Mobilfunk in Deutschland Braun macht beim Netzausbau Druck – Deutsche Telekom hält dagegen

vom 03.03.2018, 13:39
Telekom-Chef Tim Höttges auf dem MWC 2017 in Barcelona.
Bildquelle: inside-handy.de / Hayo Lücke

Der designierte Kanzleramtsminister Helge Braun will mehr Druck auf die Mobilfunkanbieter in Deutschland machen und kündigt den Funklöchern hierzulande den Kampf an. Mittel dafür: eine App und die nächste Versteigerungswelle der Mobilfunkfrequenzen für das 5G-Netz. Die Deutsche Telekom sieht sich jedoch im Plan.

Helge Braun, designierter Kanzleramtsminister und bald zuständig für die Koordination der Maßnahmen zur Digitalisierung Deutschlands, setzt im Mobilfunkbereich erste Duftmarken. Wie in einem Facebook-Video angekündigt, möchte der CDU-Mann mit einer App Funklöcher im Mobilfunknetz aufdecken und die Netzbetreiber beim Netzausbau strenger an die Kandare nehmen.

In einem Interview mit dem Magazin "Focus" stellt er fest, dass die Ausbauverpflichtungen der Netzbetreiber nicht so scharf formuliert seien, wie es notwendig wäre. Hier liegt seiner Meinung nach der Grund dafür, dass es noch Funklöcher gibt. "Da werden wir nachsetzen", zitiert das Magazin Braun. Diese Botschaft geht klar an die Netzbetreiber. Die Deutsche Telekom jedoch sieht ihre Pflichten schon fast erfüllt. Wie der Bonner Konzern auf Nachfrage von inside-handy.de mitteilt, habe man eine umfassende Ausbauverpflichtung und werde alle Aufgaben zeitgerecht erfüllen. "Wir haben aktuell eine LTE-Abdeckung von 94 Prozent erreicht und bis Jahresende 2019 soll die Bevölkerungsabdeckung mit LTE bei 98 Prozent liegen."

5G-Frequenzversteigerungen als Hebel

Als Hebel zur vollständigen Netzabdeckung soll laut Braun die Versteigerung der Mobilfunkfrequenzen des 5G-Netzes genutzt werden. So würden allen Bewerbern auf die Frequenzen Ausbauverpflichtungen auferlegt. Die Deutsche Telekom ist einer der Bewerber und mahnt in der Stellungnahme an inside-handy.de an, dass "der gesetzliche Verhältnismäßigkeitsgrundsatz" gilt, was bedeute, dass "Versorgungsauflagen letztlich angemessen sein müssen." Grundsätzlich unterstütze man den Weg von Ausbauauflagen im Rahmen der Frequenzversteigerung. Trotzdem gebe es auch "durchaus eine Grenze für weitere Verschärfungen." Wichtig sei, so die Telekom weiter, "dass die Frequenzpolitik und -regulierung gleichzeitig sicherstellt, dass den Netzbetreibern auch die finanziellen Mittel für die verlangten Investitionen erhalten bleiben. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass auf einen regulierten Zugang verzichtet und wie bisher auf marktwirtschaftliche Lösungen gesetzt wird." Somit bleibt es spannend, wie umfangreich die Verpflichtungen der Netzbetreiber vonseiten des Bundes ausfallen werden. Das Ziel Brauns ist dabei klar: "Es darf keine relevanten Funklöcher mehr geben."

Funkloch-Melde-App

Dieses Ziel will man nicht nur zusammen mit den Mobilfunkanbietern, sondern auch mit der Bevölkerung schaffen. So kündigt Braun eine Funkloch-Melde-App an, mit der Bürger störende Lücken im Netz melden können sollen. Die Ergebnisse sollen veröffentlicht werden, damit "ein großer Druck entsteht, dass wir dieses lästige Problem gelöst bekommen." Solche Apps sind von einigen Netzbetreibern schon im Einsatz. Die Deutsche Telekom begrüße einen einfachen Weg, Funklöcher zu melden, pocht jedoch auf die Genauigkeit bei einer solchen Methode: "Es muss dabei sichergestellt werden, dass es zu seriösen und belastbaren Messergebnissen kommt."

Quellen: Focus, Helge Braun, Deutsche Telekom | Bildquelle kleines Bild: Helge Braun | Autor: Michael Büttner
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