der Messe? Die Redaktion von inside-handy.de war mit fünf Redakteurinnen und Redakteuren auf dem Klassentreffen der Mobilfunk-Branche mit von der Partie und gestattet an dieser Stelle einen ganz persönlichen Rückblick.

Hayo Lücke (Chefredakteur)

Mein Highlight des MWC 2018: Asus Zenfone 5Z

Streng genommen ist der Mobile World Congress in Gänze ein Highlight. Es ist nämlich die einzige Messe, auf die ich mich schon lange im Vorfeld so richtig freue. Und das liegt nicht nur daran, dass es viele neue Smartphones zu sehen gibt, sondern mitunter auch daran, dass sie in Barcelona bei (meist) frühlingshaften Temperaturen stattfindet. Gut, dieses Jahr haben wir auch Schnee in Barcelona gesehen, aber das war zu verschmerzen, da wir uns an diesem Tag eh in den Messehallen aufgehalten haben.

Da ich mich an dieser Stelle aber auch spezifisch festlegen möchte, fällt mein persönliches Messe-Highlight in diesem Jahr anders als noch 2017 nicht auf eine Mobilfunk-Technologie, sondern auf ein Produkt: das Asus Zenfone 5Z. Zugegeben, Asus erfindet mit dem Gerät nichts neu, selbst das Design ist ziemlich frech von Apple abgekupfert, doch begeistern kann das Smartphone trotzdem. Denn Asus packt so ziemlich alles in das Handy hinein, was ein Smartphone-Herz höher schlagen lässt und überzeugt zudem mit einem Verkaufspreis von unter 600 Euro. Richtig viel Leistung zu einem fairen Preis. Das gefällt mir sehr!

Mein Flop des MWC 2018: Große Hersteller kapitulieren vor Samsung

Persönlich kann ich es überhaupt nicht nachvollziehen, dass etablierte Größen wie LG, Huawei oder Motorola (fast) komplett darauf verzichten, neue Smartphones auf dem Mobile World Congress vorzustellen. Der MWC ist Mobilfunk. Smartphones sind Mobilfunk. Und ein MWC ohne Smartphones ist in meinen Augen nicht (mehr) das, was er einst war. Ich finde: Das muss sich wieder ändern!

Sicher, man kann dem Marktführer das Feld allein überlassen und Samsung so die große Bühne mit der Vorstellung des eigenen neuen Flaggschiffs schenken. Aber warum? Die Angst, von Samsung und der Berichterstattung rund um das neue Galaxy-Flaggschiff „erdrückt“ zu werden, ist ein Problem, das in jeder Marketing-Abteilung großer Hersteller diskutiert werden dürfte. HMD Global mit seinen neuen Nokia-Smartphones, Asus mit seiner neuen Zenfone-Serie oder Sony mit neuen Flaggschiffen aus der XZ-Serie haben aber bewiesen, dass man auch abseits von Samsung mit neuen Smartphones auf dem MWC punkten kann. Also möchte ich etablierten Größen wie LG, Huawei und Motorola, aber auch kleineren Herstellern wie Gigaset, Acer oder auch Google zurufen: Schiebt den MWC nicht auf’s Abstellgleis, sondern nutzt ihn für Produktpräsentationen aus dem Smartphone-Umfeld. Die Messe gehört ein Stück weit auch euch – nutzt es! 

Michael Büttner (stellv. Chefredakteur)

Mein Highlight des MWC 2018: Nokia macht ernst

Die Messe in Barcelona hat einiges an neuer Hardware an Land gespült und Nokia führt bei der reinen Menge an neuen Smartphones die etablierten Hersteller an. Etabliert? Ein seltsames Wort für einen Hersteller, HMD Global, der erst vor einem Jahr seine ersten Handys auf den Markt geworfen hat. Die Marke Nokia jedoch hat so viel Bekanntheit und vor allem Vertrauensbonus, dass sie im Jahr 2017 die viertmeisten Mobiltelefone verkauft hat. Ohne die sehr gut verkauften Feature-Phones wäre das jedoch nicht möglich gewesen. Mit dem 8110 haben die Finnen nun ihr zweites Retro-Telefon vorgestellt, das jedoch nicht reicht, um zu den Topps zu gehören. Vielmehr hat Nokia auf dem MWC 2018 bewiesen, dass man es ernst meint und nicht nur eine Zweitverwertung der Marke anstrebt. Mit Android One und einem starken und bisher zumindest übersichtlichen Portfolio könnte das Comeback zu alter Stärke tatsächlich gelingen.

Mein Flop des MWC 2018: LG Thinq und die hasenfüßigen Hersteller

Samsung dominierte mit dem Galaxy S9 und dem Galaxy S9 Plus die Messe. Das war zu erwarten. Aber nur, weil Huawei und LG, die großen Gegner Samsungs keine neuen Smartphones präsentiert haben. Für Huawei ist das nichts besonderes, sagt zumindest Huawei-Frontfrau Katrin Widmayer, man habe schon in der Vergangenheit einzelne Events genutzt um die Flaggschiffe vorzustellen. Dementsprechend gab es auf dem MWC auch lediglich neue Tablets zu sehen. Trotzdem: Die wichtigste Mobilfunkmesse ohne neue Handys zu begehen macht bei Huawei und LG einen Eindruck der Hasenfüßigkeit. Dass LG nicht mit breiter Brust zur Messe kommt – man hat lediglich ein aufgefrischtes V30 präsentiert – ist nach den letzten Pleiten verständlich, Huawei dagegen darf es sich eigentlich herausnehmen dem koreanischen Dominator Paroli zu bieten. In diesem Sinne: Mehr Mut!

David Gillengerten (Redakteur)

Mein Highlight des MWC 2018: Sony geht seinen eigenen Weg und neue VR-Tech von HTC

In mir schlägt ein Gamer-Herz. Dementsprechend freue ich mich über Smartphones, die mit besonderen Spielereien ausgestattet sind. Sonys neue Oberklasse, das Xperia XZ2 und Xperia XZ2 Compact, sind solche Modelle. Die Handys halten sich nicht an aktuelle Modetrends, sind verhältnismäßig dick und verfügen über viele Besonderheiten wie den verbesserten Vibrationsmotor, den ich schon aus dem PlayStation-4-Controller kenne. Das mag für Otto Normalverbraucher unnötiger Krimskrams sein, für mich ist es genaue die Abgrenzung von der aktuellen Flaggschiff-Stangenware, die ich suche. Besonders beeindruckt war ich auch von der HTC Vive Pro und HTC Lense, die sich auf der Messe präsentierten. Die VR-Brillen werden immer besser und trotz erster Ernüchterung bleibe ich dabei: Virtual Reality ist die Zukunft. Das hat mir der MWC 2018 erneut gezeigt.

Mein Flop des MWC 2018:  Nicht genörgelt ist Lob genug 

Eine Sache, die mir im Umfeld des MWC 2018 sehr deutlich zutage trat, war das allgegenwärtige und nie enden wollende Gemecker – Gemecker über die Hersteller und ihre neuen Geräte, über die wenigen Kekse im Pressezentrum oder einfach nur das Wetter in Barcelona. Dabei macht es keinen Unterschied, ob die Kritik von Journalisten, Bloggern oder Lesern kommt. Selbst Hersteller können sich im persönlichen Gespräch Spitzen gegen die Konkurrenz oder die Messe selbst nicht verkneifen. Das mag an den ersten Tagen noch „cool sein“, aber auf Dauer stört mich diese „Anti-Haltung“ vieler Teilnehmer der Messe aber. Bitte nicht falsch verstehen: Die wachsame Betrachtung von Dingen und eine hinterfragende Attitüde sind Grundpfeiler des journalistischen Arbeitens und sollen hier nicht infrage gestellt werden. Aber das ewige Gemecker an allem und jedem nervt auch – getreu dem Motto: „Nicht genörgelt ist Lob genug“. Es wird mal wieder Zeit, etwas offener und konstruktiver über den MWC 2018 zu berichten.

Simone Warnke (Redakteurin)

Mein Highlight des MWC 2018: Barcelona, Asus Zenfone 5Z und attraktive Preise

Menschenmassen, mindestens doppelt so viel Technik und dazwischen immer wieder viel Kaffee und Kekse. Der MWC macht Spaß, das ist unbestritten – egal ob draußen die Sonne scheint, es weiße Flöckchen vom Himmel schneit, man über das Messegelände hetzt oder im schönen Barcelona verschnaufen kann. Nach dieser Flut von Sinneseindrücken tut man gut daran, die gesehenen Neuheiten Revue passieren zu lassen.

Manchmal fällt es schwer, ein Gerät oder ein neues Angebot als Highlight zu küren, in diesem Jahr hat es mir allerdings ein Smartphone von Anfang an überraschenderweise angetan: das Asus ZenFone 5Z. Asus hat keineswegs das Rad neu erfunden – im Gegenteil: Optik wie Software sind alte Bekannte, die von verschiedenen Herstellern scheinbar zusammengeschustert und im neuen ZenFone vereinigt wurden. Der entscheidende Umstand spielt vermutlich der Preis im Einklang mit der verbauten Technik. Asus integriert neue Standards in das ZenFone 5Z und verlangt dafür noch nicht einmal 600 Euro. Man sieht, es müssen nicht immer 800 Euro oder mehr sein, um ein sehr gut ausgestattetes Smartphone mit gleicher oder zumindest ähnlicher Technik zu erhalten, wie es die marktführenden Hersteller handhaben.

Generell fiel mir auf, dass die meisten Hersteller auf der Messe auf ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis setzen wollen, was in Zukunft beispielsweise Honor – die diese Schiene seit jeher fahren – Konkurrenz machen könnte. Eine für den Verbraucher gute Entwicklung, wie ich finde.

Mein Flop des MWC 2018: Samsung zeigt sein neues Flaggschiff – ohne Innovation

Mal abgesehen davon, dass sich die tatsächlichen Innovationen primär bei Smartphones in Grenzen halten, war es in diesem Jahr vor allem der Hersteller Samsung, der mich langweilte. Eine groß aufgezogene Show mit Verantwortlichen, die sich nicht einmal die Mühe gaben, ihren jeweiligen Part gut vorzuspielen. Was bei den Darstellern abgelesen klang, spiegelt sich auch beim Galaxy S9 wieder: Der Hersteller will gefeiert werden für absurde Fehler, die im Galaxy S8 begangen wurden – man denke hier zum Beispiel an die Position des Fingerabdruck-Sensors. Ein Grund zum Klatschen ist dies eigentlich nicht. Um es also mit anderen Worten zu sagen: Viel Lärm um nichts.

Schade ist darüber hinaus, dass andere Hersteller dafür umso weniger Platz haben, sich und ihre Produkte vorzustellen – weniger Platz in diesem Sinne, dass der offensichtliche Druck von Außen herrscht, eine möglichst eigene große Show zu einem anderen Zeitpunkt zu veranstalten. Bestes Beispiel: Huawei. Kurzum: Ein wenig mehr Konkurrenz und weniger Schnickschnack würde gut tun und die Nerven aller Beteiligten schonen.

Michael Stupp (Redakteur)

Mein Highlight des MWC 2018: Eine Messe für spannende Gespräche

Der MWC 2018 zeigte sich von seiner grauen Seite – womit nicht zwingend das Wetter gemeint war. Die Highlights, die wirklich in Erinnerung bleiben werden, waren rar gesät. Gehen wir das Ganze also von einer anderen Seite an: Denn wirklich Spaß gemacht haben nicht zwingend die neuen Geräte, sondern eher die verschiedenen Gespräche über die Themem Mobilfunk, Hardware und Geschäftsgebahren. Hier ist es völlig unabhängig, ob das im offiziellen Rahmen gehaltene Hintergrundgespräch oder eben der Smalltalk zwischen Messeständen gemeint ist – wenngleich man bei letzterem immer mal wieder ein interessantes Detail erfährt. Auch der Gesprächspartner ist hier zweitrangig: Ob Marketing-Chef, Produktmanager oder eigentlich konkurrierender Journalistenkollege; die Fachsimpelei macht Spaß und hat 2018 ein gesundes Maß und eine schöne Ausgewogenheit erreicht.

Geht es dann doch um ein spezifisches Highlight: Hier hat mir der selbstbewusste Auftritt von Asus imponiert. Unser Chefredakteur hat an dieser Stelle ja schon einiges gesagt (siehe oben) und auch Simone war vom neuen Asus-Flaggschiff angetan. Mehr als das Gerät an sich hat mir jedoch gefallen, dass der vermeintlich unbedeutende Hersteller sein eigenes Umfeld in Barcelona geschaffen hat. Sowohl zeitlich als auch räumlich hat man sich in den Vordergrund gemogelt und für das abschließende Messe-Highlight gesorgt. Den Granden Motorola, Huawei und Co., die vermeintlich vor der Marktmacht Samsung gekuscht haben, wurde hier mustergültig gezeigt, wie es auch gehen kann.

Mein Flop des MWC 2018: Modellpflege statt Neuankündigungen

Auch hier haben die Kollegen viel Offensichtliches vorweggenommen: Hier bleibt zu sagen: Wer sich kleiner macht, als er ist, wird alsbald zurecht in der Bedeutungslosigkeit versinken. Abgestraft gehören aber auch diejenigen, die eine bessere Modellpflege als den großen Knall verkaufen – das geht raus an LG, HMD Global und natürlich Samsung.

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