MWC Europa-Chef Marc Bernier steht Rede und Antwort MWC-Gespräch mit Alcatel: "Man muss sich ab und zu in Frage stellen"

vom 10.03.2018, 11:00
Alcatels neues Logo
Bildquelle: Alcatel

Fernab des Messetrubels in nettem Ambiente mitten in Barcelona ergriff die Redaktion von inside-handy.de die Gelegenheit beim Schopf und ging mit Alcatel auf Tuchfühlung. Marc Bernier, seines Zeichens Europa-Chef bei Alcatel, stand für Fragen und die passenden Antworten bereit. Zusammengefasst wurden die Vergangenheit, die Gegenwart und auch die Zukunftspläne des Herstellers, wodurch ein letztlich großes Bild entworfen werden konnte.

Rückblick: Erinnert man sich an das vergangene Jahr, so wird nicht viel von Alcatel in Erinnerung geblieben sein. Um den Hersteller mit französisch-chinesischen Wurzeln war es ruhig geworden – die im Raum schwebende Frage ist daher logischerweise: Wie sieht es bei Alcatel hinter den verschlossenen Türen aus? Marc Bernier gab ohne Umschweife zu, dass man in den 20 Jahren, in denen man nun auch auf dem deutschen Markt tätig ist, viele Fehler gemacht habe, die das Unternehmen zurückwarfen. "Wir haben vergessen wer wir sind", meint Bernier und räumt ein, dass der Kurs geändert werden muss – zurück zu dem Punkt, an dem Alcatel wusste, was das Unternehmen ausmacht und vor allem, worin das Unternehmen gut ist.

Stolz sei man bei Alcatel darauf, zu den einflussreicheren Smartphone-Herstellern am Markt zu gehören. Selbstkritisch wusste man die eigene Firma aber auch realistisch einzuschätzen: "Wenn man im Electro-Consumer-Bereich arbeitet, ist es sehr schwierig, denn tatsächlich sind wir eigentlich kein Vorbild in der Elektronikindustrie – überhaupt nicht, das muss man auch sehr ehrlich sagen. Daran müssen und werden wir aber arbeiten."

Auf dem Boden der Tatsachen

Im Gespräch wusste man Alcatel als Marke und Hersteller auf dem Markt zu positionieren und betonte vor allem die Zusammenarbeit mit Netzbetreibern wie Telefónica, die Alcatel durch die ständige Entwicklung neuer Produkte - wenn auch primär keine Smartphones dazu gehören - zu der aktuellen Stellung auf dem deutschen Markt verholfen haben. Und das war und ist keineswegs ein einfacher Weg, so Bernier, denn deutsche Verbraucher orientieren sich eher an Marktgrößen, deren Produkte allseits bekannt sind. Für tendenziell kleine Hersteller wie Alcatel ist es deswegen oftmals eine Herausforderung, in Deutschland Fuß zu fassen.

Schwierig sei es vor allem dann, wenn man einen Fehler begangenen hat. Das Paradebeispiel Alcatels ist laut Bernier das Smartphone-Modell A5, bei dem das Design aufgrund des zu hohen Plastikanteils gefloppt ist. Deswegen müsse man daran arbeiten, wieder als gute Marke anerkannt zu werden. "Unser Ziel muss sein, dass wir wieder anerkannt werden", so Bernier.

Zukunftsmusik

Der Weg ist geebnet, wenn man weiß, wo man sich befindet. Welche Töne spielt also die Zukunftsmusik Alcatels? "Wir haben vergessen – Smartphones sind ein Super-Tool", sagt Bernier. Fest steht, dass Alcatel auch in Zukunft eine faire Marke sein soll – und als "fair" definiert man hier gute Qualität zu einem guten Preis. Kurzum: Das Augenmerk soll auf einem soliden Preis-Leistungs-Verhältnis liegen. Neben der Integration eines 18:9-Formats in sämtlichen Smartphone-Reihen liegt der Fokus auch an der Optimierung des Akkus, der letztlich aber alle Smartphone-Hersteller betrifft.

Einen interessanten Ansatz könnte Alcatel darüber hinaus auch in eigenen Reihen finden: Das gesamte Unternehmen TCL Communications, zu dem auch BlackBerry gehört, produziert schon jetzt für die Konkurrenz Display-Panels. Deswegen gebe es für die nahe Zukunft auch die Fantasie, eigene Geräte aus ganz eigener Produktion zu kreieren. Diese Smartphones könnten sich dann auch in einem anderen Preisrahmen bewegen und mehr als 300 Euro kosten. Speziell Alcatel ist eher für Smartphones bis 200 Euro bekannt.

Der Quintessenz im Gespräch zwischen Marc Bernier und inside-handy.de ist letztlich auch der, dass Alcatel sich nicht nur auf das Smartphone-Geschäft verlassen, sondern insgesamt breiter aufstellen will. Einen Ansatz findet der Hersteller bereits im Vertrieb von Wearablaes und Smart Devices. Zu nennen wären beispielsweise verschiedene (Fitness-)Tracker wie auch die Smartwatch Kid Watch, die kleine Sprösslinge zur ihrer eigenen Sicherheit auch orten kann. Features, die die Sicherheit von Menschen wie auch Geräten betreffen, sollen somit künftig ebenso vermehrt eine Rolle spielen. Marc Bernier nippt an seinem Kaffee und schmunzelt: "Man muss sich ab und zu in Frage stellen." 



Bildquelle kleines Bild: Alcatel  | Autor: Simone Warnke
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Themen dieser News: Alcatel, Mobilfunk-News, MWC Barcelona, Smartphones, Unternehmen und Märkte, Wearables

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